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Windhose fegt Dachziegel auf die andere Kanalseite
Schaden geht in die Hunderttausende / Gartenhäuser und Autos beschädigt / Gelebte Nachbarschaft
Riesenbeck. Mit gewaltiger Kraft zog Samstag zur Mittagszeit eine Windhose eine Schneise der Zerstörung durch Riesenbeck. Mehr als 100 Häuser wurden teils stark beschädigt. Besonders stark betroffen war eine rund 1,5 Kilometer lange und 150 Meter breite Fläche zwischen dem Hof Schulze-Oechtering und der Dorfbrücke. "Wir saßen im Obergeschoss mit sechs Leuten zusammen, um den 50. Geburtstag eine Freundes zu feiern. Plötzlich spürten wir einen starken Sturm und als wir aus dem Fenster schauten, da sahen wir, wie die Windhose das Terrassendach vom Nachbarn rund 30 Zentimeter anhob und dann wieder fallen ließ", schildert ein Zeuge den Moment, als die Windhose gegen 11.30 Uhr durch die Kleisiedlungen bis zur Dorfbrücke jagte. Eine Frau erzählte wenig später: "Wir sahen ein Dachfenster durch die Luft fliegen. Wir haben es noch nicht wieder gefunden." An der Mozartstraße riss die Windhose das Dach eines Gartenhäuschens ab und ließ es in Nachbars Garten wieder fallen. Eine frisch gemauerte Wand stürzte wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Überall prasselten die Dachpfannen von den Dächern. Autos wurden beschädigt. Ernstlich verletzt wurde unseren Informationen nach glücklicherweise niemand. Doch der Schreck saß allen in den Knochen. "Wir schauten aus dem Fenster und sahen, wie die Bäume sich waagrecht bogen", so Bewohner der Kleisiedlung. Tonius Storck, Wehrführer der Riesenbecker Feuerwehr, schätzt die Windgeschwindigkeit auf rund 140 Stundenkilometer. Wie ein Staubsauger riss die Windhose alles an sich, was Widerstand leistete. Dachziegel wurden im Oberdorf teils auf die andere Kanalseite geschleudert. Auf der Dorfbrücke lagen überall Scherben. "So etwas habe ich in meiner 50-jährigen Praxis noch nicht erlebt", kommentierte Versicherungsfachmann Heinrich Oechtering sen.. Er meldete der AXA-Zentrale allein für seine Versicherungsnehmer einen Schaden von 75.000 Euro. Bis zum Samstagabend meldeten sich bei ihm 30 Haushalte. Er rechnet damit, dass bis zu 150 Gebäude beschädigt wurden. Die Schadensregulierung werde "schnell und unbürokratisch" über die Bühne gehen, versicherte Oechtering. Der Gesamtschaden ist noch gar nicht abzusehen, dürfte aber in die Hunderttausende gehen. Nur wenige Minuten nach dem Schrecken wurden überall die Dächer ausgebessert. - Und vor allem wurde Nachbarschaft gelebt. "Ich wusste selber nicht mehr wohin. Da sind die Nachbarn gekommen und haben bis zum letzten geholfen. Da war ich richtig froh drüber", meinte gestern eine Frau.
(Original-Artikel “Ibbenbürener Volkszeitung” vom 25.02.2002)
Weitere Infos zum Tornado von Riesenbeck finden Sie auch hier im Archiv des alten Wetterzentrale-Forums
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