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Tonnenschwerer Wohnwagen flog 300 Meter durch die Luft

Windhose zog Spur der Verwüstung durch Ibbenbüren und Ledde

Ibb1Ibbenbüren/Tecklenburg. Nur schmal wie ein Badetuch - aber wild wie eine Furie wirbelte am Mittwochabend eine Windhose durch das Tecklenburger Land - am schlimmsten betroffen die Städte Ibbenbüren und Tecklenburg. Nach zwei Minuten war alles vorbei: "Bäume ohne Ende" seien umgerissen worden, berichtet der Leiter der Ledder Werkstätten am Waldfrieden. Auch Fensterscheiben gingen zu Bruch - glücklicherweise wurde aber niemand verletzt. Riesenglück auch für Nachbar Franz-Josef Feldkämper, dessen Grundstück wie nach einem Raketenüberfall aussah: Zwar müssen Bäume und Inventar abgeschrieben werden, auch der Firmenwagen wurde demoliert - aber die Familie ist wohlauf. Von der Nordstraße über die Bockradener Straße bis "Von der Heydt" zog sich die Schneise der Verwüstung. Ziegel wurden von den Dächern gerissen. Umgestürzte Bäume und herabfallende Äste beschädigten Autos und blockierten Fahrbahnen. Zu sieben Einsätzen Ibb5wurde die Ibbenbürener Feuerwehr gerufen. Wehrführer Heiner Löpmeier: "30 Männer waren sechs Stunden lang im Einsatz" - vollbeschäftigt mit Räumungs- und Sicherungsarbeiten. Der Leiter des Baubetriebsamtes, Werner Dirkes, hofft, dass am heutigen Freitag die schlimmsten Schäden auf dem Zentralfriedhof beseitigt sein werden. Am schlimmsten scheint Ledde betroffen. Einsatzleiter der Feuerwehr Jürgen Brönstrup: "Drei Wohnhäuser mit Wirtschaftsgebäuden wurden zerstört - Dächer, Türen und Fenster wurden weggerissen." 25 umgestürzte Bäume blockierten allein den "Oberbauer". Hier ist der Nebenerwerbslandwirt Friedhelm Mittelberg zu Hause. Er berichtet: "Es war kurz nach 20 Uhr. Plötzlich gabe es einen Knall, sämtliche Türen und Fenster wurden vom Sturm aufgerissen." Wohnhaus, Scheune und Stall sehen aus, als hätten Blitze eingeschlagen. Der Mini-Tornado hatte eine solche Gewalt, dass er Mittelbergs 350 Jahre alte Eiche fällte. Die Hauptsorge des 63jährigen Landwirts galt aber dem aufgerissenen Dach des Wohnhauses. Schon in der Nacht half ihm die Feuerwehr mit einer provisorischen Folienabdichtung. Vorbildlich setzten sich gestern Nachbarn ein, damit es Mittelbergs nicht Ibb6durchs Dach regnete. Mittelbergs Dank gilt auch der RWE Nike: Da zwei Seile der Niederspannungs-Freileitungen abgerissen wurden, waren er und ein Dutzend weiterer Haushalte ab 20 Uhr ohne Strom. Aber: "Das RWE kam sofort heraus und hat die Leitung noch in der Nacht repariert." Von der hierzulande kaum vorstellbaren Wucht einer Windhose berichtet der Maschinenschlosser Jürgen Lagemann, Ledder Dorfstraße 7: "Ich habe einen doppelachsigen Wohnwagen - gehabt. 1.500 Kilo schwer und mit einem Aufbau von 6,30 Metern." Der Caravan war plötzlich weg. Er flog über 300 Meter durch die Luft - sein Besitzer fand Einzelteile noch in einem Kilometer Entfernung.

(Original-Artikel "Ibbenbürener Volkszeitung" vom 11.09.1998)

 


 

Stadt: Keine Haftung für Schäden auf Friedhof

Ibb2Ibbenbüren. Chaotische Zustände haben die Sturmböen, die über die Stadt hinwegfegten, auf dem Zentralfriedhof verursacht. 25 zum Teil jahrhundertealte Bäume wurden entwurzelt und stürzten über Grabstätten und Wege. Teilweise wurden die Kronen aus den Bäumen herausgerissen und über viele Meter hinweggeweht. Andere wurden vom Sturm auf Dauer krummgebogen. Gestern vormittag bemühten sich die Mitarbeiter des Bauhofes, die Wege wieder freizumachen und das zum Teil über 50 Zentimeter starke Stammholz von den Gräbern zu entfernen. Die Stadt weist darauf hin, dass die Sturmböen als "höhere Gewalt" anzusehen sind. Eine Haftung durch die Stadt für Schäden, die eventuell an den Grabsteinen und Gräbern entstanden sind, ist dadurch nicht gegeben. Danach wird die Stadt gröbere Holzschäden beseitigen. Die feineren Arbeiten sollen dann von den Nutzungsberechtigten geregelt werden. Schäden an den Grabsteinen waren nach einer ersten Überprüfung nicht ersichtlich, doch ist zu vermuten, dass die Standsicherheit von einigen Steinen nicht mehr gegeben ist und sie neu befestigt werden müssen.

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(Original-Artikel “Ibbenbürener Volkszeitung” vom 11.09.1998, Freitag)

 


Falls Sie weiteres Material (Fotos, Zeitungsartikel, Augenzeugenberichte) zum Tornado von Ibbenbüren besitzen, melden Sie sich bitte bei mir.

 


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