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Weißer Winter-Weihnachtstraum in Mettingen
[29. Dezember 2010]
Viele Jahre hatten wir geduldig darauf warten müssen. Jetzt endlich zeigte Petrus ein Einsehen und bescherte Mettingen das winterlichste Weihnachtsfest seit Bestehen der Wetterstation Mettingen-Schlickelde, deren Beobachtungsreihe bis ins Jahr 1995 zurückreicht. Eine durchschnittliche Schneedecke von 21 Zentimetern, zeitweilige weitere Flockenschauer sowie knackige Temperaturen zwischen maximal +0,4°C und bis zu -19°C knapp über der Schneedecke verwandelten die Landschaft unserer Region in ein wahres Weihnachts-Winter-Wunderland.
Ein durchweg weißes Weihnachtsfest, das hatte es zuvor das letzte Mal im Jahr 2000 im Tüöttenstädtchen gegeben. Bei dauerfrostigen Temperaturen zwischen -6,2 und -0,6°C zierte damals eine über alle drei Tage gemittelte Schneedecke von fünf Zentimetern Höhe das Mettinger Land. Soviel wie in diesem Jahr hat es von der weißen Pracht zu den Festtagen in der Geschichte der Schlickelder Station jedoch noch nie gegeben. Vom winterlichen Flair allenfalls noch vergleichbar zeigten sich lediglich die Weihnachtstage 1996, die sogar noch ein wenig kälter ausgefallen waren, dafür aber ebenfalls “nur” durchschnittlich fünf Zentimeter Schnee zu bieten hatten. (Diagramm: Temperaturen und Schneehöhen der vergangenen 22 Weihnachtsfeste in Schlickelde, gemittelt jeweils über alle drei Tage (Heiligabend, 1. Weihnachtstag, 2. Weihnachtstag) / k.D. = keine Daten zur Schneehöhe vorhanden.)
Und auch nach dem großen Fest ging und geht es bislang weiß und frostig kalt weiter. Wenige Tage vor seinem Ende befindet sich der Dezember 2010 momentan klar auf Rekordkurs zum Titel des kältesten und schneereichsten Monats der Stationsgeschichte. (Fotos: Zwei Meter lange Eiszapfen an einem Bauernhaus in Schlickelde / Aufgetürmte Schneemassen in der Siedlung Priestertum)
Ein Video mit Winterimpressionen, aufgenommen am 24. und 25.12. in Schlickelde, ist nun hier (Originalgröße, 25 MB)
oder hier (Youtube, komprimiert) abrufbar.

Hiermit wünsche ich allen treuen Leserinnen und Lesern dieser
Seiten ein wunderschönes, unbeschwertes und vor allem
weißes Weihnachtsfest 2010!
(Und so war´s im letzten Jahr)
Zweite Dezemberdekade: 5,5 Grad zu kalt
[22. Dezember 2010]
Es dürfte kaum mehr überraschen, ist dennoch in dieser Form aber schon jetzt eine meteorologische Sensation: Nachdem bereits die erste Dezemberdekade (01.-10.12.) eine negative Temperaturabweichung von fast 5 Grad gegenüber der vieljährigen Norm gebracht hatte, sind nun auch die entsprechenden Berechnungen für das zweite Dezemberdrittel (11.-20.12.) abgeschlossen. Und diese ergeben für den Standort Schlickelde in diesem Jahr eine mittlere Temperatur von sage und schreibe -3,0°C. Das entspricht einer rekordverdächtigen Abweichung von -5,5 K gegenüber dem Mittel der WMO-Normalperiode in unserer Region, das in den Jahren 1961-1990 an der Flugwetterwarte Münster/Osnabrück zu +2,5°C ermittelt worden war. Langsam aber mit einer äußerst ungewöhnlichen Hartnäckigkeit streben wir damit im Ergebnis einem Rekordkältemonat entgegen, der am 31.12. durchaus als historisch in die Klimastatistiken eingehen könnte. Vorausgesetzt natürlich eine weitere Fortdauer des derzeitigen Witterungsmusters ... und genau darauf deutet momentan alles hin.
Tiefster Winter in Schlickelde: -22,1°C über Schneedecke
[21. Dezember 2010]
Väterchen Frost entlässt Mettingen auch weiterhin nicht aus seinem eisigen Griff. Im Gegenteil: In den vergangenen 36 Stunden versank das Tüöttenstädtchen in geradezu tief winterlichen Verhältnissen und erlebte fast schon rekordtauglich eisige Temperaturen. Bereits im Laufe des gestrigen Nachmittags klarte der Himmel nahezu vollständig auf, rauschten die Thermometer geradezu ungebremst in den strengen Frostbereich. Wurden um 13.40 Uhr beispielsweise an beiden Messstellen (2 Meter bzw. 5 Zentimeter Messhöhe) der Wetterstation noch übereinstimmend -5,2°C gemessen, stürzten die Werte knapp über der 20 Zentimeter dicken Schneedecke in den folgenden dreieinhalb Stunden bis auf unter -20°C ab. Trotz extremer Schwankungen und zwischenzeitlichen Phasen der Frostabschwächung aufgrund durchziehender Nebel- oder Hochnebelfelder erreichten die Messkurven gegen 4 Uhr morgens schließlich ihre absoluten Tiefpunkte von -15,7°C (2m) bzw. -22,1°C (5cm). Besonders knapp über der Schneeoberfläche war die vergangene Nacht damit eine der kältesten in der Schlickelder Stationsgeschichte überhaupt. Lediglich im vergangenen Winter waren die Messwerte mit -22,9°C am 19.12.09 noch ein wenig tiefer abgesunken. (Diagramm: Temperaturverlauf in 2 Metern (Klimahütte) bzw. 5 Zentimetern Messhöhe über der Schneedecke, 1minütige Mittelwerte)
Während sich von Süden her heute markantes Tauwetter bereits bis fast zum Ruhrgebiet vorgearbeitet hat, verbleibt Mettingen auch weiterhin auf der winterlichen Seite einer markanten Luftmassengrenze, die in den nächsten Tagen weiße von zumindest anfangs eher grünen Weihnachten trennen wird. Zwar wird sich der strenge Frost auch bei uns nun deutlich abschwächen. Gleichzeitig werden ab morgen (22.12.) mit feuchteren Luftmassen allerdings auch weitere, zum Teil länger andauernde und ergiebige Niederschläge erwartet, die in Mettingen voraussichtlich wohl nahezu ausschließlich als Schnee fallen werden. Lediglich am Mittwoch könnte sich vorübergehend auch mal Schneeregen oder sogar Regen zwischen die Flocken mischen, so dass davon auszugehen ist, dass sich die ohnehin angespannten Verhältnisse auf sämtlichen Verkehrswegen erneut verschärfen werden. (Tabelle: Livedaten-Monitorausschnitt von heute morgen 3.11 Uhr.)
Eines ist nach derzeitigem Modellstand jedoch sicher: Das Weihnachtsfest 2010 in Mettingen ... wird weiß!
Winter in Höchstform: -19,4°C
[18. Dezember 2010]
Das ungewöhnlich strenge Winterwetter derzeit in Mettingen, es sorgt auch heute wieder für beeindruckende Schlagzeilen. Nach den ergiebigen Schneefällen von vorgestern und gestern abend, klarte der Himmel in der vergangenen Nacht verbreitet vollständig auf und ließ die Temperaturen fast ins Bodenlose fallen. So wurde um Punkt 10.09 Uhr in der großen Wetterhütte auf dem Schlickelder Messfeld ein Tiefststand von -12,2°C erreicht. Geradezu mild im Vergleich zu den Werten direkt an der Oberfläche der inzwischen 16 Zentimeter mächtigen Schneedecke. Bis auf eisige -19,4°C, gemessen um genau 8.31 Uhr, stürzte die Messwertkurve hier ab.
Die Chancen auf weiße Weihnachten im Mettinger Land sind indes weiter deutlich gestiegen. Neue Schneefälle bei durchweg dauerfrostigen Temperaturen kündigen sich vor allem für morgen (19.12.) und den 22.12. an. Trotz einer vorübergehenden Milderung kurz vor dem Fest, die vor allem am 22. und 23.12. mit bis zu +3°C zuschlagen wird, dürften sich derartig große Schneemengen bis zu den Feiertagen halten können. Für Weihnachten selbst deutet sich dann bereits wieder eine neuerliche Abkühlung an. Fazit: Die Chancen auf eine Mettinger Weihnacht ganz in Weiß stehen derzeit bei etwa 80 bis 90 Prozent.
Schneetief “Petra” bringt 11 Zentimeter Neuschnee
[17. Dezember 2010]
Nach den Schneefällen in der ersten Dezemberhälfte überquerte gestern Schneetief “Petra” mit seinen Fronten das Bundesgebiet und brachte dem Mettinger Land 11 Zentimeter Neuschnee. So verwandelt nun inzwischen eine stattliche 14 bis 16 Zentimeter mächtige weiße Decke die 40,6 Quadratkilometer zwischen Mettinger Moor und Schafbergplatte in ein tief winterliches Vorweihnachtsmärchen. (Fotos: Nach dem Schneegestöber. Schlickelde ... ein Wintermärchen! Anklicken öffnet eine Diashow mit Impressionen aus dem Umfeld der Wetterstation (6,3 MB))
Während nach einer eisigen Nacht von vorgestern auf gestern mit anfangs bis zu -17°C unmittelbar über der Altschneedecke tagsüber durch die streifende Warmfront von “Petra” bei zeitweiligen Schneefällen und kräftigen Windböen (46 km/h) noch knappe Pluswerte erreicht wurden, traf gegen 17 Uhr die nachrückende Kaltfront das Gemeindegebiet. Innerhalb von nur 15 Minuten registrierten die Messgeräte über 3 Liter Niederschlag ... vollständig in Form von starkem Schneefall. Örtlich begrenzt kam es im Zuge der Kaltfrontpassage sogar zu vereinzelter Gewitteraktivität, so beispielsweise im Raum Greven/Münster oder auch am Niederrhein. Im weiteren Verlauf des Abends klangen die Schneefälle dann ab und zeitweilige kurze Auflockerungen in der Wolkendecke ließen die Temperaturen unmittelbar über der Schneedecke teilweise wieder auf unter -8°C absinken.
Chaotisch gestalteten sich durch die ergiebigen Schneefälle natürlich die Verhältnisse auf sämtlichen Verkehrswegen, besonders in Nordrhein-Westfalen. Während sich die wetterbedingten Behinderungen im Bahnverkehr vergleichsweise in Grenzen hielten, kam es auf NRW´s Autobahnen zeitweise zu bis zu 250 Kilometern Stau, örtlich sogar zu Vollsperrungen für Lkw.
Winterlich geht es auch in den nächsten Tagen weiter und auch die Chancen auf ein weißes Weihnachtsfest stehen in diesem Jahr garnicht so schlecht. Allerdings sind die diesbezüglichen Modellrechnungen derzeit noch mit einer erheblichen Schwankungsbreite versehen. Trendmäßig gilt wohl die Faustregel “Je weiter nördlich desto besser”, da voraussichtlich eine Luftmassengrenze über Mitteleuropa zu liegen kommt. Wo genau diese verlaufen wird, lässt sich derzeit aber noch nicht exakt abschätzen. Vorerst heißt es also auch in Mettingen noch: “I´m dreaming of a white Christmas!”
Einen zeitlich hochauflösenden Zeitraffer der Wettercam Schlickelde vom Durchzug der Schneefront finden Sie hier.
Erste Dezemberdekade: Fast 5 Grad zu kalt
[10. Dezember 2010]
Das heutige Ende der ersten Monatsdekade (1.-10.12.) nehmen wir zum Anlass für eine kurze Zwischenbilanz des bisherigen Dezembers 2010 ... denn diese kann sich wahrlich sehen lassen. Nach den ersten ungewöhnlich heftigen Kaltluftvorstößen Ende November waren auch die vergangenen eineinhalb Wochen zum Teil tief winterlich geprägt. Nicht nur, dass an allen (!) zehn Tagen das Schlickelder Messfeld mit einer durchgehend geschlossenen, am Ende bis zu 9 Zentimeter mächtigen Schneedecke bedeckt blieb. Auch und vor allem die Temperaturverhältnisse können inzwischen als jahreszeitlich absolut außergewöhnlich bezeichnet werden. So lagen die Tagesdurchschnittstemperaturen zwischen -7,7°C im Minimum (01.12.) und +2,0°C in der Spitze (10.12.), mittelten sich über die 10 Tage auf exakt -2,04°C. Ein Blick auf die offizielle Klima-Referenzperiode der Jahre 1961-1990 verspricht unserer Region im ersten Dezemberdrittel dagegen durchschnittliche Tageswerte von +2,76°C. Die erste Dezemberdekade 2010 war damit in Mettingen satte 4,8 Grad kälter als üblich.
Und ein Ende der Eiszeit ist derzeit nicht in Sicht: Nach einer kurzen Milderung auf bis zu +7°C am Samstag, treten die Temperaturen im Verlauf des Sonntags bereits wieder den nächsten Sinkflug an. Ab Montag herrscht dann erneut verbreitet Dauerfrost.
November 2010: Zu nass und normal temperiert
[02. Dezember 2010]
Schnee, Kälte, Dauerfrost ... es ist Winter im Mettinger Land, so früh und intensiv wie es noch vor kurzem kaum jemand erwartet hätte. An dieser Stelle blenden wir all das aber kurz noch einmal aus und blicken stattdessen zurück auf den gerade zuende gegangenen dritten und letzten Herbstmonat dieses Jahres.
Auch der November hatte noch einen gehörigen Anteil an der derzeitigen winterlichen Witterungsphase. So lagen alle acht Tage zwischen dem 23. und 30.11. mit ihren Tagesmitteltemperaturen unter dem gleitenden Durchschnitt der Referenzperiode 1961-1990, am 27. November beispielsweise sogar um rekordverdächtige knapp 8 Grad (siehe Diagramm). Eine weitere leicht zu kühle Phase trat vom 7. bis zum 11.11. auf, während um den 4. und 13. November herum zum Teil deutlich zu milde Temperaturen gemessen wurden. Diese waren schließlich auch dafür verantwortlich, dass der November 2010 trotz der ungewöhnlich strengen Kälte zum Monatsende in seiner Gesamtheit dennoch als ausgeglichen temperiert in die Statistiken eingeht. Mit einer Monatsmitteltemperatur von 5,2°C wurde das vieljährige Mittel (Münster/Osnabrück 1961-1990: 5,3°C) lediglich um unbedeutende 0,1 K unterboten. Die absolute Temperaturspitze wurde sowohl am 4. als auch am 5.11. mit jeweils 14,8°C erreicht. Dem gegenüber stand ein Monatsminimum von -6,6°C am 27.11., der niedrigsten Novemberwert seit 12 Jahren überhaupt. Knapp über der Erdoberfläche (5cm) sackten die Werte gegen Monatsende zeitweise sogar bis auf knapp -11°C ab. Insgesamt wurden zwischen dem 1. und 30.11. immerhin 6 Frost-, 13 Grasfrost- und sogar die ersten vier Eistage des Winters mit Höchstwerten im Minusbereich gezählt. Nach 16 Uhr am 26. November stiegen die Werte bis zum Monatsende überhaupt nicht mehr über den Nullpunkt an ... respektable 104 Stunden Dauerfrost, die sich auch in den ersten Dezembertagen weiter fortsetzten.
Im Gegensatz zur Temperaturbilanz fiel die Niederschlagsabweichung im vergangenen Monat schon deutlicher aus. Insgesamt fielen im November beachtliche 94,8 Liter auf den durchschnittlichen Mettinger Quadratmeter. Dies entspricht einem recht deutlichen Plus von 29 Prozent gegenüber dem 30jährigen Referenzwert (Westerkappeln 1961-1990: 73,5 L/m²). Nassester Tag: Der 06.11. mit einer 24stündigen Summe von 26,0 Litern pro Quadratmeter. Definitionsgemäß trocken blieben 12 Tage, an denen weniger als 0,1 Liter zusammen kamen. Die maximale Niederschlagsintensität blieb mit 0,2 L/m² pro Minute am 5. November im relativ schwachen Bereich. Wenige Tage nach den ersten vereinzelten Schneeregen- bzw. Schneeflöckchen, rieselte am 29.11. ab kurz vor 10 Uhr morgens die erste dünne Schneedecke der Saison vom Himmel, die bei den dauerfrostigen Temperaturen auch am Folgetag weitgehend unverändert blieb.
Weitere Monatsdaten aus dem November 2010 in Schlickelde: Mittl. Relative Luftfeuchte 90,1 % (+4,6 %), Mittl. Luftdruck 1006,0 hPa (-8,2 hPa!), Mittl. Windgeschwindigkeit 10,4 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 35,4 Stunden (-37,0 %)
Kältester Winteranfang: Gefühlte -21°C
[01. Dezember 2010]
Eiszeit im Mettinger Land, seit 128 Stunden Dauerfrost. Mit Nachmittagstemperaturen von -8 bis -9°C und einem Tagesmittel von -7,7°C war der heutige 1. Dezember der mit Abstand kälteste meteorologische Winterbeginn in der Geschichte der Schlickelder Klimastation, also seit mindestens 21 Jahren. Zusätzlich zu den eisigen Temperaturen machte zudem ein starker bis stürmischer Wind, der in Spitzen bis zu 59 km/h erreichte, einen längeren Aufenthalt im Freien äußerst unangenehm. Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang derzeit wieder verstärkt die Runde macht, ist die sogenannte Windchill-Temperatur, ein grobes Maß für den gefühlten Wert auf ungeschützter menschlicher Haut. Dieser erreichte auf dem Schlickelder Messfeld in den heutigen Nachmittagsstunden zum Teil Werte von -21°C. Das heißt, die Temperaturen fühlten sich auf der Haut zu jenem Zeitpunkt durch den starken Wind genauso kalt an wie eine “echte”, am Thermometer gemessene Lufttemperatur von -21°C bei nur schwachem Wind.
Auch in den kommenden Tagen bleibt es winterlich bei zum Teil strengem Frost und zeitweiligen Schneefällen. Erst am Wochenende und zu Beginn der kommenden Woche deutet sich eine Frostabschwächung, jedoch noch keine wirklich durchgreifende Milderung an.
Kälteeinbruch: Hochwinter im November
[27. November 2010]
Genau fünf Jahre nach dem “Münsterländer Schneechaos” hat auch in diesem Jahr der Winter erneut früh Fuß gefasst im Mettinger Land. Nachdem bereits Mitte Oktober der erste Bodenfrost registriert worden war, sackten nun vorgestern um Punkt 23.25 Uhr auch in der großen Klimahütte in zwei Metern Messhöhe die Werte erstmals ins Minus. Es folgte der erste markante Kaltluftvorstoß der Saison, der die Temperaturkurve am gestrigen Nachmittag nur noch knapp über den Nullpunkt ansteigen (+ 0,4°C) und in den heutigen Morgenstunden bis auf -6,6°C absacken ließ. Mit diesem Wert war die vergangene Nacht die kälteste Novembernacht seit 1998. In fünf Zentimetern Messhöhe über der Rasenfläche wurden sogar strenge -10,6°C registriert. Tagsüber stiegen die Werte dann nicht über -0,6°C hinaus ... der erste, sehr frühe Eistag der Saison.
Während in vielen Nachbarregionen bereits die erste Schneedecke des Winterhalbjahres entstand, mischten sich in Mettingen in den vergangenen Tagen bislang nur vereinzelt ein paar Flöckchen in den Regen. Dies könnte sich aber schon bald ändern. Teils ergiebige Schneefälle werden für Montag (29.11.) über Deutschland erwartet. Nach derzeitigem Stand werden die größten Mengen sowohl in Bayern als auch in einem Streifen vom Niederrhein quer über Hessen und Thüringen bis zur Lausitz erwartet, so dass evtl. auch Mettingen dann deutlicher betroffen sein könnte. Unabhängig davon ist ein durchgreifendes Ende der hochwinterlichen Witterungsperiode mit teils kräftigem Dauerfrost bis mindestens zum Ende der kommenden Woche nicht in Sicht. Im Gegenteil: Ab Mittwoch ist sogar nochmals mit einer Frostverschärfung zu rechnen. (Foto: Bild bzw. Zeitraffer der “Wettercam Schlickelde” vom heutigen Morgen.)
Damit legt der Winter in diesem Jahr bereits knapp vier Wochen vor seinem kalendarischen Beginn einen echten Frühstart hin, der in dieser Intensität und Stabilität ungewöhnlich ist. Üblicherweise liegen typische Tagesmittel der Lufttemperatur Ende November etwa zwischen 3,5 und 4,5°C. Der gestrige Durchschnitt erreichte dagegen nur frostige -2,6°C.
Oktober 2010: Normal temperiert und zu trocken
[24. November 2010]
Kurz vor Beginn des meteorologischen Winters wollen wir uns an dieser Stelle nochmals kurz einem Blick über die Schulter, sprich zurück auf den zweiten Herbstmonat 2010, widmen.
Grob gegliedert ließ sich der Oktober 2010 in Mettingen aufteilen in zwei zum Teil deutlich überdurchschnittlich temperierte Witterungsphasen in den ersten acht und den letzten fünf Tagen des Monats sowie einen zu kühlen Abschnitt dazwischen, während dessen die Tagesmittelkurve durchweg unter jener der Referenzperiode 1961-1990 verblieb (siehe nebenstehendes Diagramm). Insgesamt errechnet sich daraus eine Monatsmitteltemperatur von 9,6°C und eine Gesamtabweichung von -0,3 K gegenüber dem 30jährigen Normalwert (Station Münster/Osnabrück 1961-1990: 9,9°C). Der Oktober 2010 geht somit als weitgehend normal temperiert, allenfalls unwesentlich zu kühl in die Klimastatistiken ein. Dem absoluten, fast noch sommerlichen Maximum von 23,8°C am 03.10. steht ein Monatstiefpunkt von Punkt 0,0°C elf Tage später gegenüber. Definitionsgemäßer Luftfrost (< 0,0°C) wurde also nicht verzeichnet. Dennoch wurden an den Zweitmessstellen in fünf Zentimetern Höhe beachtliche 6 Bodenfrost- bzw. 7 Grasfrosttage mit entsprechenden Minima unter Null registriert, am markantesten mit bis zu -4,6°C am 11.10..
Deutlich unterdurchschnittlich fiel allerdings die Wasserbilanz aus. Mit einer Gesamtniederschlagshöhe von 48,3 mm blieb der Oktober 2010 um genau 19 Prozent unter dem vieljährigen Vergleichswert der Periode 1961-1990 (Station Westerkappeln: 59,6 mm). Zurückzuführen war dies in erster Linie auf eine länger andauernde Hochdruckphase, die in der gesamten ersten Monatshälfte aufsummierte Niederschläge von lediglich 11,2 Liter/m² ermöglichte. Beachtliche 17 Tage blieben mit 24stündigen Mengen von unter 0,1 L/m² im Oktober 2010 sogar gänzlich trocken. Das Tagesmaximum brachte der 19.10. mit 9,2 Litern, die höchste Niederschlagsintensität erreichte am 24.10. mit 0,3 Litern pro Minute nur einen unbedeutenden Wert. Nennenswerte Gewitteraktivität wurde zwischen dem 01. und 31. Oktober keine bemerkt.
Die weiteren Monatsdaten sowie (falls vorhanden) deren Abweichung zum Normalwert in Klammern: Mittl. Relative Luftfeuchte 84,9 % (+1,4 %), Mittl. Luftdruck 1014,2 hPa (-1,8 hPa), Mittl. Windgeschwindigkeit 9,0 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 103,5 Stunden (-7,2 %)
Sturmtief “Carmen”: In Mettingen harmlos
[13. November 2010]
Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 155 km/h in den Mittelgebirgen (Feldberg/Schwarzwald) und maximal 97 km/h im nordrhein-westfälischen Tiefland (Aachen) hat Sturmtief “Carmen” gestern und vorgestern Deutschland überquert. Während die Feuerwehren andernorts zum Teil entwurzelte Bäume oder umgestürzte Bauzäune von Straßen oder Bahngleisen entfernen mussten, verlief der Durchzug von “Carmen” in Mettingen vergleichsweise harmlos. Zwar wurden über Stunden Windböen der Stärke 8 registriert. Der absolute Spitzenwert, gemessen am 11.11. um Punkt 17.57 Uhr an der 11 Meter hohen Spitze des Schlickelder Windmastes, erreichte mit 73,8 km/h jedoch nicht einmal Sturmstärke (> 75 km/h). Auch über nennenswerte Schäden im Mettinger Gemeindegebiet wurde nichts bekannt.
Ein Zeitraffer der Sturmpassage, aufgenommen von der Wettercam Schlickelde, ist hier abspielbar.
Ergiebiger Dauerregen nach “Sommernacht”
[06. November 2010]
Nachdem in der Nacht vom 4. auf den 5. November mit Temperaturen von durchweg über 13°C (Maximum 14,8°C um 2 Uhr!) rekordverdächtig laue Sommernachtswerte registriert worden waren, überzog gestern und in der Nacht zu heute lang anhaltender, ergiebiger Dauerregen das Mettinger Land. Durch einen schleifenden Warm- und Kaltfrontenzug fanden so im Zeitraum zwischen gestern 0 Uhr und heute 12 Uhr beachtliche 36,5 Liter pro Quadratmeter ihren Weg in die Schlickelder Auffanggefäße. Zusammen mit den Niederschlägen der vorangegangenen Tage ergibt sich damit eine bisherige Novembersumme von 50,3 Litern, so dass das Monatssoll (73,5 L/m²) bereits jetzt zu zwei Dritteln erfüllt ist. In den kommenden Tagen wird es zwar über weite Strecken trocken aber auch deutlich kälter weitergehen. Nachts muss mit Bodenfrost oder sogar knappem Luftfrost gerechnet werden.
Niederschlagsprotokoll Mettingen-Schlickelde (05./06.11.2010)
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Uhrzeit
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Gesamtsumme* seit 05.11. (0 Uhr)
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15 Uhr
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7,0 Liter/m²
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16 Uhr
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7,5 Liter/m²
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17 Uhr
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8,0 Liter/m²
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18 Uhr
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8,5 Liter/m²
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19 Uhr
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9,6 Liter/m²
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20 Uhr
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11,4 Liter/m²
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21 Uhr
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15,9 Liter/m²
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22 Uhr
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18,8 Liter/m²
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23 Uhr
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20,1 Liter/m²
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0 Uhr
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22,8 Liter/m²
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1 Uhr
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24,8 Liter/m²
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2 Uhr
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25,6 Liter/m²
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3 Uhr
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27,4 Liter/m²
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4 Uhr
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29,1 Liter/m²
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5 Uhr
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31,4 Liter/m²
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6 Uhr
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33,5 Liter/m²
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7 Uhr
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34,3 Liter/m²
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8 Uhr
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34,7 Liter/m²
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9 Uhr
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35,6 Liter/m²
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10 Uhr
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35,8 Liter/m²
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11 Uhr
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35,9 Liter/m²
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12 Uhr
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36,5 Liter/m²
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* Datenquelle: Automatischer Niederschlagsmesser
Sommernacht im Oktober
[30. Oktober 2010]
Das milde Herbstwetter dieser Tage erreichte heute und vor allem in der vergangenen Nacht seinen vorläufigen Höhepunkt. Mit einem Tiefstwert von 12,2°C bewegte sich die Temperaturkurve während der Nachtstunden in einem Bereich, der eher sommerlichen denn herbstlichen Verhältnissen entspricht. Selbst über 75 Prozent der Tagesminima im diesjährigen Juni lagen (zum Teil deutlich) unter diesem Niveau. Verantwortlich für die sehr milden Temperaturen ist ein kräftiges Sturmtief mit Kerndruck unter 960 hPa nördlich von Schottland. In dessen intensiver Südwestströmung gelangten warme Luftmassen aus Frankreich und Spanien nach Mitteleuropa, bis die zugehörige schwache Kaltfront um kurz nach 14 Uhr mit deutlich kühlerer Luft und etwas Regen (0,9 mm) das Mettinger Land passierte. Von neuen Rekorden waren die heutigen Werte allerdings noch weit entfernt. Einen fast historischen Wärmeschub gab es beispielsweise Ende Oktober 2004, als selbst nachts um 1 Uhr zum Teil noch über 18°C gemessen worden waren.
In den kommenden Tagen geht es etwas kühler, wenn auch weiterhin noch relativ mild weiter. Ein wirklicher Kaltluftvorstoß mit Frost oder gar Schnee ist derzeit nicht in Sicht.
September 2010: Zu nass und normal temperiert
[29. Oktober 2010]
Durch Urlaub und Zeitmangel leider deutlich verspätet, wollen wir an dieser Stelle kurz vor Oktoberende doch nochmal einen kurzen bilanzierenden Blick auf die Witterungsverhältnisse des vergangenen September werfen.
Mit einer Monatsmitteltemperatur von exakt 13,1°C platziert sich der September 2010 nur unwesentlich unterhalb (-0,3 K) des vieljährigen Referenzwertes (Station Münster/Osnabrück 1961-1990) und geht somit als weitgehend normal temperierter Monat in die Schlickelder Statistik ein. Überdurchschnittliche Temperaturphasen fielen in die Zeiträume vom 07. bis 15. sowie vom 20. bis 24.09., während die Tagesmittel-Kurve an den restlichen Tagen zum Teil deutlich unter jene der Jahre 1961-1990 absank (siehe Diagramm). Absolute Spitze: Der 23.09., an dem mit einem Tagesmaximum von 23,9°C fast sogar nochmals sommerliches Niveau erreicht wurde. Besonders die letzten sechs Septembertage brachten dann jedoch bereits einen ersten herbstlichen Vorgeschmack, der am 30.09. im absoluten Monatstiefpunkt von 2,6°C und den ersten zarten Boden- bzw. Grasfrösten bis -1,3°C gipfelte. Sowohl Sommer- als auch definitionsgemäße Frosttage mit 2 Meter-Werten von über 25 bzw. unter 0°C gab es dagegen keine.
Markanter fällt da schon die Niederschlagsbilanz des ersten meteorologischen Herbstmonats aus, denn mit einer Gesamtniederschlagshöhe (= Liter/m²) von 76,1 mm wurde der Erwartungswert der Normalperiode 1961-1990 für unsere Region doch immerhin um knapp ein Viertel überboten (Westerkappeln 1961-1990: 61,3 mm). Die Hauptniederschlagsaktivität konzentrierte sich um die Monatsmitte herum, während die maximale 24 Stunden-Summe jedoch erst am 27.09. mit 14,7 L/m² gemessen wurde. Immerhin zehn von 30 möglichen Tagen blieben mit weniger als 0,1 mm definitionsgemäß trocken, die maximale Niederschlagsintensität wurde am Abend des 03.09. mit 1,1 mm/min registriert. Gewitteraktivität wurde indirekt nur am 23.09. bemerkt. Diese verblieb jedoch weiter westlich und erreichte Schlickelde direkt nicht.
Die weiteren Monatsdaten in der Zusammenfassung (Abweichung in Klammern): Mittl. Relative Luftfeuchte 84,8 % (+4,1 %), Mittl. Luftdruck 1015,1 hPa (-1,3 hPa), Mittl. Windgeschwindigkeit 8,2 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 115,0 Stunden (-18,3 %)
Erster Bodenfrost der Saison
[11. Oktober 2010]
Nach mehrfachem leichten “Grasfrost” an der Temperaturmessstelle in fünf Zentimetern Messhöhe über Rasenbewuchs in den vergangenen zwei Wochen, wurden am heutigen Morgen erstmals auch in Knöchelhöhe über unbewachsenem Erdboden Minuswerte und damit der erste offizielle Bodenfrost der Saison registriert. Bis auf einen Tiefstwert von -2,9°C sackte die Messwertkurve ab, über Gras sogar bis auf -4,6°C. In der Hauptmesshöhe von zwei Metern über Grund blieb es dagegen mit +0,8°C knapp frostfrei. Mit dem ersten sogenannten “Luftfrost” müssen wir hier im vieljährigen Durchschnitt erst etwa um den 2. November herum rechnen (Quelle: Wetterstation Mettingen-Schlickelde 1989-2006).
Anmerkung:
In der Zeit vom 21. September bis 08. Oktober 2010 war die Wetterstation urlaubsbedingt personell nicht besetzt, die vollautomatisierten Datenaufzeichnungen sowie der Wettercam-Betrieb liefen dagegen lückenlos weiter. Einen herzlichen Dank an dieser Stelle nochmals an Heinz Bernhard Kohls und Wolfgang Wiewel für die wie immer großartige Urlaubsvertretung!
2010 - Ein Sommer der Extreme
[19. September 2010]
Knapp drei Wochen nach Ende seiner meteorologischen Zeitspanne geht der Sommer bei uns in wenigen Tagen nun auch kalendarisch zuende. Und müsste man ihn mit einer kurzen, knappen Schlagzeile charakterisieren, so könnte man wohl sagen: Der Sommer 2010, ein Sommer der Extreme!
Alles beginnt mit einer Dürreperiode, die sowohl in der Schlickelder als auch in über 100jährigen Münsterländer Klimastatistiken ihresgleichen sucht. Mit einer Gesamtniederschlagsmenge von 6,5 Litern pro Quadratmeter schafft es der Juni, sein 30jährig gemitteltes Niederschlagssoll von 80,3 Litern gerade einmal nur zu 8 Prozent zu erfüllen. Er wird damit zum trockensten Juni seit Aufzeichnungsbeginn und belegt sogar Platz drei der trockensten Monate bis heute überhaupt. Die hiesigen Sandböden sind derart tief ausgedörrt und somit extrem schlecht wärmeleitend, dass noch am 22.06. ein Erdbodenminimum von Punkt 0,0°C aufgezeichnet wird. Nur elf Tage vergehen nachfolgend bis das Wetter für die nächste Schlagzeile sorgt: Brütende Hitze legt sich seit Tagen wie eine lähmende Glocke über das Mettinger Land, gipfelt während des Fußball-WM-Spiels Deutschland-Argentinien am 3. Juli in einer Jahresspitze von 36,5°C, der höchsten Juli-Temperatur seit Stationsgründung und dem zweithöchsten Thermometerstand seit mindestens 20 Jahren überhaupt. Örtlich schwere Unwetter toben sich noch am selben Abend aus, setzen durch Blit zschlag kurzzeitig sogar einen Dachstuhl in Schlickelde in Brand. Weitere Unwetterfronten folgen am 12. und am 16. Juli. Letztere bringt in der Nacht auf den 17.07. mit zeitweise bis zu 3,2 Litern pro Minute eines der heftigsten Starkregenereignisse seit vielen Jahren, sorgt im Nachbarort Recke für die schwersten Unwetterschäden seit Jahrzehnten.
Am 20. Juli steht es dann schließlich nüchtern mathematisch fest: Mit einer zwischenzeitlichen Schlickelder Monatsmitteltemperatur von sage und schreibe 22,8°C befindet sich der Juli 2010 auf absolutem Rekordkurs, übertrifft zu jenem Zeitpunkt sogar den Juli 2006, den heißesten seit über 100 Jahren, um Längen. Im Durchschnitt wird an jedem einzelnen der ersten 19 Julitage die 30 Grad-Marke überschritten (mittl. Maximum 30,1°C). Doch am Ende schafft er es nicht: Die letzten acht Tage des Monats, sie bringen einen markanten Einbruch, lassen die Werte am Erdboden bereits wieder bis auf 3°C fallen und machen schließlich einem August Platz, dessen Daten nochmals alles toppen sollten. 47,6 Liter pro Quadratmeter innerhalb von nur 24 Stunden ... so lautete er, der alte Niederschlagsrekord, gemessen am 25.07.2000. Nicht einmal zwei Stunden brauchte es am Nachmittag des 26. August 2010, um diesen regelrecht zu pulverisieren. Eine sogenannte “schleifende Front” bringt schier endlos immer wieder auflebende Starkregenfälle, die schlussendlich über Schlickelde 140 Liter/m² innerhalb von 42 Stunden abladen und damit zu einem, wenn nicht sogar dem extremsten Niederschlagsereignis der letzten über 100 Jahre werden (diverse Münsterländer Messreihen). Dieser “Mettinger Jahrhundertregen”, er hat am Ende maßgeblichen Anteil am letzten Rekord dieses Extremsommers: Mit einer Gesamtniederschlagssumme von 290,7 Litern, dies entspricht der vierfachen Menge eines durchschnittlichen August, geht der August 2010 als niederschlagsreichster Monat seit mindestens 37 Jahren in die Geschichtsbücher ein.
Schlussendlich verabschiedet sich der Sommer mit einem dreimonatigen Temperaturschnitt von 18,5°C, fällt damit in seiner Gesamtheit markante 2,1 Grad wärmer aus, als es die Normalperiode 1961-1990 für den entsprechenden Zeitraum vorgibt. Insgesamt fallen zwischen dem 01.06. und 31.08. nicht weniger als 369,4 mm Niederschlag, ein beachtlicher Überschuss von 65 Prozent, und die Sonnenscheindauer summiert sich in unserer Region schließlich auf 679,1 Stunden. Dies entspricht einem Plus von 16,3 Prozent (Quelle: Flughafen Münster/Osnabrück).
Tschüss ... Sommer!
(Foto: “Spätsommer-Erinnerungen” / Klick ins Bild öffnet zugehöriges Video, 47 MB)
August 2010: Normal temperiert und rekordnass
[03. September 2010]
Letzte laue Sommernächte, bis zu 28°C in der Spitze, aber auch frühherbstliches Schmuddelwetter, wenig Sonne und ... viel Regen. All das, bunt vermixt, machte den August 2010 in Mettingen aus, auf den wir nun an dieser Stelle nochmals genauer zurückblicken.
Recht einfach und unspektakulär fällt die Temperaturbilanz der letzten 31 Sommertage des Jahres aus. Mit einem Wert von 16,7°C traf der Durchschnitt der Temperaturkurve im August 2010 punktgenau den 30jährigen Sollwert der Region, ermittelt am Flughafen Münster/Osnabrück in den Jahren 1961-1990 zu ebenfalls 16,7°C, so dass der Monat in seiner Gesamtheit als absolut typisch temperiert gelten darf. Mit 27,9°C wurde der absolute Gipfel am 20. August erreicht, der maximale Tiefpunkt dagegen in den frühen Morgenstunden des 30.08. mit 6,2°C (2,6°C am Erdboden). Insgesamt sieben Tage erreichten mit über 25°C den Titel “Sommertag”, hochsommerliche Hitze gab es dagegen keine mehr. Im Gegenteil: Besonders in der letzten Augustwoche rutschten die Tageswerte durchweg deutlich unter die 20°C-Marke. Dennoch: Auch laue Sommerabende gab es noch zu genießen. Beispielsweise am 21.08., dem mit einem Minimum von 18,3°C die siebtwärmste Nacht folgte, die seit Messbeginn 1989 jemals noch nach einem 20. August beobachtet werden konnte.
Das große Thema im August 2010 war jedoch ein ganz anderes: Der Regen. Hielten sich die ersten 14 Tage diesbezüglich noch deutlich zurück, so folgte danach eine Petrus´sche Wasserschlacht, wie sie auch in der Schlickelder Aufzeichnungsgeschichte ihresgleichen sucht. Müssen die Doppel-19er am 15. und 16.08. aus heutiger Sicht noch als “Übungsregen” angesehen werden, so folgte in den Morgenstunden des 23. August der gewittrige Startdonner für eine schlicht einzigartige Niederschlagswoche. Schon an jenem Tag brachte heftiger Starkregen eine Abendleerung von beachtlichen 39,8 Litern pro Quadratmeter zustande. Nichts jedoch gegen das, was dann kam: 8,2 Liter am 25., 100,9 Liter am 26., gefolgt von 39,0 am 27., 4,8 am 28., nochmals 11,5 am 29.08. und schließlich 8,2 bzw. 2,1 Liter in den letzten beiden Augusttagen. 214,5 Liter auf jeden einzelnen Schlickelder Quadratmeter, und das innerhalb von nur 9 Tagen ... das war, ist und bleibt sicherlich auch eine ganze Weile lang absolut einzigartig in der Schlickelder Wettergeschichte der vergangenen Jahrzehnte! Zum Vergleich: Im gesamten Zeitraum vom 1. Januar bis 7. Mai diesen Jahres registrierten die Schlickelder Geräte in Summe weniger Niederschlag.
Kein Wunder, dass all das sogar dort für Unruhe sorgte, wo normalerweise ewige Ruhe herrschen sollte ... auf den örtlichen Friedhöfen, wie in Schlickelde oder Recke beispielsweise. Schlussendlich türmte sich all dieses Geschütte bis zum 31. August, 21 Uhr, auf einen surrealen Endstand von 290,7 mm Niederschlagshöhe auf. Dies entspricht fast exakt dem Vierfachen der langjährig gemittelten Normalmenge von 72,9 mm (Westerkappeln 1961-1990), die am 26.08. schon innerhalb weniger Stunden vom Himmel gestürzt war. Damit geht, neben einem neuen 24 Stunden-Niederschlagsrekord, auch der gesamte August 2010 in die Rekordliste ein ... als niederschlagsreichster Monat in Mettingen seit mindestens 37 Jahren (Platz 2: Oktober 1998, 248,6 mm / Platz 3: Juni 1981, 221,3 mm (Kläranlage Mettingen)). Dass 11 Tage dennoch gänzlich trocken blieben ist umso erstaunlicher. Die größte Niederschlagsmenge innerhalb von 10 Minuten fiel am 23.08. (13,5 L/m²), die maximale Niederschlagsintensität wurde währendessen mit 2,4 Litern pro Minute festgehalten. Gewitteraktivität wurde an sieben Augusttagen bemerkt (04./08./22./23./24./28./30.08.).
Die weiteren Monatswerte im Kurzüberblick, Abweichung vom Normalwert (falls vorliegend) in Klammern: Mittl. Relative Luftfeuchte 83,3 % (+7,8 %!), Mittl. Luftdruck 1012,8 hPa (-2,8 hPa), Mittl. Windgeschwindigkeit 7,9 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 137,2 Stunden (-29,3 %).
Jahrhundertregen über Mettingen: 140 Liter pro m²
[29. August 2010]
“Land unter” im Mettinger Land. Die schwersten Regenfälle ihrer Geschichte haben sich am vergangenen Donnerstag und Freitag (26./27.08.) auch über der Wetterstation Mettingen-Schlickelde ausgetobt und hier für nie da gewesene Messwerte gesorgt. So fielen binnen 24 Stunden-Frist zwischen Donnerstag 0 Uhr und Freitag 0 Uhr nahezu unglaubliche 115,9 Liter pro Quadratmeter vom Himmel, die den bisherigen Stationsrekord von 47,6 L/m², gemessen am 25. Juli 2000, regelrecht “pulverisierten”. Am gewaltigsten stürzten die Wassermassen am Donnerstagnachmittag herab. Allein zwischen 16 und 18 Uhr registrierten die Messgeräte am Nagelmanns Moor eine Regenrate von über 50 Litern. Insgesamt beläuft sich die Wasserbilanz des großen Regens über Mettingen am Ende auf 139,9 Liter Wasser pro Quadratmeter im Gesamtzeitraum zwischen Donnerstag 0 Uhr und Freitag 18 Uhr. Zum Vergleich: Ein typischer Monat August bringt zwischen dem 01. und 31.08. in Mettingen gewöhnlich etwa 73 Liter/m² zusammen. Damit erlebte auch Schlickelde eines der stärksten Niederschlagsereignisse in den letzten über 100 Jahren, allenfalls noch vergleichbar mit den Starkregenfällen vom 29.06.1981, die an der Mettinger Kläranlage damals beispielsweise mit 115,2 Litern zu Buche schlugen. (Foto oben: Ackerflächen an der Aa in Recke-Espel.)
 Ursächlich für die ungewöhnlich ausdauernden Starkregenfälle war eine für diesen Fall ebenso typische wie seltene Wetterlage, die man in der Meteorologie als “schleifende Front” oder auch “Fronten-Girlande” bezeichnet (siehe schematische Abbildung). Während das schmale Regenband einer Tiefdruckfront üblicherweise quer zum Frontverlauf innerhalb weniger Stunden über ein Gebiet hinwegschwenkt, bildete sich am vergangenen Donnerstag an einer regelrechten Tiefdruckkette ein kontinuierlicher Frontenverlauf in West-Ost-Richtung aus, der längs statt quer - nur wenig nach Norden oder Süden wellend - über das Land entlang strich, so dass sich dessen kräftige Niederschlagsgebiete dauerhaft über immer denselben Gebieten ausregnen konnten. Große Temperaturgegensätze auf beiden Frontseiten erhöhten deren Intensität zusätzlich und ließen besonders an der Südseite zum Teil noch eingelagerte Gewitterzellen entstehen. Eine zweite Welle folgte in der Nacht zum Freitag mit einem weiteren kompakten Regengebiet, nun aus mehr südwestlicher Richtung. Mitten im Zentrum des betroffenen Gebietes: Das nördliche Münsterland und der Kreis Steinfurt. (Abbildung Deutschland: Radarkompositkarte mit den aufsummierten Niederschlagsmengen über Deutschland zwischen 25.08. (20 Uhr) und 26.08. (20 Uhr). Quelle: Marco Eckstein / Datengrundlage WetterOnline Mitgliedschaft.)
Im abgebildeten Säulendiagramm sehen Sie den gesamten Niederschlagsverlauf an der Wetterstation Mettingen-Schlickelde von Donnerstag null bis Freitag 20 Uhr. Die aufgetragenen Messwertsäulen geben jeweils die Niederschlagssumme der vorangegangenen Stunde bis zum Messtermin an. Es handelt sich hierbei um Registrierungen des automatischen Niederschlagsmessers (Wippenprinzip), der im gesamten Messverlauf einen Endwert von 133,4 Litern pro m² aufsummieren konnte. Die Abweichung dieses Wertes zur oben genannten, manuell gemessenen Zahl ist im wesentlichen auf unvermeidbare Messtoleranzen der Auswertungselektronik sowie schwankender Oberflächeneigenschaften an der Messwippe zurückzuführen. Schön zu sehen sind in der Grafik die enormen Regenraten zwischen 16 und 18 Uhr am 26.08. aber auch schon eine längere Trockenphase und allmählich wieder nachlassende Niederschlagsaktivität im Verlauf des 27.08..
Nicht nur im Mettinger Gemeindegebiet sorgten die starken Regenfälle besonders am späten Nachmittag des 26.08. für mehr als 80 Feuerwehreinsätze aufgrund vollgelaufener Keller und überfluteter Straßen. Besonders betroffen war auch der Raum Recke sowie die Bereiche an der Alten Bockradener Straße Richtung Ibbenbüren. Zahlreiche Straßenabschnitte mussten wegen weiträumiger Überflutungen gesperrt werden und wurden erst im Laufe des Freitags wieder für den Verkehr freigegeben. Im Bereich Recke-Espel trat die Recker Aa großflächig über die Ufer und verwandelte angrenzende Feld- und Ackerflächen in eine bizarre Seenplatte. An der ebenfalls gesperrten Püttenbeckstraße in Recke ergoss sich zeitweise auf mehreren hundert Metern Länge eine wahre Flutwelle über die Fahrbahn. Der Mühlenbach am Rauhmühlenweg, normalerweise ein friedlich gluckerndes Rinnsal, tobte noch 24 Stunden nach dem Hauptregen mit lautem Getöse durch und über sein Bett hinaus, ließ selbst Kühe auf den angrenzenden Weiden verstört fast knietief im Wasser stehen. (Foto: Wohnhaus an der Püttenbeckstraße in Recke.)
Dies und mehr können Sie sich hier nochmals in einem kleinen Videozusammenschnitt ansehen. Eine kurze Diashow mit weiteren Fotos finden Sie hier. Auch ein entsprechender, zeitlich hochauflösender Zeitraffer der “Wettercam Schlickelde” ist nun hier online. Desweiteren existiert ein ausführlicher Bericht des Wetterdienstes “Meteomedia” zu den extremen Regenfällen im August 2010 mit zahlreichen Messwerten, Radarsummenkarten etc..
Morgendlicher Gewitterregen: 34,9 Liter/m² in 2 Stunden
[23. August 2010]
Zum Teil starke und länger andauernde, gewittrig durchsetzte Regenfälle haben in den heutigen Morgenstunden das Mettinger Land überquert und dabei so manches Gartenbeet auf die angrenzende Straße gespült.
So registrierten die Niederschlagsgeräte auf dem Schlickelder Messfeld eine zweistündige Summe von 34,9 Litern pro Quadratmeter allein im Zeitraum zwischen 8 und 10 Uhr. Die maximale Intensität betrug dabei 2,5 Liter pro Minute und wurde um 09.15 Uhr erreicht. Insgesamt fiel im Messzeitraum zwischen gestern 21 und heute 11 Uhr eine Regensumme von beachtlichen 37,6 Litern, die sich im Laufe des heutigen Tages infolge weiterer Regenfälle noch weiter erhöhen dürfte.
Regenzeit in Schlickelde
[17. August 2010]
Ausgetrocknete Böden, verbrannte Rasenflächen ... nun sind sie endgültig sommerliche Geschichte. Fast schon ein wenig herbstlich anmutende Eindrücke dominieren diese Tage im Mettinger Land: Trübes Grau, Nebel und ... Regen. Viel Regen! Insgesamt 46,1 Liter pro Quadratmeter pladderten allein in den vergangenen 72 Stunden zwischen dem 14.08. (21 Uhr) und heute abend 21 Uhr vom Himmel (manuelle Messung). Dies entspricht fast dem doppelten Wert des gesamten diesjährigen April.
Auch in den kommenden Tagen ist mit keinem nennenswerten Sommer-Comeback zu rechnen. Erst im Laufe des Wochenendes steigen die Temperaturen wieder deutlicher an, wobei uns der wechselhafte Charakter aber weiterhin erhalten bleibt.
Juli 2010: Rekordverdächtig warm, normale Niederschläge
[15. August 2010]
Zwölf “heiße Tage” mit Spitzenwerten über 30°C, fünf mal sogar Tagesmaxima über 34°C, absolute Temperaturspitze von 36,5°C, Durchschnittstemperatur von 22,8°C ... und damit der wärmste Monat aller Zeiten in Schlickelde und verbreitet in ganz Deutschland. So fällt sie aus ... nein, so hätte sie ausfallen können, die abschließende Bilanz zum Juli 2010. Wären, ja wären da nicht die letzten 8 Tage gewesen. 8 Tage nach einem regelrechten Absturz, einem Einbruch auf mittelmäßig sommerliches, ja zeitweise sogar deutlich unterdurchschnittliches Temperaturniveau zwischen dem 24. und 31.07.. Acht Tage, von denen nur mehr ein einziger die 25 Grad-Marke nochmals knapp zu sprengen vermochte. Was bleibt ist ein Hochsommermonat, dessen Zweiteilung markanter kaum hätte ausfallen können und der es dennoch mit örtlich beispiellosen Hitzewellen in die Rangliste der wärmsten Julimonate des modernen Messzeitalters geschafft hat.
Mit einer Monatsmitteltemperatur von 21,2°C, berechnet aus allen 31 Tagesmitteln zwischen dem 01. und 31.07., fährt der Juli 2010 am Ende noch eine drastische Abweichung von +4,1 K ein (Station Münster/Osnabrück 1961-1990: 17,1°C). Deutschlandweit ordnet er sich hinter seinen entsprechenden Artgenossen der Jahre 2006, 1994 und 1983 immerhin noch auf Platz vier der heißesten Julimonate seit Messbeginn im Jahre 1881 ein (Quelle: DWD). Wie bereits erwähnt, wurde die absolute Hitzespitze gleich am 3. Juli mit schweißtreibenden 36,5°C erreicht, dem zweithöchsten Wert in der Schlickelder Stationsgeschichte überhaupt. Dem gegenüber stand ein absolutes Minimum von 7,4°C, am Erdboden sogar von nur 2,8°C (!) am 25.07.. Eine in Schlickelde sehr seltene “Tropennacht”, in der die Temperaturkurve definitionsgemäß nie unter 20°C absinken darf, wurde am 11.07. mit einem Tiefstwert von 19,8°C nur knapp verfehlt. Neben den 12 heißen Tagen mit mindestens 30°C als Höchststand, erreichten respektable 20 Tage den Status eines “Sommertages” (Tmax mindestens 25,0°C).
Recht durchschnittlich dagegen die Niederschlagsbilanz: Mit einer Monatssumme von 72,2 Litern pro Quadratmeter wurde der vieljährige Normalwert für unsere Region nur um unbedeutende 1,7 Prozent überschritten (Station Westerkappeln 1961-1990: 71,0 L/m²). Zu verdanken ist diese ausgeglichene Bilanz nach der extremen Dürre des Vormonats in erster Linie dem 17.07., dessen abendlicher Unwetter- und Starkregenkomplex satte 21 Liter/m² beisteuerte. 16,2 Liter davon fielen allein innerhalb der 60 Minuten zwischen 23 und 0 Uhr, mit einer absoluten Intensitätsspitze von 3,2 Litern pro Minute. Dies entspricht einem der stärksten Niederschlagsereignisse in der Stationsgeschichte überhaupt. Neben zahlreichen weiteren 24 Stunden-Summen zwischen 2 und 10 Litern pro m², die sich über den restlichen Monat verteilten, blieben dennoch insgesamt 19 Tage mit Messwerten von unter 0,1 L/m² weitgehend trocken. Gewittertage (mindestens ein hörbarer Donner) registrierten aufmerksame Beobachteraugen- und -ohren exakt sechs an der Zahl (03./11./12./14./16./23.07.).
Die weiteren Monatsmesswerte in der Zusammenfassung (Abweichung in Klammern): Mittl. Relative Luftfeuchte 66,4 % (-8,6 %!), Mittl. Luftdruck 1015,9 hPa (-0,2 hPa), Mittl. Windgeschwindigkeit 6,9 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 271,2 Stunden (+39,9 %).
Zwischenbilanz: Juli 2010 klar auf Rekordkurs
[20. Juli 2010]
Deutschland ... ein Sommermärchen! Gerade einmal vier Jahre ist es her, dass Deutschland mitten im “WM-Sommer 2006” einen Juli erlebte, wie es ihn bis dato seit über 100 Jahren noch nicht gegeben hatte. Nicht nur in Mettingen-Schlickelde, sondern auch an 80 Prozent aller weiteren offiziellen Klimastationen in Deutschland registrierten die Geräte den heißesten Monat überhaupt seit Beginn des modernen Messzeitalters. Ein wahres Jahrhundertereignis, ein klimatologisches Denkmal für die Ewigkeit! Wirklich für die Ewigkeit?
Vier Jahre später, wir schreiben den 20. Juli 2010: Deutschland schwitzt, Deutschland dürstet und gar sonderbare Dinge tun sich an den Klimatationen im Land. Da wird fieberhaft addiert, hektisch neu gemittelt, ungläubig verglichen ... Aber es ist war, die Zahlen stimmen: Der Juli 2010, unaufhaltsam nimmt er Kurs auf den vierjährigen Jahrhundertrekord und schickt sich nun sogar an, diesen regelrecht zu pulverisieren.
Die knallharten Fakten: Nach Auswertung aller bisherigen 19 Tage einschließlich gestern erreicht der Juli 2010 eine zwischenzeitliche Monatsmitteltemperatur von sage und schreibe 22,8°C, liegt damit derzeit schier unfassbare 5,7 Grad über dem klimatologischen Mittel der Vergleichsperiode 1961-1990 für den gesamten Monat und sogar noch 1,1 Grad über dem entsprechenden Temperaturniveau des betreffenden Juli-Abschnittes 2006. Im Durchschnitt wurde an jedem einzelnen der vergangenen 19 Tage ein Tagesmaximum von über 30°C erreicht (Mittelwert 30,1°C), während es der Juli 2006 hier lediglich auf 28,7°C gebracht hatte. Rekordkurs also auf ganzer Linie! Ganz entscheidend ist in diesem Zusammenhang aber, dass der Juli 2006, im Gegensatz zu seinem diesjährigen Konkurrenten, seinen absoluten Hitzehöhenflug erst in der zweiten Monatshälfte zündete, die in einer einzigartigen Serie gleich zehn “Heiße Tage” (Tmax mind. 30,0°C) in fast ununterbrochener Abfolge produzierte.
Das Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des wärmsten Monats aller Zeiten, noch ist es also längst nicht entschieden. Das Endergebnis hängt nun maßgeblich von der Wetterentwicklung der verbleibenden 12 Tage ab. Und diese verspricht Spannung bis zuletzt! Spannung in Form einer deutlichen Abkühlung in den kommenden Tagen und einem in seiner Stärke noch schwer einzuschätzenden Aufwärtstrend im Verlauf der letzten Juliwoche. (Foto: Strohballenpresse am 14. Juli auf einem gerade abgeernteten, völlig sonnenverbrannten Feld zwischen Schlickelde und Querenberg.)
Unwetter streifen Schlickelde: 3,2 Liter/m² in einer Minute
[16. Juli 2010]
Teils heftige, örtlich sogar unwetterartige Gewitter haben am späten Abend des 16. und in der Nacht zum 17. Juli den Kreis Steinfurt überquert. Besonders betroffen: Mettingens nordwestliche Nachbargemeinde Recke, in der nach Zeitungsmeldungen (Ibbenbürener Volkszeitung) in einem Bereich etwa 3,5 Kilometer nordnordwestlich der Wetterstation Mettingen-Schlickelde zahlreiche Bäume entwurzelt sowie zum Teil Dächer abgedeckt wurden. Menschen kamen zum Glück nicht ernsthaft zu Schaden. Walter Hagemann, Wehrführer der Recker Feuerwehr, spricht nach IVZ-Angaben vom größten Baumschaden durch ein Gewitter während seines gesamten, inzwischen 40jährigen Feuerwehrdienstes: “Das hat es in dieser Stärke in Recke bislang noch nie gegeben.” Auch in Rheine, Lüdinghausen und weiteren Orten des Münsterlandes entstanden erhebliche Schäden durch Gewitterstürme. (Foto links: Ein Blitz erhellt den Nachthimmel über Schlickelde.)
Auch die Wetterstation Mettingen-Schlickelde wurde vom Recker Unwetter gestreift. Während die Gewitterböen mit 71,6 km/h in der Spitze lediglich stürmisches Niveau (Windstärke 8) erreichten, wurde die Messanlage von der Südostflanke des Starkregenbereiches noch recht deutlich gestreift (Radaranimation). So registrierte das automatische Ombrometer zwischen 23.06 und 23.07 Uhr eine maximale Niederschlagsintensität von sage und schreibe 3,2 Litern pro Quadratmeter innerhalb von nur einer Minute. Dies entspricht einer gewaltigen Stundenrate von 192 Litern, liegt aber noch recht deutlich unterhalb des bisherigen Stationsrekordes von 4,2 L/m², der am 22.06.2008 registriert worden war. Insgesamt stürzten während der Gewitterpassage inklusive einiger nachfolgender, schwacher Schauer zwischen 23 und 2 Uhr 21,0 Liter auf den Schlickelder Durchschnittsquadratmeter (manuelle Messung). Damit dürfte die nach wie vor große Trockenheit nun doch spürbarer gemildert werden.
Auch die stationseigene Wettercam dokumentierte den Durchzug des Starkregens, dessen dichter Niederschlagsvorhang trotz Dunkelheit deutlich zu erkennen ist. Desweiteren sind kurz vor Losbrechen des Gewittersturms in Kamerablickrichtung Nordnordwest (Recke) im Schein der Blitze Wolkenstrukturen sichtbar, die auf einen prächtig ausgebildeten Böenkragen hinweisen. Dieser dürfte, vermutlich in Kombination mit einem nachfolgenden Downburst, für die beträchtlichen Sturmschäden in Recke verantwortlich gewesen sein. Für das Auftreten eines Tornados gibt es dagegen, auch aufgrund der überwiegend einheitlichen Wurfrichtungen, derzeit keinerlei konkrete Hinweise. Eine Animation der Gewitterpassage, zusammengesetzt aus 1570 Einzelbildern der Wettercam Schlickelde mit 5 Sekunden Aufnahmeintervall, finden Sie hier. (Foto rechts: 22.57 Uhr ... Ein weiterer Blitz erhellt den gewaltigen Böenkragen, der sich an der Vorderseite des Gewitters mit hohem Tempo ins Bild der “Wettercam Schlickelde” und damit über den Raum Recke schiebt. Wenig später bricht heftiger Starkregen über Schlickelde herein.)
Gewitterfront über Westdeutschland: Zahlreiche Tornadomeldungen
[13. Juli 2010]
Eine unwetterträchtige Gewitterfront hat am gestrigen Montag in den Mittags- und frühen Nachmittagsstunden vor allem die Westhälfte Deutschlands von Südwest nach Nordost überquert und dabei verbreitet für beträchtliche Schäden durch Sturm- und Orkanböen sowie Starkregen und örtlichen Hagelschlag gesorgt. Ganz besonders betroffen waren dabei die Gebiete vom Niederrhein und Ruhrgebiet über das Münster- und Emsland bis hinauf zur Nordsee. Bereits kurz nach der Passage tauchten in den Medien erste Meldungen über Tornado-Beobachtungen bzw. Schäden durch “Windhosen” auf, deren Anzahl sich bis in die Abendstunden mit Vorankommen der Gewitterfront noch beträchtlich erhöhte. Nach dem ersten Zusammentragen von Augenzeugen-, Zeitungs- und weiteren Medienberichten liegen derzeit (Stand 13.07.) Tornado-Verdachtsfälle aus folgenden Orten vor:
Alle Fälle befinden sich derzeit in der Überprüfung und Auswertung. Entgegen oftmals vorschneller Beurteilungen in den Medien dürften, wenn überhaupt, erfahrungsgemäß allerdings nur in einem kleinen Bruchteil der obigen Orte tatsächlich Tornados für die Schäden verantwortlich sein. In den weitaus meisten Fällen (so z.B. höchst wahrscheinlich auch auf Helgoland) sind eher Downbursts, sogenannte Gustnados oder geradlinige Windereignisse als Ursache anzunehmen. Speziell zu den Fällen im Mettinger Umland, so z.B. in Hopsten, Wettringen oder Münster, sind natürlich auch dieses Mal mögliche Augenzeugen wieder dringend aufgerufen, sich zu melden und damit evtl. maßgeblich zur Aufklärung beizutragen. Kontaktdaten finden Sie hier auf der Webseite.
Weitgehend schadensfrei und vergleichsweise harmlos verlief die Passage der Gewitterlinie dagegen bei uns in Mettingen. Nach nochmals kräftiger Aufheizung auf bis zu 34,1°C, näherte sich gegen 13.30 Uhr mit hohem Tempo eine “schwarze Wolkenfront” aus Richtung Südwest und überquerte bis etwa 14.30 Uhr unseren Bereich Richtung Niedersachsen, schön zu verfolgen im entsprechenden, zeitlich hochaufgelösten Wolkenzeitraffer der “Wettercam Schlickelde”. Während der Passage kam es zu einem markanten Temperatursturz um beachtliche 14 Grad, Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 77 km/h sowie Starkregen. Dieser fiel allerdings so kurz aus, dass innerhalb weniger Minuten lediglich 2,3 Liter pro Quadratmeter registriert werden konnten.
Damit gewinnt zumindest direkt im Raum Mettingen das Thema Trockenheit erneut weiter an Bedeutung. Zwar fielen nach dem Rekord-Juni in den vergangenen 10 Tagen in drei gewittrigen Schüben insgesamt knapp 18 Liter Regen auf den Mettinger Quadratmeter. Dies genügt aber selbstverständlich nicht annähernd, um das große Niederschlagsdefizit auszugleichen, das sich in den vergangenen Wochen und Monaten in unserer Region entwickeln konnte. Im gesamten Zeitraum vom 1. April bis zum 12. Juli kamen lediglich 102,5 Liter Wasser jedem Quadratmeter unserer Böden zugute. Das klimatologische Soll (1961-1990) von etwa 230 Litern im entsprechenden Zeitraum wurde damit nicht einmal zu 45 Prozent erfüllt. Schon jetzt ist somit die Spätfrühlings-/Frühsommer-Periode 2010 eine der niederschlagsärmsten der letzten Jahrzehnte in Mettingen. Und auch temperaturtechnisch befindet sich dieser Sommer, im speziellen der bisherige Juli, längst auf beachtlichen Höhenflügen. Wie auch immer ... abgerechnet wird zum Schluss. (Foto: 13.35 Uhr ... Bedrohliches tut sich am Himmel über Schlickelde!)
Erneute Hitzewelle bringt 35 Grad und Gewitter
[11. Juli 2010]
Nach den Rekordtemperaturen zum Monatswechsel erlebt Mettingen in diesen Tagen die zweite große Hitzewelle des Jahres. Nach 32,4°C in der Spitze am 08.07. stürmte das Quecksilber vorgestern und gestern auf schweißtreibende Höchstwerte von 35,5°C bzw. 34,9°C. Nur wenige Tage nach dem Erreichen eines neuen Juli-Hitzerekordes (03.07.), wurde damit ein erneutes “Überbieten” nur um rund ein Grad verfehlt.
Bereits gestern erreichten dann zunehmend feucht-schwüle Luftmassen das Mettinger Land, in deren Bereich sich in der vergangenen Nacht schließlich teils kräftige Gewitter entluden. Allein zwischen 4.16 und 4.25 Uhr stürzten dabei innerhalb von nur 9 Minuten beachtliche 6,4 Liter gewittrigen Starkregens auf den durchschnittlichen Schlickelder Quadratmeter nieder. Die maximale Niederschlagsintensität wurde mit 1,2 Litern pro Minute um 4.19 Uhr registriert. Insgesamt brachten die nächtlichen Schauer und Gewitter bis zum Morgen eine Summe von 9,3 L/m² zusammen, linderten damit zumindest ein wenig die nach wie vor sehr große Trockenheit und vereitelten mit dem einhergehenden Temperaturrückgang auf ein Minimum von 19,8°C nur ganz knapp das bei uns sehr seltene Phänomen einer “Tropischen Nacht”, in der definitionsgemäß die Werte nicht unter 20°C absinken dürfen. Selbst um 2.41 Uhr waren kurz vor Gewitteraufzug noch extreme Temperaturen von über 25°C gemessen worden!
Auch heute und morgen ist in der schwülen Luftmasse erneut mit kräftigen und teils unwetterartigen Gewittern zu rechnen.
“Leuchtende Nachtwolken” über Mettingen
[05. Juli 2010]
Man musste schon Zeitungsbote, Nachtschwärmer oder Wetterbeobachter sein, um es überhaupt zu bemerken. Wer allerdings um 03.15 Uhr in der vergangenen Nacht einmal vor seine Haustür trat, konnte Zeuge eines beeindruckenden Himmelsschauspiels werden. Sogenannte “Leuchtende Nachtwolken” (Abk. NLC von engl. “noctilucent clouds”) tauchten den gesamten Mettinger Nordhimmel in ein gespenstisches Licht. NLCs bilden sich in einer Höhe von 81-85 km, im Gegensatz zu den “normalen” Wolkenformen der Troposphäre, die maximal eine Höhe von 13 km erreichen. Aufgrund ihrer großen Höhe können sie auch weit nach bzw. vor Sonnenuntergang von der schräg unter dem Horizont stehenden Sonne angestrahlt und damit zum “Leuchten” gebracht werden. Sie werden sichtbar, wenn die Sonne zwischen 6° und 16° unter dem Horizont steht. Das Licht der Sonne wird dann von den Leuchtenden Nachtwolken noch reflektiert, während der Himmel sonst bereits fast dunkel ist. Ihre Färbung hängt vom Sonnenstand ab und kann von gelb bis silbrig-perlmuttartig reichen.
Juni 2010: Deutlich zu warm und Rekord-Dürre
[04. Juli 2010]
Was war das für ein Sommermonat! Der Juni 2010, er hat in Mettingen einen klimatologischen Fußabdruck hinterlassen, der in dieser Form bislang einzigartig ist in der Geschichte der Schlickelder Wetterstation. Bevor wir uns an dieser Stelle aber den Rekorden zuwenden, werfen wir zunächst einmal einen Blick auf all die anderen Daten, die den Juni 2010 in Mettingen meteorologisch ausgemacht haben.
Nach Auswertung aller 120.000 Einzel-Temperaturdatensätze zwischen dem 01. und 30.06. kommt die Wetterstation Mettingen-Schlickelde zu folgenden Ergebnissen: Mit einer Monatsmitteltemperatur von 17,5°C wurde der vieljährige Normalwert von 15,4°C um deutliche 2,1 K überschritten. Nach einzelnen sommerlich temperierten Tagen mit allerdings noch recht frischen Nächten zwischen dem 4. und 11. Juni, folgte im mittleren Monatsdrittel, nach einem markanten Luftmassenwechsel am 12.06., eine insgesamt kühlere Phase mit Höchstwerten zwischen 16 und 24°C. Einzige Ausnahme: Der 17.06., der mit maximal 25,7°C sommerliches Niveau erreichte. Die “Schafskälte” übernahm nun die Wetter-Regie im Mettinger Land und ließ die Temperaturen in den oftmals glasklaren, windschwachen Nächten mehrmals in Erdbodennähe Richtung Gefrierpunkt sinken. Absolute Tiefpunkte: Der 16. und der 22. Juni, an denen der 5cm-Sensor über der inzwischen schon stark ausgetrockneten Rasenfläche jeweils Punkt 0,0°C registrierte. Pünktlich ab dem kalendarischen Sommeranfang (21.06.) ging´s dann jedoch steil bergauf: 21,7°C ... 26,1°C ... 28,5°C. Die letzte Juniwoche dann: Hochsommer pur bei Tagestemperaturen durchweg zum Teil weit jenseits der 25 Grad-Marke, die sich am 28. Juni schließlich auf den absoluten Monatshöchststand von 31,6°C hinaufschraubten. Insgesamt verzeichneten die Messgeräte im Juni 2010 immerhin 12 Sommertage (mindestens 25°C) sowie zwei “Heiße Tage” mit über 30°C in der Spitze. Das untere Ende der Temperaturskala besetzte dagegen der 22.06. mit einem morgendlichen Minimum von 5,6°C. Sehr beachtlich: Die zum Teil rekordverdächtig niedrigen Minima in Bodennähe, die in erster Linie aus der immer weiter fortschreitenden Austrocknung der Böden (sehr schlechte Wärmeleitung) sowie natürlich den sternenklaren Nächten resultierten. Sage und schreibe 15 Mal sanken die nächtlichen Tiefstwerte knapp über der Grasnarbe unter 5°C ab.
Das große, alles beherrschende Wetterthema im Juni 2010 in Mettingen war jedoch ein ganz anderes: 3,7 / 1,1 / 0,8 / 0,4 / 0,2 / 0,1 ... nicht 6 aus 49, sondern 6 aus 30. Diese unscheinbaren sechs Zahlen, ergänzt um die Einheit “Liter pro Quadratmeter”, sie stehen für unzählige Sorgenfalten auf der Stirn Mettinger Landwirte und beschreiben nahezu vollständig die extremen Nicht-Niederschlagsverhältnisse in einem Juni-Monat, der all seine Vorgänger in den kaum vorhandenen Schatten stellte. Sechs Mal messbarer Niederschlag, das bedeutet 24 gnadenlos definitionsgemäß “Trockene Tage” (< 0,1 mm), deren Minimengen sich allenfalls noch auf großzügig gerundete 0,2 mm Niederschlagshöhe stapelten. Es stehen also zu Buche: Erschreckende 6,5 L/m² Gesamtniederschlagsmenge, die den langjährigen Normalwert von sage und schreibe 80,3 Litern für unsere Region (Station Westerkappeln) gerade einmal zu 8 Prozent erfüllen konnten. Schlichtweg unglaubliche Zahlen, die es in der Geschichte Schlickelder Niederschlagsmessungen nie zuvor in einem Juni gegeben hatte. Lediglich der April 2007 sowie der September 2006 schafften es mit Summen von 2,5 bzw. 6,4 Litern pro Quadratmeter diesen Wert noch zu unterbieten. Mit einem wesentlichen Unterschied: Juni 2010, das bedeutete zusätzlich auch Hochsommer, sehr niedrige Luftfeuchte, Sonnenhöchststand, die höchsten Verdunstungsraten des Jahres. All diese Faktoren kamen zusammen und sorgten in Form einer regelrechten “Dürre” für eine weitläufige “Versteppung” des Mettinger Graslandes. Gärten, Grünstreifen, Sportplätze, Getreidefelder ... alles, was keinen hauseigenen Beregner vorweisen konnte, verbrannte binnen weniger Wochen nahezu vollständig.
So geht er nun schließlich als mit großem Abstand trockenster Juni in der Geschichte der Schlickelder Wetterstation in die Klimageschichte ein. Ja mehr noch: An einigen Messstationen des Münsterlandes mit historischen Beobachtungsreihen wurden gar Jahrhundertrekorde unterboten. So beispielsweise an der Klimastation Bocholt, die seit ihrer Eröffnung im Jahre 1901 keinen Juni mit einer noch niedrigeren Niederschlagshöhe (6,4 mm) aufweisen konnte. Ob und wie der “Dürre-Juni 2010” in Land- und Forstwirtschaft zu größeren Schäden geführt hat, bleibt abzuwarten und hängt schließlich auch maßgeblich vom weiteren Verlauf des Sommers ab. Nachdem bereits April und Mai ebenfalls teils erhebliche Niederschlagsdefizite aufzuweisen hatten, dürften wohl erst länger andauernde Regenfälle zu einer wirklichen Entspannung der Lage führen.
Die weiteren Monatswerte im Überblick (Abweichung in Klammern): Mittl. Relative Luftfeuchte 65,6 % (-8,5 %!), Mittl. Luftdruck 1016,2 hPa (+0,3 hPa), Mittl. Windgeschwindigkeit 7,3 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 270,4 Stunden (+22,9 %).
Einen filmischen Rückblick (56,6 MB) mit Bildern vom Dürre-Juni 2010 aus dem direkten Umfeld der
Wetterstation Mettingen-Schlickelde finden Sie hier.
Nach Rekordhitze: Feuerwehreinsatz durch Blitzeinschlag
[03. Juli 2010]
Sommer der Rekorde: Nach einer Rekord-Dürre im Juni (Bericht folgt in Kürze), verzeichnete die Wetterstation Mettingen-Schlickelde heute die nächste meteorologische Sensation. Nachdem bereits gestern eine rekordverdächtige Tageshöchsttemperatur von 34,5°C gemessen worden war, kletterte das Thermometer heute, nach fast unglaublichen 25°C bereits um 8 Uhr morgens (!), in den Nachmittagstunden auf einen absoluten Spitzenwert von 36,5°C (16.10 Uhr). Dies entspricht der höchsten Lufttemperatur, die seit Messbeginn im Mai 1991 in einem Juli in Schlickelde registriert wurde. Der bisherige Rekordhalter, der 19. Juli 2006, wurde damit auf Platz 2 verwiesen. Damals zeigten die Messgeräte 35,9°C in der Spitze. Der absolute Stationsrekord, gemessen am 12. August 2003 mit 38,0°C, bleibt jedoch auch weiterhin unerreicht. Damit geht der heutige 03. Juli 2010 als zweitwärmster Tag seit mindestens 20 Jahren in die Schlickelder Klimageschichte ein.
Auch an der offiziellen Klimastation des Deutschen Wetterdienstes in Osnabrück wurde mit 36,9°C ein neuer Rekord aufgestellt. Nie zuvor seit Messbeginn im Jahre 1952 war ein Julitag noch heißer.
Natürlich konnte all dies nicht ohne Folgen bleiben, und so griffen pünktlich zum Abpfiff des deutschen WM-Viertelfinales am frühen Abend teils heftige Gewitter auf unsere Region über, in deren Einflussbereich um Punkt 17.49 Uhr ein Blitz im unmittelbaren Umfeld der Wetterstation in ein benachbartes Wohnhaus (Wöstenstraße 69) einschlug. Die Feuerwehr war mit mehreren Fahrzeugen im Einsatz, um die Ausweitung des beginnenden Dachstuhlbrandes zu verhindern und anschließend Teile des Daches neu zu decken. Der Verkehr auf der Wöstenstraße musste vorübergehend umgeleitet werden. Durch den Blitzeinschlag kam es neben zeiweiligen Strom- und Mobilfunknetz-Ausfällen im Bereich Schlickelde auch zu einer Beschädigung im Netzwerk der Wettercam, die bedauerlicherweise nun vorerst auf unbestimmte Zeit ausfallen wird. Wir bitten dafür um Verständnis.
Einige weitere Höchstwerte vom 03.07. (Auswahl DWD / Meteomedia): Rahden-Varl 37,1°C (wärmster Ort Deutschlands) / Schloss Holte-Stukenbrock 37,1°C / Osnabrück 36,9°C / Emsdetten 36,4°C / Münster 36,4°C / Bersenbrück 36,1°C / Ibbenbüren 36,0°C
Die 30 ist geknackt
[28. Juni 2010]
Mettingen-Schlickelde, 13.24 Uhr und 42 Sekunden: Erstmals in diesem Jahr steht die “3” als erste Ziffer auf der dreistelligen Temperaturanzeige der großen Klimahütte. Mit diesem Schritt über die 30er-Hürde erlebten die Mettinger heute den ersten definitionsgemäßen “Heißen Tag” des Jahres. Bis auf einen Tageshöchststand von 31,6°C stieg die “Quecksilbersäule” im Laufe des Nachmittags weiter an. Selbst um 19.30 Uhr am Abend wurden noch 30°C gemessen.
Der Sommer ist da ... und er bleibt, jedenfalls wenn man der (richtig ausgelegten) Siebenschläferregel Glauben schenkt. Diese verspricht eine erhöhte Erhaltungsneigung des großräumigen, atmosphärischen Zirkulationsmusters, welches sich etwa im Zeitraum zwischen dem 27.06. und 07.07. über Mitteleuropa herausbildet. Was Fußballfans und Badehungrigen wie die Neuauflage des “Sommermärchens” erscheint, dürfte der Forst- und Landwirtschaft wenig märchenhaft vorkommen. So erlebt Mettingen derzeit eine fast historische Dürreperiode. Nur wolkenbruchartiger Gewitterregen kann noch verhindern, dass in 48 Stunden der mit großem Abstand trockenste Juni in der Geschichte Schlickelder Wetteraufzeichnungen zuende geht. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Zwar sind morgen und übermorgen auch über NRW örtliche Hitzegewitter möglich, diese bleiben voraussichtlich aber sehr punktuell und räumlich begrenzt. Erst am kommenden Samstag (03.07.) besteht nach derzeitigem Modellstand im Rahmen einer Frontpassage evtl. die Möglichkeit großräumigerer Gewitteraktivität. Zuvor sind dann Temperaturen von bis zu 35°C möglich.
Nachbarstation in Ibbenbüren offiziell übergeben
[25. Juni 2010]
Etwa zwei Jahre nach ihrer Inbetriebnahme wurde heute die Meteomedia-Wetterstation Ibbenbüren auch offziell ihrer Bestimmung übergeben. Neben Ibbenbürens Bürgermeister Heinz Steingröwer, Schulleiter Michael Greiwe und zahlreichen großen und kleinen Gästen, war auch TV-Meteorologe Sven Plöger zur “Schule am Aasee” angereist, um die Messgeräte der Station zu erklären, viele Fragen rund um´s Thema Wetter zu beantworten und schließlich bei herrlichstem Sommerwetter die feierliche Enthüllung der Messanlage zu vollziehen. Die Station sei das “Fenster in die Region”, so Plöger. Sie ermögliche es dem weit entfernt im Appenzeller Land ansässigen privaten Wetterdienst “Meteomedia” jederzeit den Ist-Zustand in Ibbenbüren zu bestimmen und daraus präzise Prognosen für die Region abzuleiten. Ganz ähnlich eben dem morgendlichen “Blick aus dem Fenster” vor Ort.
Nach dem offiziellen Teil und einer kleinen Autogrammstunde feierten die Schüler ihr Schulfest, während für Sven Plöger wenig später bereits wieder der Zug abfuhr. Nach Hamburg ... zur nächsten Stationseröffnung.
Ein umfangreiches Video der Veranstaltung gibt´s hier: Teil 1 / Teil 2 / Teil 3
Mettingen wartet auf Regen
[23. Juni 2010]
Eine weitere Woche ist vergangenen, eine weitere Woche ohne nennenswerten Regen über Mettingen. Die große Trockenheit in unserer Region nimmt inzwischen immer deutlicher sichtbare Ausmaße an. Einige schwache Regenfälle sowie starke Bewölkung und eine deutliche Abkühlung bremsten die weitere Austrocknung in den letzten Tagen vorübergehend zwar etwas. Mit gemessenen Mengen von aufsummiert etwa 0,5 Litern pro Quadratmeter konnte von einer wirklichen Entspannung aber keine Rede sein. Und auch die weiteren Trends werden sowohl in land- und forstwirtschaftlichen als auch in hobbygärtnerischen Kreisen für Beunruhigung sorgen. Nach derzeitigem Stand der Modelle (23.06.) setzt sich in den kommenden Tagen zunehmend sommerlich warmes und meist sonniges und trockenes Hochdruckwetter durch. Eine eher geringe Schauerneigung ist am ehesten noch für den Freitagnachmittag bzw. -abend zu erwarten, wobei aber nicht von einer wirklichen Entspannung der Lage auszugehen ist. (Foto: Das mit Gras bewachsene Messfeld der Wetterstation Mettingen-Schlickelde ist fast völlig “verbrannt”. Die Flächenbrandgefahr ist hoch.)
Wüstenverhältnisse in Schlickelde? Am gestrigen frühen Abend bildete sich gegen 17.30 Uhr, nach morgendlichen 0,0°C am Erdboden, durch nachmittäglich starke Überhitzung des völlig ausgetrockneten und somit extrem schlecht wärmeleitenden Sandbodens, ein sogenannter “Dust Devil” oder auch “Staubteufel”. Dieser etwa 25 bis 30 Meter hohe, rotierende Wirbel aus Sand und Staub, der in Wüstengebieten sehr häufig zu beobachten ist, tanzte etwa 70 Sekunden lang über eine Ackerfläche zwischen den Häusern von Schlickelde und wurde nur zufällig von der Wettercam der Station erfasst. Eine kurze Animation aus Einzelbildern mit einem Zeitintervall von fünf Sekunden können Sie sich hier ansehen. Während das Naturphänomen bei uns eher schwach und glimpflich verlief, wurden am gestrigen Nachmittag in Hannover erhebliche Schäden verursacht, die höchst wahrscheinlich ebenfalls auf einen “Dust Devil” zurückzuführen sind. Auch in den kommenden Tagen ist das Auftreten solcher Kleintromben bei uns nicht auszuschließen.
Haben auch Sie Fotos zur Trockenheit in Mettingen? - Nichts wie her damit! (max. 640 x 480 / 300 KB)
Trockenheit nimmt weiter zu
[16. Juni 2010]
Sandstürme auf den Äckern, gelbe Rasenflächen in den Gärten ... Die Trockenheit in unserer Region nimmt aufgrund weiter ausbleibender Regenfälle, hoher Sonneneinstrahlung, trockener Luftmassen und starkem Wind in diesen Tagen rasch weiter zu. Nachdem bereits der April nur 47 Prozent der normalen Niederschlagssumme gebracht hatte und auch der Mai um immerhin 16 Prozent zu trocken ausgefallen war, erreichte die Niederschlagsarmut in der ersten Junihälfte bei uns in Mettingen nun fast neue Rekordwerte. Lediglich magere 6,0 Liter pro Quadratmeter fanden zwischen dem 01. und 15.06. ihren Weg in die Niederschlagsmesser am Nagelmanns Moor ... normal wären 40 Liter! All das hat natürlich Folgen. Nicht nur direkt in Form durstender Vegetation, sondern mangels Wärmeleitung der ausgetrockneten Sandböden auch durch empfindlich frische Nächte. Punkt 0,0°C registrierten die genormten Pt100-Sensoren am heutigen Morgen in fünf Zentimetern Messhöhe über der ausgedörrten Rasenfläche des Schlickelder Messfeldes. Und nennenswerte Niederschläge sind auch in den kommenden Tagen zunächst noch nicht zu erwarten. Lediglich am Samstag und Sonntag (19./20.06.) ist nach derzeitigem Modellstand zeitweise leichter Regen möglich, der voraussichtlich aber kaum zu einer wirklich durchgreifenden Entspannung führen wird. (Foto: Videoaufnahmen vom 16.06. aus Schlickelde)
“Ladehemmung” über Mettingen
[12. Juni 2010]
Glück gehabt, Mettingen! Von den teils schweren Unwettern, die sich andernorts über Deutschland austobten, blieb das Tüöttenstädtchen in den vergangenen Tagen gottlob verschont. Sämtliche Unwetterwarnungen des DWD und anderer Wetterdienste liefen bei uns ins Leere. Doch warum eigentlich? Was kann denn an einer Gewitterprognose schon so schwierig sein?
Eine Grundvoraussetzung für kräftige Gewitter ist eine sogenannte “feucht-labile Schichtung” der Atmosphäre, in der die Temperatur mit der Höhe rascher abnimmt als es in einem vom Boden aufsteigenden Luftpaket der Fall wäre. Das bedeutet, dass ein solches Luftpaket beim Aufstieg in jeder Höhe der labilen Atmosphäre ein bisschen wärmer ist als seine Umgebung. Wie ein Heißluftballon steigt es nahezu ungebremst weiter auf. Bei relativ trockenen Luftmassen ist diese Konstellation eher selten bzw. der Auftrieb relativ schwach. Hier kommt nun die hohe Luftfeuchte ins Spiel. Ist das Luftpaket am Boden nicht nur wärmer sondern auch noch feuchter als seine Umgebung, so setzt irgendwann beim Aufstieg durch die kontinuierliche Abkühlung Kondensation ein. Es bildet sich typische Quellbewölkung, dessen sichtbares Quellen nichts anderes ist als das “Emporsprudeln” der nun feucht-gesättigten Luftpakete. (Bild links) Beim Kondensieren des zuvor im Luftvolumen unsichtbar enthaltenen (latenten) Wassers passiert aber noch etwas ganz anderes. Bei jedem Verdunstungsvorgang entzieht das verdunstende Wasser seiner Verdunstungsoberfläche Energie in Form von Wärme, die es zum Übergang in die Gasphase benötigt. Diesen Effekt kennt jeder als Kühlwirkung verdunstenden Wassers auf der Haut. Da Energie in einem abgeschlossenen System jedoch weder erzeugt noch vernichtet werden kann (Energieerhaltung), sondern lediglich zwischen Systemen ausgetauscht wird, muss die entzogene Wärme irgendwo “zwischengespeichert” werden. Sie ist als sogenannte “latente Wärme” im Luftvolumen enthalten, wird mittransportiert und erst dann wieder frei, wenn das zuvor verdunstete Wasser wieder in die flüssige Phase zurückgewandelt wird, sprich auskondensiert. Und genau dies passiert in unserem aufsteigenden Luftpaket im Zuge der Wolkenbildung. Plötzlich wird eine erhebliche Menge zusätzlicher Wärme frei, die das Luftvolumen ähnlich dem Brenner eines Heißluftballons nochmals deutlich erwärmt. Das Ergebnis: Ein weiterer rasanter Aufstieg in große Höhen und mitunter die Bildung gewaltiger Gewitterkomplexe.
Nahezu all diese (Umgebungs-) Bedingungen waren in den letzten Tagen mit sommerlichen Temperaturen und großer Schwüle (Taupunkte z.T. bis knapp 20°C) in geradezu idealer Weise ausgeprägt. Eine Situation, die man in der Meteorologie als “loaded gun” (geladene Waffe) bezeichnet. Eines jedoch fehlte: Der “zündende Funke”, der Finger am Abzugshebel. Ein Luftpaket steigt nämlich nicht einfach so auf. Es benötigt einen initialen “Anstoß”, um sich zunächst überhaupt aus seiner Ruhelage hinauszubewegen. Ähnlich einer Kettenreaktion, einer Kette aus Dominosteinen, die einen ersten kleinen “Kick” braucht, um sich in Bewegung zu setzen. In der Atmosphäre ist dies der sogenannte “Hebungsantrieb”. Ein oftmals nur kleiner Impuls, der das Luftpaket ein wenig anhebt, dadurch gegenüber der Umgebung bereits ein klein wenig erwärmt und damit den weiteren, dann selbstständigen Aufstieg in Gang setzt. Eine solche Hebung kann auf vielerlei Arten erfolgen: Eine lokale Überhitzung durch Sonneneinstrahlung (Wärmegewitter), großflächige Hebung an einer aufziehenden Kaltfront, deren Kaltluft sich keilförmig unter die Warmluft schiebt und diese empor reißt, ein Zusammenfluss von Luftströmungen, die beim Zusammenprall nur noch nach oben ausweichen können (Konvergenz) usw.. Und genau dieser Hebungsantrieb hat in Mettingen gefehlt bzw. in diesem speziellen Fall nicht ausgereicht, um eine vorhandene Sperrschicht, einen sogenannten “Deckel”, zu durchbrechen. Ausgedehnte Schichtbewölkung verhinderte eine Überhitzung und Konvergenzen bzw. Fronten lagen zu weit entfernt über Südwesteuropa bzw. Südwestdeutschland. Genau dort tobten sich die teils starken Unwetter schließlich auch aus. (Foto: Bild der “Wettercam Schlickelde” am Morgen des 10. Juni 2010)
So wird nun auch deutlich, warum die Vorhersage einer derartigen Unwetterlage ortsgenau so extrem schwierig ist. Nicht die “Grundzutaten” (labile Schichtung, Luftfeuchte usw.), die sich prizipiell aus Modellen gut herauslesen lassen, sind das Problem. Diese sind bekannt und führen zu den typischen, großflächigeren Vorwarnungen der Wetterdienste. Es ist die überaus schwierige Frage, wo genau dann nachfolgend die eigentliche, initiale Zündung erfolgt. Eine Hebung, die ausreicht um Luftpakete vom Boden (bzw. allgemein von ihrer Höhenlage) abzulösen. Letztendlich kann dies ein kleiner überhitzter Acker, der sonnenbeschienene Südhang eines Hügels, der Kühlturm eines Kraftwerks o.ä. sein. Fehlt eine solche Initialzündung, passiert überhaupt nichts. Stabiles, ruhiges, wenn auch unangenehm schwüles Wetter wie in Mettingen. Wird die Stabilität bzw. der Deckel gesprengt, ist dies der Startschuss für eine mitunter innerhalb kürzester Zeit explosionsartige Unwetterentwicklung, die dann meist ganz besonders heftig verläuft. Für eine absolut exakte Prognose müssten all diese unendlich vielen, minimalen Auslösefaktoren (Bodenart, Geländeform, Bewuchs, Industrie usw.) in einem Modell mit berücksichtigt werden, was schlicht unmöglich ist und wohl auch niemals möglich sein wird.
Und so wird es sie wohl auch weiterhin geben ... diese letzte Unsicherheit, die das Wetter letztendlich so spannend und wortwörtlich “unberechenbar” macht.
Einen zeitlich hochauflösenden Zeitraffer vom 10.06.10 mit ergänzenden Erläuterungen finden Sie hier.
Zwei Tornados über NRW
[09. Juni 2010]
Gleich zwei Tornados haben am heutigen Nachmittag in NRW für erhebliche Schäden gesorgt. Bereits gegen 14 Uhr bildete sich knapp südlich von Münster unter rascher Verstärkung eine Gewitterzelle, die nachfolgend das östliche Münsterland sowie das Osnabrücker Land in Zugrichtung Nordost überquerte und erst gegen 16.30 Uhr an der Nordgrenze des Kreises Minden-Lübbecke NRW endgültig Richtung Niedersachsen verließ. Sowohl in Hille (Kreis Minden-Lübbecke) als auch in einem Gewerbegebiet am Stadtrand von Warendorf (Münsterland / 40 km südsüdwestl. von Mettingen) kam es zu erheblichen Beschädigungen. Obwohl genauere Ermittlungen derzeit noch laufen, konnten in beiden Fällen Tornados als Ursache inzwischen eindeutig bestätigt werden. Sowohl Bild- als auch Videomaterial liegt vor. Ob es zwischen den beiden Orten entlang der fast 70 Kilometer langen Zugbahn der erstaunlich langlebigen Gewitterzelle möglicherweise zu weiteren Funnel- bzw. Tornadosichtungen kam, ist derzeit noch nicht bekannt. Auch in der kommenden Nacht muss wieder mit örtlich unwetterartigen Starkregenfällen und Gewittern gerechnet werden.
Weiterführende Informationen:
Mai 2010: Zu kalt und zu trocken
[02. Juni 2010]
Schwupp, schon ist er vorbei, der Wonnemonat. Doch war er wirklich wonnig, der Mai in diesem Jahr? Schauen wir mal ein wenig genauer hin.
Der Mai 2010, bezüglich der Temperaturverhältnisse war er markant zweigeteilt. Während Höchsttemperaturen von teils unter 10°C sowie Nachtwerte bis nahe 0°C die ersten 15 Tage zur kältesten ersten Maihälfte in der Geschichte der Schlickelder Klimastation werden ließen, stiegen die Tagesmitteltemperaturen zwischen dem 16. und 31.05. zumindest an einigen Tagen zum Teil deutlich über den Mai-Normwert (1961-1990) an. In der Endabrechnung ergibt sich dennoch mit einem Monatsmittel von 10,8°C eine recht deutliche Abweichung von -1,6 K gegenüber dem vieljährigen Mittel (Münster/Osnabrück 1961-1990: 12,4°C). Die absolute Spitze und gleichzeitig das Prädikat des einzigen Sommertages (mind. 25°C) erreichte der 23.05. mit 25,1°C, während am 7. Mai nicht einmal 9°C als Maximum gemessen wurden! Auf den absoluten Tiefststand sackte die Quecksilbersäule in den frühen Morgenstunden des 05.05. mit einem halben Grad über Null. In Knöchelhöhe wurden an jenem Morgen auf dem Schlickelder Messfeld Minima von bis zu -5,7°C verzeichnet. Insgesamt brachte uns der Mai 2010 noch 4 Bodenfrost- und satte 10 Grasfrosttage, drei davon sogar noch in der letzten Woche.
Insgesamt fanden im letzten Frühlingsmonat dieses Jahres umgerechnet 53,4 Liter Niederschlag pro Quadratmeter ihren Weg in die beiden Messgeräte am Nagelmanns Moor. Diese Monatssumme entspricht einem Minus von immerhin 16 Prozent gegenüber dem vieljährigen Schnitt der Vergleichsperiode 1961-1990 (Station Westerkappeln: 63,6 L/m²). Entgegen vielfacher Meinungen war der Mai 2010 also zwar zu kühl aber alles andere als “verregnet”! Besonders augenscheinlich wurden diese Verhältnisse innerhalb der zweiten Monatshälfte vor dem 30.05., als Gärten und Äcker doch bereits sichtbar austrockneten. Der 30. Mai brachte dann diesbezüglich nicht nur eine deutliche Entspannung, sondern mit 14,7 Litern pro m² auch die größte 24 Stunden-Summe des gesamten Monats. Dennoch blieben 13 Tage zwischen dem 01. und 31.05.2010 gänzlich trocken (< 0,1 L/m²). Die maximale Niederschlagsintensität von 0,4 Litern pro Minute am 30.05. ist kaum weiter erwähnenswert. Gewitteraktivität wurde im Mai 2010 über Schlickelde keine beobachtet.
Weitere Monatswerte aus dem Mai 2010 sowie, falls vorhanden, deren Abweichungen zur Normperiode 1961-1990: Mittl. Relative Luftfeuchte 74,5 % (+2,8 %), Mittl. Luftdruck 1014,8 hPa (-0,6 hPa), Mittl. Windgeschwindigkeit 8,0 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 135,1 Stunden (-66,2 %).
Erneut kalte Nacht mit Bodenfrost
[29. Mai 2010]
Nur drei Tage vor dem meteorologischen Sommeranfang hat Väterchen Frost in der vergangenen Nacht nochmals zugeschlagen und die hiesige Gartenbotanik erneut auf eine harte Probe gestellt. Bis auf 2,2°C sank die Messwertkurve in Schlickelde in der offiziellen Hüttenhöhe von 2 Metern ab. An den beiden Bodenmessstellen wurden gar Minima von -0,6°C bzw. -3,2°C erreicht, so dass in den frühen Morgenstunden einmal mehr ein zarter Hauch von Reif dem Sonnenaufgang entgegen glitzerte. Das hier abrufbare kurze Video wurde in der vergangenen Nacht um kurz nach 3 Uhr auf dem Schlickelder Messfeld aufgenommen.
Weitere morgendliche Tiefstwerte aus der Region:
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Station
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Minimum 2m
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Minimum 5cm
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Münster/Osnabrück
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1,8°C
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-2,0°C
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Gronau
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2,0°C
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-0,6°C
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Alfhausen
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2,2°C
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-1,0°C
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Schlickelde
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2,2°C
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-0,6°C / -3,2°C
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Ibbenbüren
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2,4°C
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-1,1°C
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Osnabrück
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2,4°C
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0,0°C
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Rheine-Bentlage
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2,5°C
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-0,9°C
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Coesfeld
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2,7°C
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0,0°C
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Ahaus
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2,7°C
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n. bek.
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Bersenbrück
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3,2°C
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n. bek.
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Münster
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3,2°C
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n. bek.
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Lingen
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3,3°C
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n. bek.
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Emsdetten
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3,4°C
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-0,8°C
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Steinfurt
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4,2°C
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0,0°C
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Nordhorn
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4,4°C
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-0,7°C
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Kalte Nacht: Bis -3,6°C am Erdboden
[26. Mai 2010]
Der Mai 2010, er kommt aus den unterkühlten Schlagzeilen auch weiterhin nicht heraus. Nur sechs Tage vor dem meteorologischen Sommerbeginn ging´s in der vergangenen Nacht noch einmal so richtig in den “kalten Keller”. So wurde in den frühen Morgenstunden im Messraum der Klimahütte (2 Meter über Grund) ein Tiefstwert von 2,3°C, in fünf Zentimetern Höhe über unbewachsenem Boden ein solcher von -0,6°C und auf identischem Niveau über Gras sogar ein rekordverdächtiges Minimum von -3,6°C erreicht.
Auch in den nächsten Tagen bleibt es weiterhin recht kühl. Nächtliche Bodenfrostgefahr besteht dann aufgrund stärkerer Bewölkung, feuchterer Luft und Regenfällen jedoch nicht mehr.
Maikäfer flieg´
[20. Mai 2010]
Pünktlich zum “Tanz in den Mai” hatte er am frühsommerlich lauen Abend des 28. April erstmals in diesem Jahr Schlickelder Boden betreten, wurde nachfolgend jedoch von der kältesten ersten Maihälte seit mindestens 20 Jahren jäh und heftig wieder ausgebremst. All das ist nun endlich vergessen, und so hörte man es heute abend bei deutlich milderen Temperaturen (16°C um 21 Uhr) im Umfeld der Wetterstation wieder an allen Ecken und Enden brummen, knattern und krabbeln.
Ein kurzes Maikäfer-Video finden Sie hier.
“Mai ... ist das kalt!”
[16. Mai 2010]
Wonnemonat? Frühsommer? Biergartenwetter? ... Keine Spur. Wohl jeder hat es in den vergangenen 15 Tagen am eigenen Leib und dem Zwischenstand der Heizkostenabrechnung gemerkt: Dieser Mai ist ein Herbst! Doch nicht nur die subjektive Wahrnehmung stimmt dieses Mal. Auch die knallharten, messtechnischen Fakten sind eindeutig.
Mit einer Durchschnittstemperatur von 8,2°C war die erste Maihälfte in Mettingen-Schlickelde gegenüber dem vieljährigen Normalwert für den ganzen Monat (Station Münster/Osnabrück: 12,4°C) gleich um satte 4,2 Grad untertemperiert. Die Hälfte der Tage erreichte nicht einmal das Temperaturniveau eines durchschnittlichen Apriltages. Noch deutlicher werden die extremen Temperaturverhältnisse bis zur Wonnemonat-Halbzeit im Vergleich mit den vergangenen Jahren in Schlickelde. Die Ergebnisse zeigt das abgebildete Diagramm. Darin sind die Tageshöchst- bzw. -tiefsttemperaturen zwischen dem 01. und 15. Mai für jedes einzelne Jahr gemittelt dargestellt. Die Kurven sprechen für sich. Lediglich die durchschnittliche Tiefsttemperatur der ersten Maihälfte 1991 konnte den diesjährigen Wert nochmals unterbieten. Leider liegen aus jenem Jahr noch keine Höchsttemperatur-Aufzeichnungen aus Schlickelde vor. Die entsprechenden Daten der Nachbarstationen Hopsten und Rheine-Bentlage lassen mit Durchschnittswerten von 13,1 bzw. 12,8°C jedoch die diesjährigen Messwerte insgesamt noch ganz knapp unter sich. Damit ist auf Grundlage all dieser Daten nun auch zahlenmäßig erwiesen, dass das Mettinger Land gerade die kälteste erste Maihälfte seit mindestens 20 Jahren erlebt hat.
Desweiteren fällt in der Grafik im Vergleich mit allen vorangegangenen Jahren ein besonders deutlicher Einbruch speziell der diesjährigen Höchsttemperaturen sowie eine deutlich kleinere Differenz zwischen mittlerem Maximum (11,6°C) und mittlerem Minimum (4,6°C) auf. Zu erklären ist dies in erster Linie durch die Bewölkungsverhältnisse in den vergangenen zwei Wochen. Meist bedeckter Himmel und trüb-regnerisches Wetter drosselten tagsüber zusätzlich eine Erwärmung der ohnehin schon kalten Luftmassen, verhinderten des Nachts jedoch auch eine allzu starke Auskühlung. Die beiden Kurven rücken somit näher zusammen. In früheren Jahren war die Anzahl trockener Hochdrucklagen deutlich höher, die oftmals klaren Nächte somit ähnlich kalt oder noch kälter, die Tage wiederum zum Teil aber recht warm. Es waren also vor allem die rekordverdächtig kühlen Temperaturen tagsüber, die mit Maxima von oftmals nur um oder unter 10°C diesen Monat bis jetzt so stark ins Minus zogen.
Doch noch ist nur Halbzeit ... Ein Spiel dauert 90 Minuten, ein Mai 31 Tage und die Zeichen für einen deutlichen Aufwärtstrend pünktlich zu Pfingsten stehen derzeit garnicht schlecht.
April 2010: Zu warm und viel zu trocken
[12. Mai 2010]
Zu warm, viel zu trocken und deutlich sonniger als üblich ... so könnte man den diesjährigen zweiten Frühlingsmonat klimatisch in Kurzform charakterisieren. Doch natürlich schauen wir an dieser Stelle traditionsgemäß noch ein bißchen genauer hin.
Mit einem Monatsmittel von 9,7°C verzeichneten wir in Schlickelde im April 2010 einen beachtlichen “Temperatur-Überschuss” von +1,5 K gegenüber dem vieljährigen Mittel für unsere Region (Münster/Osnabrück 1961-1990: 8,2°C). Noch beeindruckender ist aber die bemerkenswerte Temperaturspanne von fast 30 Grad, die die Messkurve im April zum Teil innerhalb weniger Tage durchschritt. So wurde die absolute, bereits sommerliche Monatsspitze am 29.05. mit 26,6°C erreicht, nachdem das Thermometer erst sechs Tage zuvor noch mit -1,9°C das andere Ende der Skala markiert hatte. Auf Grasspitzen-Niveau ging´s sogar nochmals bis auf eisige -8,9°C runter. Insgesamt verzeichneten die Messgeräte am Nagelmanns Moor zwischen dem 01. und 30.04. noch 5 Frost-, satte 18 Bodenfrost- und sogar 21 Grasfrosttage mit Tagesminima unter 0°C an den entsprechenden Messstellen. Ermöglicht wurden diese rekordverdächtigen Differenzen zwischen Klimahütte und Erdboden in erster Linie durch zum Teil extrem ausgetrocknete Böden (schlechte Wärmeleitung) sowie natürlich klare und windstille Nächte. Besonders in der letzten Aprilwoche zogen die Temperaturen dann kräftig an und brachten uns sogar die ersten beiden Sommertage des Jahres (Tmax > 25°C). Erwähnenswert sei an dieser Stelle noch die außergewöhnliche Nacht vom 29. auf den 30.04., als selbst nach 2 Uhr noch über 20°C gemessen wurden!
Kommen wir zu den Niederschlagsverhältnissen im April 2010. Und dort werden prompt Erinnerungen an die zum Teil extrem trockenen April-Monate der vergangenen Jahre wach. Nach einigen mäßigen Niederschlägen in den ersten Apriltagen, stellte Petrus seinen Bewässerungsbetrieb ab dem 05.04. mit wenigen, unbedeutenden Ausnahmen praktisch völlig ab. 20 Tage lang summierten sich die sporadischen Tröpfeleien auf einen Kleckerbetrag von gerade einmal 2,8 Litern pro Quadratmeter, und das fatalerweise erneut ausgerechnet zum Beginn der Vegetationszeit. Erst der 30.04. brachte mit 5,9 Litern zumindest wieder ein kleines Aufatmen. Insgesamt blieben im April 2010 nicht weniger als 21 von 30 möglichen Tagen mit Mengen von weniger als 0,1 Liter/m² im Wesentlichen trocken. Jedes Tröpfchen aufsummiert brachte es dann bis zum 30.04. nur auf einen Monatsbetrag von mageren 24,9 Litern pro m². Dies entspricht einem beachtlichen Niederschlagsdefizit von -53 Prozent gegenüber dem 30jährigen Normalwert in unserer Region (Station Westerkappeln 1961-1990). Die maximale Niederschlagsintensität wurde mit 0,7 Litern pro m² und Minute am 30.04. erreicht.
Die weiteren Monatsdaten vom April 2010 im Überblick (Abweichungen zum Normalwert in Klammern): Mittl. Relative Luftfeuchte 67,2 % (-6,1 %), Mittl. Luftdruck 1019,4 hPa (+5,1 hPa), Mittl. Windgeschwindigkeit 8,6 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 218,6 Stunden (+37,7 %)
Fast neuer Mai-Rekord: 8,9°C
[07. Mai 2010]
Fast, aber auch nur fast wäre es ein neuer Mai-Rekord geworden ... und zwar “nach unten”. Mit einer spätwinterlichen Tageshöchsttemperatur von 8,9°C wurde der heutige 07.05. aber immerhin noch zum zweitkältesten Maitag in Schlickelde seit dem Beginn durchgehender Höchsttemperatur-Aufzeichnungen vor fast 19 Jahren gekührt! Lediglich ein halbes Grad zu viel, um auch den Rekordhalter, den 10.05.1996 mit einer Spitze von 8,5°C, vom Thron zu stoßen. Platz drei geht an den 07. Mai 2004 mit einem Maximum von 9,6°C. Doch auch so war es heute bei bedeckt-grauem Himmel und zeitweiligem Regen schon ungemütlich genug, während in den Mittelgebirgen zum Teil bis in tiefere Lagen sogar nochmal der Winter zurückkehrte.
Verfrühter Eisheiligen-Gruß: -5,7°C am Erdboden
[05. Mai 2010]
Kaum hatte sich die heimatliche Natur nach den erlösenden Regenfällen der letzten Tage zumindest ein klein wenig von der April-Trockenheit erholt, steht nun auch schon der nächste Wetter-Hammer vor der Tür: Mit satten -5,7°C Schockfrostung sah sich in den heutigen Morgenstunden all das konfrontiert, was nicht mehr als fünf Zentimeter Wuchshöhe aufwies. Erst in einer Messhöhe von zwei Metern über Grund blieben die Werte mit 0,5°C knapp im zarten Plus. Vorgezogene Eisheilige? Möglich, denn kalendarisch stehen uns diese üblicherweise erst im Zeitraum vom 11. bis 15. Mai ins Haus. Während Bodenfrost zu dieser Zeit noch recht häufig zu beobachten ist, treten wirkliche Luftfröste (2 Meter) bis in die erste Maihälfte hinein bei uns in Schlickelde nur relativ selten auf. So beispielsweise am 03.05.1991 mit -1°C sowie am 06.05.1996, an dem durch morgendliche -1,6°C zahlreiche Obstblüten unwiederbringlich verloren gingen.
Erster Sommertag des Jahres - Rekord bei Temperaturspanne
[25. April 2010]
“Kurzhosenwetter” in Schlickelde: Mit einer beachtlichen Tageshöchsttemperatur von nicht weniger als 26,3°C wurde heute am “Nagelmanns Moor” erstmals in diesem Jahr die 25°C-Marke überschritten. Der 25.04. darf sich damit nun definitionsgemäß als erster Sommertag 2010 in den Statistiken niederlassen. Nach einem strengen und recht langen Winter sind wir damit dem klimatologischen Zeitplan nun inzwischen sogar 14 Tage voraus. Im 15jährigen Mittel taucht die 25 nämlich üblicherweise erstmals um den 9. Mai herum auf den heimischen Quecksilbern auf, wobei die zeitliche Schwankungsbreite von Jahr zu Jahr natürlich immens ist. Doch damit nicht genug: Fast unglaublich erscheinen all diese Messwerte, wenn man berücksichtigt, dass wir noch in den frühen Morgenstunden mit einem Minimum von mageren +3,0°C in den Sonntag gestartet sind. Am Erdboden gingen die Werte sogar nochmals bis auf frostige -3,7°C zurück. Mit dieser 24stündigen Temperaturspanne von 23,3 K wurde somit in der offiziellen Messhöhe von zwei Metern über Grund ein neuer Stationsrekord aufgestellt, der alte Wert vom 22.04.2007 immerhin um 0,4 Grad überboten. Desweiteren erwähnenswert wäre schließlich noch der heutige Beginn der Apfelblüte in Schlickelde, die damit nun den klimatologischen Vollfrühling einläutet und einen bemerkenswerten Wettertag würdig abrundet.
Ein paar kurze Video-Impressionen des heutigen Tages an der Wetterstation Mettingen-Schlickelde finden Sie hier.
Trockenheit nimmt zu: Hohe Waldbrandgefahr!
[23. April 2010]
Der Trend zu längeren Trockenperioden im Monat April, er scheint sich auch in diesem Jahr wieder zu bestätigen. Nachdem im April des vergangenen Jahres nur 39 Prozent, im April 2007 sogar nur knapp 5 Prozent (!) der normalen Niederschlagsmenge registriert worden waren, geizt auch der diesjährige zweite Frühlingsmonat mit Nass von oben. So machen die bis heute gefallenen 16,5 Liter pro m² lediglich 31 Prozent des Normwertes für einen gesamten April aus. In den vergangenen 18 Tagen verirrten sich insgesamt überhaupt nur 2,8 Liter/m² in den Schlickelder Niederschlagsmesser. Mit immer deutlicheren Folgen für die Natur: Der Waldbrandgefahrenindex beispielsweise, ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst, erreicht in unserer Region inzwischen verbreitet die zweithöchste von insgesamt fünf Abstufungen. Eine weitere Auswirkung: Die hiesigen, ausgetrockneten Sandböden können tagsüber durch schlechtere Leiteigenschaften immer weniger Wärme in tiefere Bodenschichten transportieren, die in den sternenklaren Nächten dann in umgekehrter Fließrichtung nicht mehr für die Abbremsung der Abkühlungsraten zur Verfügung steht. Das Ergebnis konnte man auch am heutigen Morgen wieder am Thermometer ablesen: -1,9°C (2 Meter) bzw. sogar rekordverdächtige -8,9°C auf Höhe der Grasspitzen.
Trockene Luft - Frostige Nächte
[18. April 2010]
Während derzeit tagsüber prächtigstes Frühlingswetter bei strahlendem Sonnenschein und bis zu 20,7°C herrscht, sinken die Werte in den glasklaren Nächten zum Teil wieder bis in den Frostbereich. So wurde heute in den frühen Morgenstunden eine Tiefsttemperatur von -0,3°C, gestern sogar eine solche von -1,3°C erreicht. Auf Grasspitzen-Niveau registrierten die Sensoren des Schlickelder Messfeldes sogar Minima von bis zu -8,1°C.
Ermöglicht werden diese Bedingungen durch sehr trockene Luftmassen sowie die bereits deutlich fortgeschrittene Austrocknung der Böden. Nachdem in den letzten 14 Tagen jeder Mettinger Quadratmeter nur 3,4 Liter Regenwasser erhielt, sackte die Messwertkurve der relativen Luftfeuchte am heutigen Nachmittag auf ein relativ seltenes Minimum von unter 25 Prozent ab.
Vulkanausbruch: Aschewolke erreicht Norddeutschland
[16. April 2010]
Nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans “Eyjafjallajökull” hat dessen gewaltige Aschewolke unter südöstlicher Verfrachtung nach Nord- und Nordwesteuropa in den vergangenen Stunden auch den norddeutschen Raum erreicht. Während der Flugverkehr über den Britischen Inseln und Norwegen bereits seit gestern aus Flugsicherheitsgründen eingestellt wurde, ist um 2 Uhr in der vergangenen Nacht als eines der ersten deutschen Luftdrehkreuze auch der Flughafen Münster/Osnabrück vollständig geschlossen worden. Bis auf weiteres finden keine Starts und Landungen mehr statt. Eine Wiederaufnahme des Flugbetriebes wird nicht vor 18 Uhr erwartet. Zum jetzigen Zeitpunkt (14.30 Uhr) ist in Deutschland nur noch der internationale Flughafen München geöffnet. Es wird erwartet, dass im Laufe des Tages auch dort der Flugverkehr eingestellt werden muss.
Abseits von den Beeinträchtigungen im Flubetrieb ist derzeit mit keinen unmittelbaren negativen Auswirkungen zu rechnen. Da sich die Emissionen des Vulkans über unserem Bereich bereits deutlich ausgedünnt haben und sich zudem überwiegend in Luftschichten zwischen 8 und 10 Kilometern bewegen, dürfte man am Erdboden von dem Naturereignis nicht viel mitbekommen. Möglich ist allerdings eine Veränderung der Farbeffekte speziell bei Sonnenauf- und -untergang in den kommenden Tagen.
März 2010: Zu warm, normale Niederschläge
[09. April 2010]
Markant zweigeteilt, so präsentierte sich in den vergangenen Wochen der erste Frühlingsmonat des Jahres. Während die erste Hälfte des März 2010 noch stark mit den Nachwehen eines der strengsten Winter seit vielen Jahren in unserer Region zu kämpfen hatte, setzte ab dem 16.03. ein markanter “Frühlingsschub” ein, der die Höchsttemperaturen innerhalb von nur drei Tagen von knapp über 6°C bis auf fast 18°C ansteigen ließ. Dabei hatten Neuschneefälle noch am 5. März für eine bis zu sechs Zentimeter mächtige Schneedecke gesorgt, deren letzte Reste noch bis zum 11.03. zu finden waren.
Schlussendlich mittelten sich alle 31 Tagesmitteltemperaturen im März 2010 zu einem Monatswert von exakt 5,6°C. Damit lagen wir schließlich doch noch beachtliche 1,4 K über dem vieljährigen Normal der Jahre 1961-1990 (Station Münster/Osnabrück). Dies war der überaus frühlingshaft milden zweiten Monatshälfte zu verdanken, die den deutlich negativen Schnitt der ersten 16 Tage mehr als ausglich. So wurde am 25.03. mit T-Shirt tauglichen 20,9°C die absolute Temperaturspitze des gesamten Monats erreicht. Selbst um 0 Uhr in der folgenden Nacht verharrte die Anzeige noch bei rekordverdächtig lauen 15,6°C, so dass das entsprechende Tagesmittel mit 16,2°C fast dem eines durchschnittlichen Schlickelder Julitages entsprach. Das andere Ende der Extrema-Skala prägte klar der 7. März, in dessen Frühstunden die Quecksilbersäule auf knackige -9,7°C (2 Meter Höhe) bzw. eisige -14,9°C knapp über der frischen Schneedecke abstürzte. Den 11 Frosttagen mit Minima unter 0°C standen im März 2010 immerhin schon 7 Frühlingstage mit mindestens 15°C in der Spitze gegenüber. Und genau diese sorgten schließlich für einen immensen Vegetationsschub, mit den ersten offenen Krokusblüten am 17. sowie dem ersten zaghaften Forsythiengelb ab dem 27.03. (Vorjahr 31.03.). (Foto rechts: Abendlicher Mittellandkanal bei Recke am 09.03.2010)
Keine so großen Extreme verzeichneten die Geräte auf dem Schlickelder Messfeld bei den Niederschlägen. Insgesamt summierten sich alle Tagesniederschläge auf einen Endstand von 64,1 Litern pro Quadratmeter. Dies entspricht einer Abweichung zur März-Norm von nur etwa + 4 Prozent (Westerkappeln 1961-1990: 61,7 L/m²), so dass man von weitgehend normalen Verhältnissen sprechen kann. 12 Tage blieben mit Werten unter 0,1 mm definitionsgemäß trocken, die maximale Niederschlagsrate wurde in der Nacht vom 20. auf den 21.03. mit 0,9 Litern pro Minute dokumentiert. Eine ganztägig geschlossene Schneedecke gab es nur mehr am 06. März, während das Messfeld am 7., 8. und 9.3. nur noch zu 70 bis 95 Prozent mit Schnee bedeckt war.
Die weiteren Monatsdaten in der Übersicht (Abweichungen in Klammern): Mittl. Relative Luftfeuchte 78,5 % (+0,3 %), Mittl. Luftdruck 1016,5 hPa (+1,7 hPa), Mittl. Windgeschwindigkeit 10,1 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 109,9 Std. (+/- 0,0 %).
Protestaktion: Wetterstation wird abgeschaltet
[01. April 2010, 02.00 Uhr]
Die Wetterstation Mettingen-Schlickelde gibt hiermit öffentlich bekannt, dass ab morgen mittag (12 Uhr) der gesamte Mess- und Beobachtungsbetrieb der Station sowie deren Webseite auf unbestimmte Zeit erstmals in ihrer Geschichte vollständig abgeschaltet wird. Wie zahlreiche weitere Stationen staatlicher und privater Messnetze in Deutschland sowie des benachbarten Auslandes, schließt sich damit auch die Schlickelder Station solidarisch einer groß angelegten und bisher geheim gehaltenen Protestaktion an, die aktiv ein Zeichen gegen die derzeitige Inhaftierung des Schweizer TV-Meteorologen Jörg Kachelmann setzen möchte. Ziel der Aktion ist ein zumindest teilweiser Zusammenbruch der meteorologischen Infrastruktur sowie des routinemäßigen Vorhersagebetriebes, dessen wirtschaftliche Konsequenzen den Druck hinsichtlich einer Freilassung Herrn Kachelmanns erhöhen sollen. Desweiteren soll auch als äußeres, symbolisches Zeichen an allen beteiligten meteorologischen Stationen am Windmast eine weiße Fahne mit schwarzem Kreuz gehisst werden, in abgewandelter Anlehnung an die Schweizer Nationalflagge.
Ein offizielles Ende der Aktion steht derzeit noch nicht fest und richtet sich unter anderem nach dem weiteren Ermittlungsverlauf im Fall Kachelmann. Eine Fortsetzung bis zur Freilassung des Angeklagten sei durchaus denkbar, so die Initiatoren.
Station läuft noch, Webseite läuft noch, nix Fahne ... April, April!!
Die 20 ist geknackt
[25. März 2010]
Erstmals seit dem 07. Oktober wurde heute in Mettingen-Schlickelde wieder die 20°C-Marke geknackt: Um Punkt 13.49 Uhr registrierten die Sensoren auf dem Messfeld am Nagelmanns Moor einen Tageshöchstwert von exakt 20,9°C. Bereits gestern war das Thermometer in ähnlich frühlingshafte Höhen gestürmt, hatte mit einem Maximum von 19,5°C die 20er-Grenze aber noch knapp verfehlt. Besonders beeindruckend: Selbst kurz vor Mitternacht wurden am heutigen Abend noch absolut rekordverdächtig sommerlich-laue 16°C gemessen ... Grill schon “entstaubt”?
Endlich! ... Da isser: 17,6°C
[18. März 2010]
Lange haben wir geduldig auf ihn warten müssen ... jetzt hat er auch in Mettingen Einzug gehalten: Der Frühling! Nachdem bereits gestern bei nur unwesentlich durch Schleierbewölkung geschwächtem Sonnenschein bis zu 13,6°C gemessen worden waren, stiegen die Werte auf dem Schlickelder Messfeld heute bis auf T-Shirt taugliche 17,6°C an. Dies entspricht nicht nur dem bis jetzt natürlich absoluten Maximum des Jahres, sondern auch der höchsten Temperatur seit sage und schreibe über 160 Tagen! Genauer gesagt seit dem 06. Oktober 2009, der uns damals 21,2°C beschert hatte. Zudem bremste aufziehende Bewölkung heute abend die üblicherweise noch sehr großen Abkühlungsraten beträchtlich, so dass selbst kurz vor Mitternacht noch ungewöhnliche “laue” 13°C gemessen wurden.
Im statistischen Mittel werden Temperaturen über 15°C üblicherweise erstmals im Jahr um den 12. März herum erreicht, wobei die Schwankungsbreite allerdings sehr groß ist (Wetterstation Mettingen-Schlickelde 1992-2007). Auch in den kommenden Tagen bleiben uns die milden bis frühlingshaften Temperaturen erhalten, die Sonne aber leider nicht. Ausgedehnte Regengebiete werden wohl für ein eher nasses Wochenende sorgen.
Schneetief “Yve” bringt Winter zurück
[06. März 2010]
Das Schneetief “Yve” hat nach einigen milderen Tagen in den vergangenen 24 Stunden zumindest vorübergehend nochmal den Winter nach Mettingen zurückgebracht. Nach zunächst recht freundlichem Wetter zogen bereits am gestrigen Nachmittag von Nordwesten her die ersten dichten Wolken auf, aus denen am frühen Abend dann bei langsam Richtung 0°C sinkenden Temperaturen Dauerschneefall einsetzte. Weitere Schneeschauer, einige Kilometer östlich (Raum Bramsche/Osnabrück) sogar Wintergewitter, sorgten nachts für weiteren Schneenachschub, so dass sich bis zum heutigen Morgen eine geschlossene Schneedecke von beachtlichen 5 bis 6 Zentimetern Mächtigkeit ausbilden konnte. In den folgenden Stunden setzte dann bei strahlender und schon kräftiger Märzsonne sowie Spitzenwerten bis +1,0°C allerdings rasch wieder leichtes Tauwetter ein. Dennoch: In der kommenden Nacht kann es in der eingeflossenen Polarluft kräftig auskühlen. Während in der offziellen Messhöhe von zwei Metern über Grund Werte bis -8°C erwartet werden, liegen direkt über der Schneedecke sicherlich Minima um -15°C im Bereich des Möglichen.
Einen Schnelldurchlauf der Passage von “Yve”, festgehalten von der “Wettercam Schlickelde”, können Sie sich hier nochmals anschauen.
Februar 2010: Zu kalt und zu nass
[01. März 2010]
1. März, meteorologischer Frühlingsanfang. Zeit, noch mal zurück zu blicken auf den dritten und somit letzten Monat eines der strengsten Winter der letzten Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte.
Der klimatologische Februar 2010, er erreichte in Mettingen-Schlickelde nach Auswertung aller 28 Tagesdatensätze eine Monatsmitteltemperatur von nur 0,7°C. Das entspricht einer Abweichung von -0,7 K gegenüber dem vieljährigen Normalwert der Jahre 1961-1990 in unserer Region (Station Münster/Osnabrück: 1,4°C). Damit geht der letzte Wintermonat der Saison als etwas zu kalt in die Klimastatistik ein. Während etwa ab dem 20.02. eine deutliche Milderung einsetzte, zeigten sich die ersten zwei Monatsdekaden über weite Strecken noch zum Teil tief winterlich kalt. Das absolute Minimum wurde mit -14,0°C am frühen Rosenmontagsmorgen (15.02.) erreicht. Knapp über der geschlossenen Schneedecke zitterte sich das Quecksilber sogar bis auf -18,7°C hinunter. Das andere Skalenende prägte der 26.02. mit einem vorfrühlingshaften Höchstwert von 12,7°C. Insgesamt erlebte Mettingen im Februar 2010 satte 18 Frosttage mit Minima unter 0°C sowie beachtliche 8 Eistage, an denen auch die Tagesmaxima unter dem Gefrierpunkt lagen. Vom 7. bis zum 16.02. herrschte über 213 Stunden lang sogar durchgehender Dauerfrost. (Foto: Am 2. Februar bei Recke - Wegen eines inzwischen durchgehenden, dicken Eispanzers ist der Mittellandkanal auf ganzer Länge (326 Kilometer) voll gesperrt. Ein Klick ins Bild öffnet einen kurzen Videoschwenk.)
Im Gegensatz zur Temperaturbilanz fällt die Niederschlagsauswertung der vergangenen 28 Tage deutlich überdurchschnittlich aus. Mit einer Gesamtsumme von 68,1 Litern Wasser bzw. geschmolzenen Schnees pro Mettinger Quadratmeter wurde der Sollwert gleich um über 32 Prozent überboten (Westerkappeln 1961-1990: 51,5 L/m²). Am nassesten: Gleich der 2. Februar, der mit phasenweise in Regen übergehenden Schneefällen innerhalb 24 Stunden insgesamt 10,8 Liter “zusammenflöckelte”. Überhaupt war Schnee auch im letzten knappen Drittel des “Weißen Winters” das absolut beherrschende Thema. Vom 1. bis zum 21.02. verzeichneten rund um die Uhr unermüdliche Beobachteraugen in Schlickelde satte 14 Tage mit einer vollständig geschlossenen, bis zu 12 Zentimeter mächtigen Schneedecke sowie immerhin noch 4 Tage mit einem Schneebedeckungsgrad zwischen 80 und 95 Prozent. All das immer bezogen auf die Messfeldfläche innerhalb der Stationsumzäunung. Erst am 21.02. setzte dann durchgreifendes Tauwetter ein, welches innerhalb kürzester Zeit dann auch die letzten Schneereste beseitigte. Neue Schneefälle gab es in der deutlich milderen Luftmasse nachfolgend bis Monatsende keine mehr.
Die weiteren Monatsdaten mit Abweichungen in der Übersicht: Mittl. Relative Luftfeuchte 87,0 % (+5,5 %), Mittl. Luftdruck 1003,7 hPa (-12,2 hPa!), Mittl. Windgeschwindigkeit 10,6 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 27,3 Std. (-64,2 %!).
Orkan “Xynthia” verschont Mettingen
[01. März 2010]
Während er in weiten Teilen NRW´s mit Windspitzen von bis zu 137 km/h (Kalterherberg) zum Teil erhebliche Schäden und tragischerweise auch zwei Todesopfer verursachte, verlief Orkan “Xynthia” in Mettingen gestern glücklicherweise relativ harmlos. Exakt am nördlichen Rand des eigentlichen Starkwindfeldes gelegen schafften es die stärksten Windböen hier um kurz vor halb 9 Uhr am Abend lediglich auf 77,0 km/h. Dies entspricht dem unteren Bereich von Windstärke 9 (Sturm), die durch Windgeschwindigkeiten zwischen 75 und 88 Kilometern pro Stunde definiert ist. Über nennenswerte Schäden im Gemeindegebiet wurde nichts bekannt. Insgesamt forderte Orkan “Xynthia” in Europa mindestens 56 Todesopfer.
Einige Windspitzen aus dem Mettinger Umland: Flughafen Münster/Osnabrück 86 km/h, Osnabrück 83 km/h, Rheine-Bentlage 83 km/h, Lingen 79 km/h.
10°C-Hürde wieder übersprungen
[24. Februar 2010]
Einer der strengsten Winter der vergangenen Jahrzehnte, erstmals zeigt er Schwächen: Mit einem Tageshöchstwert von 11,5°C stieg die Quecksilbersäule heute nach beachtlichen 80 Tagen im Tiefflug erstmals seit dem Nikolaustag wieder über die 10°C-Marke. Der heutige 24.02. war damit in Schlickelde der “wärmste” Tag seit Ende November. Doch Achtung, noch ist der winterliche Bann nicht gänzlich gebrochen. Bereits für das Ende der kommenden Woche deuten derzeit einige Modelle einen erneuten Temperaturrückgang an.
Eisiger Rosenmontag
[15. Februar 2010]
Ob Köln, ob Mainz oder auch Recke, in diesem Jahr gab es in allen Karnevalshochburgen letztlich nur ein gültiges Motto: “Warm schunkeln”! Mit einem morgendlichen Tiefstwert von -14,0°C (-18,7°C knapp über Schneedecke) und einer dauerfrostigen Spitze von -1,3°C erlebte das Mettinger Land heute den kältesten Rosenmontag seit Jahren. Und auch die geschlossene Schneedecke will 14 Tage vor Ende des meteorologischen Winters weiterhin nicht endgültig weichen. Vielleicht ja in den nächsten Tagen, denn: Am Aschermittwoch ist alles vorbei!
Einen Schnelldurchlauf des Mettinger Rosenmontagswetters 2010 können Sie sich hier nochmals anschauen.
2009/2010 - Ein echter Jahrhundertwinter?
[06. Februar 2010]
“Schneechaos, Rekordkälte, Jahrhundertwinter”, nur drei der medienwirksamen Schlagzeilen, die uns seit Wochen zwischen Morgenzeitung und Abendnachrichten durch den Tag begleiten. Doch stimmt das wirklich? War der bisherige Winterverlauf tatsächlich so außergewöhnlich oder gar jahrhunderthaft?
In der Meteorologie ist der Winter definiert als Zeitraum vom 01. Dezember bis zum 28. bzw. 29. Februar. Folglich hat gerade erst das letzte knappe Drittel der kalten Jahreszeit begonnen und Zwischenbilanzen können sich somit sinnvollerweise zunächst auch nur über den bisherigen Abschnitt, sprich die Monate Dezember und Januar, erstrecken. Zweckmäßig ist es nun, alle Tageshöchst- und -tiefsttemperaturen dieser ersten beiden Wintermonate heranzuziehen und über den gesamten Zeitraum zwischen dem 01.12. und dem 31.01. zu mitteln. Die Ergebnisse dieser Auswertung zeigt das abgebildete Diagramm sowohl für den jetzigen als auch alle 20 vorangegangenen Winter in Mettingen, wobei Höchstwerte aus den ersten beiden Jahren noch keine
vorlagen. Die Schlussfolgerungen sind eindeutig und sofort ersichtlich: Wir haben gerade die ersten zwei Drittel eines des kältesten Winter hinter uns, die Mettingen in den vergangenen mindestens zwanzig Jahren erlebt hat. Aber es wird auch klar: Selbst in dieser klimatologisch eher kurzen Zeitspanne gab es bereits zwei weitere entsprechende Winterabschnitte, nämlich die der Jahre 1995/1996 sowie 1996/1997, die tatsächlich noch deutlich kälter ausgefallen waren. Somit schafft es der derzeitige Winter, zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt, lediglich auf Platz 3 all seiner eisigen Artgenossen nach 1989. Von einem Rekord- oder gar Jahrhundertwinter kann in Mettingen also diesbezüglich derzeit keine Rede sein.
Soweit die objektiven Zahlen. Was aber macht diesen Winter nun subjektiv scheinbar zu einem solch extremen Ausreißer? Auch
hier bietet die Temperaturkurve eine mögliche Antwort. So fielen die Monate Dezember und Januar gerade der kürzlich vergangenen Jahre zum Teil extrem mild aus. Ja mehr noch: 2006/2007 erlebten wir mit durchschnittlichen Tageshöchstwerten von über 8 und Tiefstwerten von etwa 4 Grad Celsius sogar den absoluten Spitzenreiter seit mindestens zwanzig Jahren. Kein Wunder also, dass uns ein derart starker “Einbruch” in diesem Winter nun so extrem erscheint. Doch nicht nur die Temperaturen beeinflussen hier unsere Wahrnehmung. Es gibt noch einen ganz anderen, bisher unberücksichtigten Faktor, der unser “Bauchgefühl” in diesem Winter entscheidend mit prägt: Der Schnee. Und hier trifft unser Bauchgefühl nun tatsächlich ins Schwarze oder vielmehr ins Weiße: Nie zuvor in der Geschichte der Schlickelder Station zeigten sich derart beständige und hartnäckige Schneeverhältnisse wie in den vergangenen Wochen. 33 aufsummierte Tage mit einer geschlossenen, zeitweise bis zu 16 Zentimeter mächtigen Schneedecke zwischen dem 16. Dezember und 31. Januar, das ist einsame Spitze. Im Januar waren überhaupt nur sieben Tage “grün gefleckt” oder gänzlich schneelos.
Wie auch immer es bis zum 1. März weitergehen mag, wir bleiben auch weiterhin am Ball. Und wer weiß, vielleicht heißt es am Ende schließlich doch noch: Der Winter 2009/2010 war ein echter Jahrhundertwinter.
Heute vor 8 Jahren: 18,0°C
[02. Februar 2010]
Während sich heute das Mettinger Land unter der Regie von Schneetief “Miriam” noch fest im eisigen Griff eines ungewöhnlich harten Winters befand, zeigt ein Blick ins Wetterarchiv, wie ein 2. Februar mitunter auch aussehen kann: “Morgens und vormittags noch wolkig, gegen Mittag Bewölkungsrückgang und nachmittags/abends durchgehend fast wolkenlos (Cirrus) oder wolkenlos. Tageshöchsttemperatur: 18,0°C. Selbst nachts nicht unter 10,1°C. T-Shirt-Wetter auf Terrasse und Balkon!” Eine sehr kräftige Südwestströmung zwischen einem Tief über Island und einem Hoch auf dem Balkan bescherte Schlickelde damals im Jahr 2002 eine Laune des Wetters, die in dieser Art vielleicht nur alle paar Jahrzehnte einmal auftritt. Übrigens: Das verantwortliche Tief damals hieß ... genau: Miriam! Der nächste Frühling kommt bestimmt ...
Januar 2010: Viel zu kalt und viel zu trocken
[01. Februar 2010]
Ein Wintermonat wie aus dem Bilderbuch ging gestern zuende, soviel ist klar. Doch wie sah der erste Monat des neuen Wetterjahres 2010 witterungsmäßig genau aus? Dieser Frage gehen wir nun rückblickend noch einmal detailliert nach.
Es dürfte wohl niemandem entgangen sein: Der Januar 2010 war zu kalt. Deutlich zu kalt sogar, legt man als Normalwert definitionsgemäß die gemittelte Januartemperatur der Jahre 1961-1990 in unserer Region zugrunde (+1,2°C). Mit einem Monatsmittel von -2,1°C wurde dieses in den vergangenen 31 Tagen um satte 3,3 Grad unterboten. Ein wirklich ungewöhnlich kalter Januar also. Jedenfalls im Vergleich mit den entsprechenden Vertretern der letzten Jahre, die Abweichungen zwischen -1,3 und sage und schreibe +4,9 K gebracht hatten. Auch die weiteren frostigen Fingerabdrücke dieses lupenreinen Wintermonats können sich wahrlich lesen lassen: 27 Frosttage mit Minima unter 0°C, 18 Tage, die das Quecksilber überhaupt nicht ins “Plus” stiegen ließen (“Eistage”) und über 240 Dauerfrost am Stück (01.-11.01.). Knackige Kältespitze: Der 27. Januar, der die Celsiusskala bis zu einem Monatstiefpunkt von -15,6°C hinabrauschte. Wenige Zentimeter direkt oberhalb der geschlossenen Schneedecke waren am Vortag sogar -19,8°C gemessen worden. Bescheidener Gegenpol dieser Kältebewegung: Der 18.01., an dem sich die Quecksilbersäule auf ein Monatsmaximum von +5,6°C verstieg. Jede einzelne Minute aufsummiert, verlief die Messwertkurve der Lufttemperatur in 2 Metern Höhe im Januar 2010 aber überhaupt “nur” 192 Stunden und 43 Minuten oberhalb der Null-Grad-Marke.
Doch er war nicht nur zu kalt, der Januar 2010 in Mettingen. Er drückte dem Tüöttenstädtchen noch einen ganz anderen, unverwechselbaren Stempel auf: Den Schnee. Weit zurückgehen muss man in den Statistiken, um einen vergleichbar hartnäckig “weißen” Monat zu finden. Um´s kurz zu machen: Ich habe keinen finden können. 23 von 31 möglichen Tagen mit geschlossener, bis zu 16 Zentimeter (03.01.) mächtiger Schneedecke: Ich bin der Meinung, das war ... Spitze! Lediglich vom 18. bis zum 24. und nochmals kurz am 28. Januar zeigte sich das Schneewunderland Mettingen “grün befleckt” oder gänzlich schneelos. So überrascht es denn auch nicht, dass der weitaus größte Teil allen Wassers der vergangenen 31 Tage nicht vom Himmel tropfte sondern rieselte. Insgesamt summiert sich all dies Getropfe und Geriesele schlussendlich auf einen Monatsgesamtstand von dennoch nur 41,3 Litern pro Quadratmeter. Dies entspricht einem doch beachtlichen Niederschlagsdefizit von -42,2 Prozent gegenüber dem Normalwert (Westerkappeln 1961-1990: 71,5 L/m²). Tagesspitzenreiter: Der 29.01. mit 9,5 Litern innerhalb von 24 Stunden. 11 Tage blieben mit Mengen unterhalb der 0,1mm-Marke weitgehend trocken.
Die weiteren Monatsdaten des Januar 2010 im Überblick (Abweichungen in Klammern): Mittl. Relative Luftfeuchte 90,1 % (+4,6 %), Mittl. Luftdruck 1015,2 hPa (-0,2 hPa), Mittl. Windgeschwindigkeit 10,3 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 28,4 Std. (-37,3 %).
Eisschrank Schlickelde: Dauerfrost bis -15,6°C
[27. Januar 2010]
Einer der kältesten Winter der vergangenen Jahrzehnte sorgt auch weiterhin für eisige Schlagzeilen. Nach einigen wenigen Tagen mit leichter Milderung und Tageshöchstwerten von bis zu 5,6°C am 18. Januar, befinden sich die Quecksilberstände seit dem 21.01. bereits wieder durchweg im Minus und in einer rasanten Talfahrt. Nach einem Tiefstwert von -11,5°C am 25.01., wurden in den vergangenen zwei Nächten sogar Temperaturen von -15,2 bzw. -15,6°C erreicht. Die beiden Messstellen knapp über der geschlossenen Schneeoberfläche meldeten sogar Eisschrankwerte von knapp -20°C. Mit dieser ganz großen Kälte ist es nun vorerst allerdings vorbei. Nicht jedoch mit den winterlichen Verhältnissen: Bereits in diesen Stunden rollt von Norden eine kräftige, sogenannte “maskierte” Kaltfront heran, die zwar eine Milderung und nur noch moderat frostige Temperaturen, dafür aber auch zum Teil kräftige und ergiebige Schneefälle mit sich bringt. Mit sehr unangenehmen Folgen für den Straßen- und evtl. auch Bahnverkehr muss also in den nächsten Tagen wieder gerechnet werden.
Dezember 2009: Zu kalt, niederschlagsmäßig normal
[16. Januar 2010]
Nach einem extrem milden November 2009 stellt sich an dieser Stelle nun die Frage: Wie ging es im letzten Monat des Jahres und gleichzeitig ersten Wintermonat der Saison witterungstechnisch weiter? Konnte sich die milde Luft weiterhin halten?
Nein, so lautet die eindeutige Antwort. Zwar begann auch der Dezember zunächst weitgehend unverändert, entwickelte dann jedoch eine markante zeitliche Dreiteilung: Nach einer milden ersten Monatsdekade (01.-10.12.) mit Tagesmitteln zwischen 1,4 und beachtlichen 9,6°C, sanken die Werte zur Monatsmitte kontinuierlich unter den Gefrierpunkt und erreichten am 19. Dezember nach einem heftigen Kaltluftvorstoß den tiefsten Stand seit vielen Jahren mit einem Mittelwert von sage und schreibe -12,5°C und einer Tagesspitze von nur knapp über -10°C! Ebenso schnell ging es danach zu Beginn der dritten Dekade wieder aufwärts, die dann Tagesmitteltemperaturen von meist um 0°C brachte. Lediglich am 25., 26. und 27.12. erreichte das Quecksilber infolge des typischen “Weihnachtstauwetters” durch atlantischen Tiefdruckeinfluss Werte im zum Teil deutlichen Plusbereich.
Insgesamt fiel der Dezember mit einem Monatsmittel von 1,6°C trotz des milden Beginns dennoch am Ende um immerhin 0,8 K zu kalt aus (Mittel 1961-1990 Station Münster/Osnabrück: 2,4°C) und brachte in der zweiten Monatshälfte zum Teil hochwinterliche Temperaturverhältnisse mit strengen Frösten. Der absolute Tiefstwert wurde am 19. Dezember mit -16,7°C registriert. Knapp über der frisch gefallenen Schneedecke wurden sogar eisige -22,9°C erreicht! Dem gegenüber stand ein Spitzenwert von immerhin 11,4°C, den die Messgeräte am Nikolaustag verzeichneten. Von 31 möglichen wurden an 18 Tagen Tiefstwerte unter dem Gefrierpunkt registriert (“Frosttage”), an 7 Tagen blieb auch der Höchstwert unter Null (“Eistage”). Vom 16.12. bis in die Nacht auf den 22.12. herrschte sogar durchgehender Dauerfrost.
Fast exakt den gemittelten Vergleichswert der Jahre 1961-1990 traf dagegen die Niederschlagssumme im Dezember 2009 in Mettingen-Schlickelde. Mit punktgenau 80,0 Litern pro Quadratmeter fehlten schlussendlich nur noch unbedeutende 0,2 Prozent auf den entsprechenden “Normalwert” der DWD-Station Westerkappeln. Die größte 24 Stunden-Summe schaffte der 10.12. mit 17,3 Liter/m², während andererseits 8 Tage völlig trocken blieben (< 0,1 L/m²). In der ersten Monatshälfte fielen alle Niederschläge dabei durchweg als Regen, ab dem 15.12. dann fast durchweg als Schnee. Lediglich über die Weihnachtstage und z.T. noch etwas danach gingen sie durch die deutliche Milderung erneut in Regen, am Abend des 30.12. kurz auch in sehr gefährlichen Eisregen über, der besonders im Raum Osnabrück für starke Verkehrsbehinderungen sorgte. Der Hauptbahnhof Münster war sogar mehrere Tage lang weitgehend vom Fernverkehr abgeschnitten. Und ... es lag Schnee! Zehn Tage insgesamt sogar in Form einer geschlossenen Schneedecke (17.-24.12. und 30./31.12.) mit maximalen Schneehöhen von bis zu sechs bzw. am Silvestertag sogar 7 bis 8 Zentimetern. Weiße Weihnachten? ... Dazu erfahren Sie hier mehr.
Die weiteren Daten vom Dezember 2009 im Überblick: Mittl. Relative Luftfeuchte 89,3 % (+2,8 %), Mittl. Luftdruck 1007,3 hPa (-7,4 hPa!), Mittl. Windgeschwindigkeit 10,1 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 39,6 Std. (-0,3 %)
Erste Januarhälfte rekordverdächtig kalt
[15. Januar 2010]
Mitte des Monats, Zeit für eine kleine Zwischenbilanz: Wie nicht anders zu erwarten war, fällt die bisherige Auswertung der Temperaturaufzeichnungen ziemlich eindeutig aus. So berechnet sich der Durchschnitt aller bisherigen 15 Tagesmittel zu genau -2,8°C. Berücksichtigt man den Normalwert der Periode 1961-1990 für den (allerdings gesamten!) Monat Januar in unserer Region von +1,2°C, so ergibt sich derzeit für Schlickelde in der ersten Monatshälfte eine negative Abweichung von rekordverdächtigen 4,0 K. Noch kälter dürften lediglich die ersten zwei Januarwochen des Jahres 1997 gewesen sein, während derer die Werte zum Teil auf absolute Minima von bis zu -22°C sowie Tageshöchstwerte von zeitweise deutlich unter -10°C (-14,6°C am 01.01.97) absackten. Vergleichbare Tagesmittelwert-Berechnungen aus Schlickelde existieren aus diesem Zeitraum jedoch leider keine.
“Daisy” blieb lahme Ente
[11. Januar 2010]
Während besonders der Nordosten des Bundesgebietes in den vergangenen 48 Stunden vielerorts im heftigsten Schneesturm seit Jahrzehnten versank, erwies sich Unwettertief “Daisy” im Mettinger Land erwartungsgemäß eher als “lahme Ente”. Zwar sorgten Spitzenböen bis 46,1 km/h gestern und vor allem vorgestern besonders auf weitläufig freien Flächen für teils erhebliche Schneeverwehungen und so manch unklaren Straßenverlauf. Die Neuschneemengen blieben jedoch im Bereich einiger weniger Zentimeter und verhinderten somit Schlimmeres. Durch zum Teil unnötig überzogene “Panikmache” der Medien im Vorfeld passten die Autofahrer zudem ihre Fahrweise meist rasch den schwierigeren Bedingungen an.
284 Stunden Dauerfrost
[11. Januar 2010]
Das “Plus”, da ist es wieder! Erstmals seit den frühen Morgenstunden des 30.12. und damit auch zum ersten Mal im neuen Wetterjahr stieg die Messwertkurve der offziellen Schlickelder Lufttemperatur (2 Meter Messhöhe) in der vergangenen Nacht nach insgesamt 284 Stunden und drei Minuten Dauerfrost am Stück wieder zaghaft ins Plus, genauer ... 0,2°C ins Plus. Und bei diesem frühen Tageshöchstwert blieb es dann auch, denn bereits wenig später ging´s schon wieder abwärts in den Frostbereich. Neuer Rekord? Keineswegs, denn diesen hält noch immer unangefochten der Winter 1996/1997 mit insgesamt 22 Tagen (21.12.-11.01.) unter Null. (Foto: Dick bereifter Ginsterstrauch am Gipfel der Ibbenbürener Rudolfshalde in ca. 200 m Höhe ü. NN)
15 Jahre Mettinger Wetter
[09. Januar 2010]
“Bedeckt, zeitweise Regen, Eisregen” ... so steht es geschrieben im Wettertagebuch unter dem Datum des 9. Januar. Gemeint ist jedoch nicht etwa der heutige 09.01., sondern der 09.01.1995. Genau an diesem Tag begannen die Wetterbeobachtungs-Aufzeichnungen in Mettingen-Schlickelde, die bis heute lückenlos weitergeführt wurden. 15 Jahre Mettinger Wetter ... morgens bis abends, Tag für Tag, jahrein jahraus. Fielen die Notizen damals zu Beginn zunächst noch sehr kurz und eher unpräzise aus, weitete sich der Umfang der personellen Augenbeobachtungen (und nur diese sind hier gemeint) Jahr für Jahr weiter aus. So hieß es genau fünf Jahre später bereits:
“Bis mittags leicht bewölkt bis wolkenlos (mittelhohe Schicht, vor allem im Osten, Stratus), morgens Reif. Mittags plötzlich Stratus-Aufzug und recht dichter Nebel. Dann nachmittags wechselnd wolkig bis bedeckt (hauptsächlich Hochnebel) und dunstig bis neblig. Kaum Wind. Am Abend Nebel.”
Und der Umfang der Beobachtungen zum 9. Januar des vergangenen Jahres würde hier bereits fast den Rahmen sprengen. Strahlender Sonnenschein am Tag Ihrer Hochzeit? Dauerregen am Geburtstag Ihres Kindes? Bollerwagenwetter am 1. Mai 1995? ... Fragen über Fragen. Antworten bekommen Sie hier.
Rückschau: Das Weihnachtswetter 2009
[06. Januar 2010]
Während viele Mettinger sich in diesen Tagen vermutlich bereits ihres mehr oder weniger schön geschmückten “Weihnachtsgehölzes” entledigen, wirft die Wetterstation Mettingen-Schlickelde an dieser Stelle für die Statistik nochmals kurz einen Blick über die Schulter: Weihnachten 2009 ... wie war das eigentlich in Mettingen? Grün oder weiß, sonnig-mild oder nasskalt? Im gerade erst geschlossenen Schlickelder Wettertagebuch 2009 ist folgendes für die mehr oder minder interessierte Nachwelt festgehalten:
Heiligabend
Bis Mittag bei hohen Schleier- und Schichtwolken meist wolkig, teils auch heiter und frostig-kalt. Mittags dann zusätzlich mittelhohe Felder und meist wolkig. Am frühen Nachmittag bei mittelhohen Schichtwolken zunächst wolkig, später auch stark bewölkt. Tauwetter bei teils über +2°C! Trotzdem auf den meisten Flächen (Gärten, Felder) noch weitgehend geschlossene Schneedecke. Um 16 Uhr fast bedeckt, um 17 Uhr stark bewölkt (mittelhohe Schichtfelder). Nachfolgend am frühen Abend schon bedeckt. Auch am späten Abend weiterhin bedeckt und nach etwa 1 Uhr nachts dann leichtes Nieseln einsetzend, welches nachfolgend in leichten Regen übergeht (4 Uhr). Tiefsttemperatur: -6,5°C / Höchsttemperatur: +2,3°C / Niederschlag: 0,0 mm
1. Weihnachtstag
Nachts länger andauernder Regen. Morgens bei bedecktem Himmel dann länger trocken und zwischen 8 und 9 Uhr plötzlich unter schneller, kräftiger Windzunahme (61,6 km/h) rasanter Temperaturschub von 1,3 auf 4,4°C innerhalb weniger Minuten. Zwischen 10 und 11 Uhr fast ebenso rasch wieder Absturz auf etwas über 1°C. Mittags und nachmittags weiterhin bedeckt, stark windig, kräftiges Tauwetter bei steigenden Temperaturen und ab Nachmittag länger andauernder, teils kräftiger Regen. Gegen Abend allmählich Abtrocknung und im weiteren Verlauf auch vorübergehender Aufriss bzw. Auflockerungen. Meist aber bedeckt und weiter sehr windig! Schneelage um 20 Uhr: Nur noch Reste. Tiefsttemperatur: 0,5°C / Höchsttemperatur: 4,4°C / Niederschlag: 11,6 mm
2. Weihnachtstag
Morgens früh zunächst bei mittelhohen und tieferen Wolkenfeldern zum Teil noch wolkig bis stark bewölkt. Vormittags schon teils heiter bis leicht bewölkt und ab Mittag dann durchgehend wolkenlos bis leicht bewölkt bei deutlich milderen Temperaturen als bisher! Sehr gutes Spaziergang-Wetter bei allerdings unangenehm kaltem Wind. Abends meist wolkenlos oder fast wolkenlos, zeitweise aber auch stärkere Wolkenfelder. Nur noch winzigste Schneerestchen an wenigen Stellen. Tiefsttemperatur: 1,9°C / Höchsttemperatur: 7,3°C / Niederschlag: 0,8 mm
Doch genug der vielen Worte ... Lasst Bilder sprechen: Weihnachtszeitraffer Wettercam (auch in High Quality, 54,5 MB)
Schlickelde wird “eingewintert”
[02. / 03. Januar 2010]
Nach den Schneefällen der vergangenen Tage, die das Mettinger Land nach einer nur kurzen “grünen” Phase zwischen Weihnachten und Silvester erneut in ein kleines Wintermärchen verwandelt hatten, sorgten länger andauernde Schneefälle in den heutigen Abendstunden für eine regelrechte “Einwinterung” Schlickeldes. Ergab die Schneehöhenmessung um 20 Uhr noch einen Wert von etwa 8 Zentimetern, so verschwand die Messlatte um 23.30 Uhr bereits satte 13 bis 14 Teilstriche in der extrem luftig-lockeren Pulverschicht. Schon jetzt könnte der Winter 2009/2010 als einer der “winterlichsten” überhaupt in die Geschichte der Station eingehen. Ein durchgreifendes Ende des derzeitigen Witterungscharakters ist nämlich selbst bis zum Ende des Vorhersagezeitraumes bislang nicht in Sicht. Vielmehr besteht in den kommenden Tagen zunehmend die Gefahr nächtlichen Aufklarens, so das weiterhin Dauerfrost und teils strenge Nachtfröste zu erwarten sind.
Update 03.01.10: Schlickelde ... ein Wintermärchen! Nach den Schneefällen des gestrigen Abends und der vergangenen Nacht, präsentierte sich das Mettinger Land heute unter 13 bis 16 Zentimetern Schnee als perfekte Winterlandschaft und lud bei zeitweiligem Sonnenschein und nachmittäglichen Höchstwerten bis -3,5°C zu einem sonntäglichen Foto- oder Videostreifzug ein. Ein kleiner Film mit einigen Impressionen von heute ist hier zu sehen.
Neues Jahr, neues Design
[01. Januar 2010]
Alle Texte formatiert, alle Links neu geknüpft ... Pünktlich zum Start in ein neues Wetterjahr präsentiert sich die Webseite der Wetterstation Mettingen-Schlickelde heute zum ersten Mal im neuen, überarbeiteten Outfit. Sowohl Seitennavigation als auch Design wurden heutigen Verhältnissen angepasst, klarer strukturiert und vereinfacht. Sollte es hier und da evtl. noch den einen oder anderen kleinen Fehler geben, so bitte ich um Nachsicht. Was noch nicht passt, wird passend gemacht!
Damit wünsche ich dem ganzen Leserkreis nun ein frohes, gesundes und erfolgreiches neues (Wetter-) Jahr 2010 und bedanke mich recht herzlich für das große Interesse an den Inhalten dieser Seiten in den vergangenen 365 Tagen. Knapp 90.000 Seitenaufrufe, fast 25.000 Einzelbesucher sowie unzählige Mails und Anfragen sprechen eine klare Sprache. Vielen Dank!
Andre Hergemöller
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