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Eine Reanalyse von Andre Hergemöller
Berichte zum Tornado von Riesenbeck in chronologischer Reihenfolge:
[26. Juni 2006]
Nachdem in den Abendstunden des 25. Juni eine heftige Kaltfront mit vorderseitigem Böenkragen und nachfolgenden kräftigen Gewittern über die Mettinger Region hinweggezogen ist, erreichte am folgenden Tag eine Augenzeugenmeldung über einen eventuellen Tornado im Bereich Ibbenbüren/Schafberg/Dickenberg die Wetterstation Mettingen-Schlickelde. Darin heißt es, dass "ca. um 21 Uhr ein Tornado/Funnel über Ibbenbüren gezogen sein soll. Er soll sehr unheimliche Geräusche gemacht haben." Informationen über Vegetationsschäden "gebe es aber bisher nicht". Die "Windhose soll aber von Ibbenbüren-Schafberg Richtung Dickenberg gezogen sein."
Daher an dieser Stelle der Aufruf: Sollten Sie an jenem Abend zur besagten Zeit Beobachtungen gemacht haben, die den obigen Verdachtsfall bestätigen oder auch wiederlegen könnten, so melden Sie sich bitte bei der Wetterstation Mettingen-Schlickelde. Jeder einzelne Hinweis kann von großer Wichtigkeit sein. Nähere Informationen zur Kontaktaufnahme finden Sie hier.
[30. Juni 2006]
Nach den örtlich heftigen Gewittern, die am 25. Juni unsere Region überquert und in einigen Orten schwere Schäden verursacht hatten, laufen derzeit die Recherchen zu mehreren angeblichen Tornado-Sichtungen im Mettinger Großraum. Nach derzeitigem Stand (30.06.) kann von mindestens drei Fällen innerhalb eines 30 km-Radius um Mettingen ausgegangen werden, die bis auf weitere Erkenntnisse allerdings lediglich als "Verdachtsfälle" eingestuft werden.
Besonders betroffen war demnach an jenem Tag der Bereich Bersenbrück / Neuenkirchen. Im Zusammenhang mit der Starkregen-Gewitterzelle, die Mettingen gegen 17 Uhr nachmittags Richtung Norden überquerte, wurde wenig später über je eine Tornadosichtung aus den Orten "Rieste" (bei Neuenkirchen) und Bippen (ca. 8 km nordöstlich von Fürstenau) berichtet. Während hier in beiden Orten teilweise schwere Schäden verursacht wurden, gibt ein dritter Verdachtsfall derzeit noch immer große Rätsel auf.
Ein Ibbenbürener berichtete demnach über die Sichtung einer "Windhose", die noch am selben Tag im Zuge der abendlichen Böenfront von Ibbenbüren über den Schafberg Richtung Dickenberg gezogen sein soll und "sehr unheimliche Geräusche gemacht" habe. Aufgrund bislang nicht gemeldeter Schäden ist bei diesem Verdachtsfall vermutlich eher von einer sogenannten "Funnelcloud", einem Tornado ohne Bodenkontakt, auszugehen.
Besonders interessant: In einer Videodokumentation, die an jenem Abend an der Wetterstation Mettingen-Schlickelde aufgenommen wurde, sind tatsächlich auffällige Wolkenstrukturen zu erkennen, die den Verdacht einer "Funnel" erhärten könnten. Sowohl die Aufnahmerichtung (Ibbenbüren) als auch Aufnahmezeitpunkt (20.50 Uhr) und Zugrichtung der Wolkenformation (Nord bis Nordwest) stimmen im Video exakt mit den Angaben des Augenzeugen überein. Auch wurde von Schlickelde aus in der entsprechenden Himmelsrichtung zu jenem Zeitpunkt eine hohe Gewitteraktivität beobachtet (Quelle: Wettertagebuch der Wetterstation). Die Bildanimation (Klick auf das Bild) aus dem Originalvideo wurde aufgrund einer besseren Darstellungsqualität nachträglich deutlich kontrastverstärkt.
Weiterhin gilt der Aufruf an eventuelle Augenzeugen des mutmaßlichen Tornados, zwecks genauerer Aufklärung sich mit der Wetterstation Mettingen-Schlickelde in Verbindung zu setzen. Entsprechende Kontaktangaben finden Sie hier auf der Internetseite unter "Tornados".
[02. Juli 2006]
Nachdem genauere Details zu den drei mutmaßlichen Tornadosichtungen (Ibbenbüren, Rieste, Bippen) vom 25. Juni in der Mettinger Umgebung bislang noch fehlten, wurde zumindest der Verdachtsfall von Ibbenbüren mit großer Unterstützung zahlreicher Augenzeugen-Anrufe, die am vergangenen Samstag bei der Schlickelder Wetterstation eingingen, inzwischen eindeutig bestätigt. Weiterhin unklar bleibt zunächst allerdings, ob der Tornado im Verlauf seiner Zugbahn zumindest zeitweise Bodenkontakt herstellen konnte (bisher noch keine zugehörigen Schadensmeldungen) oder lediglich als "Funnelcloud" (Tornado ohne Bodenkontakt) einzustufen ist. Desweiteren ergaben sich größere Änderungen bezüglich der Ortsangabe. Den eigentlichen Raum Ibbenbüren / Dickenberg dürften demnach wohl nur die letzten Reste des Wirbelsturms erreicht haben, während dessen Hauptzugbahn im Bereich zwischen Emsdetten und Riesenbeck verlief.
Mindestens zwei Augenzeugen aus Emsdetten und Riesenbeck konnten, unabhängig voneinander, eine genaue Beschreibung des "Wolkentrichters" sowie von dessen Rotation abgeben. Desweiteren existieren (vermutlich mehrere) Fotobeweise, von denen der Wetterstation Mettingen-Schlickelde bislang einer vorliegt.
Da zur Zeit immer wieder weitere Augenzeugenberichte eintreffen und somit erst in den nächsten Tagen mit einer detailierten Verlaufsrekonstruktion des Ereignisses begonnen werden kann, wird ein ausführlicher Bericht zum Tornado/Funnel von Emsdetten/Riesenbeck voraussichtlich in ein bis zwei Wochen hier auf der Internetseite erscheinen.
[17. Juli 2006]
Der Funnel/Tornado von Emsdetten/Riesenbeck
(Eine Reanalyse von Andre Hergemöller)
Lange Zeit blieb die Meldung nicht mehr als ein Gerücht, durch mehrere Augenzeugenberichte ist es inzwischen aber zur Gewissheit geworden: Im Raum Emsdetten/Riesenbeck bildete sich im Rahmen einer kräftigen Gewitterlinie in den Abendstunden des 25. Juni 2006 eine "Funnelcloud" (Trichterwolke = Tornado ohne Bodenkontakt) bzw. ein Tornado aus, der an jenem Abend von mehreren Menschen unabhängig voneinander beobachtet werden konnte. Dieser Bericht, der erst mit großer Unterstützung durch zahlreiche Augenzeugen-Schilderungen erstellt werden konnte, soll den derzeitigen Stand der Ermittlungen wiedergeben und ein wenig zur Aufklärung beitragen, was sich am besagten Abend am Himmel über dem nördlichen Kreis Steinfurt zugetragen hat. Vielmals bedanken möchte ich mich an dieser Stelle nochmals bei der "Ibbenbürener Volkszeitung" für die rasche Veröffentlichung meines Augenzeugen-Aufrufs, in dessen Folge bis heute insgesamt 11 Anrufe und Emails bei mir eingegangen sind. Ohne dieses unerwartet große Echo aus der Bevölkerung wäre der vorliegende Bericht vollkommen unmöglich gewesen. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle auch nochmals an alle Anrufer und Emailschreiber, die mit ihren Beobachtungen Stück für Stück das heutige Verlaufsbild der Ereignisse zusammengefügt haben. Bleiben Sie bitte auch in Zukunft weiterhin so aufmerksam!
Alles begann am Abend des 25. Juni, als sich nach einer Tageshöchsttemperatur von 29,3°C in Mettingen-Schlickelde im Rahmen einer Kaltfrontpassage gegen 20.30 Uhr eine geschlossene Gewitterlinie, teils mit schön ausgeprägtem Böenkragen an der Vorderseite, von Südsüdwesten dem nördlichen Kreis Steinfurt näherte. In der folgenden Radarbilder-Übersicht (Quelle: www.wetteronline.de) ist der Aufzug dieser “Squall-Line” schön zu erkennen.
Martin Hannemann, ein Augenzeuge aus Emsdetten, befand sich zu jenem Zeitpunkt mit seinem Auto gerade auf dem Weg über die L 590 von Emsdetten-Sinningen über Veltrup nach Riesenbeck (Nr.1 in Übersichtskarte).
Hier sein Bericht:
"Zu 20.35 - 20.55 Uhr (insgesamt) ca. bildete sich der erste Funnel, respektive Versuch über Emsdetten-Sinnigen (Emsbrücke) bei der Gaststätte Behrens. In meiner Karte (links, zum Vergrößern Anklicken) ist dies ganz unten links. Es war erst wie gesagt ein Versuch der sich schnell zurück gebildet hat, ich gehe eher von ausgeprägten Wolkenfetzen aus. Dann aber bildete sich der definitive Funnel erneut und hatte aus meiner Sicht auch lange Bestand. Die ganzen Freunde und die Familie staunten ja auch nicht schlecht. Da ich bei Verwandten eingeladen war fuhr ich dann auch schnell los und befand mich immer unmittelbar hinter dieser sogenannten oder seitlich der Superzelle. In Höhe Veltrup/Riesenbeck bei Surenburg war er dann sehr gut zu erkennen.
Voran an dieser Gewitterzelle zog sich ein derbes Regen und Hagelband und rückwertig bildete sich der Funnel. Er sah ebenfalls sehr schief aus, so dass man den Eindruck bekam die Zelle wäre zu schnell und das Ende des Funnels würde hängenbleiben, also diagonal am Ende der Zelle runterfallen. Als ich in Birgte (ein Ortsteil von Riesenbeck) angekommen war, war der Funnel am besten zu sehen. Leider bestand aufgrund des Waldes für mich keine Möglichkeit das Schlauchende oder den Boden zu sehen. Es setzte auch binnen Sekunden erneut heftiger Starkregen (wie aus Eimern) ein. Das ganze dauerte ca. 10 Minuten, dann folgte aus Südwest kommend der schöne Himmel mit Sonnenschein und Windstille.
Es war schon sehr aufregend, da ich die Tage vorher mit meiner Familie im Urlaub an der Nordsee sogar eine Wasserhose bei Bensersiel beobachten und fotografieren konnte."
Um genau 20.47 Uhr konnte Herr Hannemann mit seinem Handy von der L 590 aus (kurz vor der Surenburg) mit Blickrichtung Nordost nebenstehendes Foto vom Funnel/Tornado aufnehmen.
Bis heute (Stand 17. Juli) ist dies der einzige bekannt gewordene fotografische Nachweis. Eine weitere Sichtungsmeldung liegt dagegen direkt aus Riesenbeck vor: Familie Keller aus Riesenbeck (Nr. 2 in Übersichtskarte) bestätigte der Wetterstation Mettingen-Schlickelde gegenüber, unabhängig vom ersten Augenzeugen, die Beobachtung eines "deutlichen Wolkentrichters". Eine Rotation hätten sie zwar nicht eindeutig erkennen können, doch sei der Trichter auffällig glatt strukturiert und für mindestens 30 Sekunden am Himmel sichtbar gewesen. Bis zu diesem Zeitpunkt bzw. Augenzeugen-Standort ist die Zugbahn des Funnels/Tornados, der (zumindest zeitweise oder durchgehend) deutlich sichtbar war, also gut dokumentiert bzw. beobachtet worden, so dass der Verlauf bis hierhin als gesichert gelten darf.
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Nicht mehr hundertprozentig aufklärbar ist dann, was ab der letzten Sichtung um etwa 21 Uhr vom Standort Riesenbeck aus gesehen mit dem Funnel/Tornado weiterhin geschah. Die allererste Augenzeugen-Schilderung, die bereits einen Tag nach den Ereignissen bekannt geworden war, war von einer weiteren Zugbahn nach Norden Richtung Dickenberg ausgegangen. Eine weitere Augenzeugin, die sich dort gegen 21 Uhr mit hervorragender Gebietsübersicht im Gipfelbereich der Bergehalde Rudolfsschacht (ca. 190m ü. NN, unmittelbare Nähe Dickenberg) aufgehalten hatte, berichtete von starkem Regen und 2 €-Stück großen Hagelkörnern, allerdings keinerlei Anzeichen für einen Wolkentrichter. Da sie sich nachfolgend aus verständlichen Gründen aber in Sicherheit brachte, bekam sie allerdings auch nur die Vorderseite der Böenfront bzw. der Hagelzelle zu sehen. Die entsprechende Rückseite, in der sich der Funnel/Tornado bildete, bekam sie nicht mehr mit. Trennt man sich von dieser Theorie der weiteren Zugrichtung Norden, werden zwei weitere Meldungen interessant, die nun erstmals auch Schäden am Boden in den Fall einbringen. Ob diese im direkten Zusammenhang mit dem Funnel/Tornado stehen könnten, ist schwierig zu beurteilen und wird auch wohl nie mehr eindeutig aufgeklärt werden können.
Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang eine Meldung, die von Familie Brügge aus Ibbenbüren (Riesenbecker Postweg) eintraf (Nr. 3 in Übersichtskarte). Um kurz nach 21 Uhr, zeitlich also sehr gut in den weiteren Ablauf nach etwa 20.55 Uhr hineinpassend, habe Frau Brügge ganz plötzlich "sehr heftige Windböen" beobachtet, die einen Zelt-Pavillion (fest mit Schrauben verankert) sowie einen Strauch regelrecht umgeknickt hätten, während sämtliche Nachbargrundstücke vollkommen verschont geblieben seien. Eine genaue Beschreibung der Böen sei aber sehr schwierig: "Irgendwie im Kreis", obwohl sie einen Wirbel oder eine "Windhose" an sich eigentlich nicht beobachtet habe. Es sei alles sehr plötzlich passiert und innerhalb ganz kurzer Zeit schon wieder vorbei gewesen. Eine weitere Schadensmeldung stammt von Herrn Kölker aus dem Raum Laggenbeck: Im Aatal, in der Nähe der Gastwirtschaft "Holtkamp´s Deele" (Nr. 4 in Übersichtskarte), seien auf beträchtlicher Länge große Mengen kleiner Äste von den Bäumen gerissen worden sowie zwei oder drei Bäume vollständig umgerissen (abgebrochen oder entwurzelt) worden. Diese Schäden waren allerdings bei der Kontaktaufnahme bereits weitgehend beseitigt. Mit der Kenntnis im Hinterkopf, dass beide Schadensmeldungen eben evtl. auch sehr gut auf "Downbursts" zurückzuführen sein könnten, würden sich damit möglicherweise mindestens zwei Bodenkontakte und ein Abdrehen des Funnels/Tornados unmittelbar am Teutoburger Wald Richtung Osten ergeben. Mike Henschel (Nr. 5 in Übersichtskarte) berichtet in diesem Zusammenhang von der Beobachtung eines "flachgelegten" Wolkenschlauchs, der also nahezu horizontal gelegen habe, in Blickrichtung Südost bis Ost (also etwa Richtung Aatal / Laggenbeck) um etwa 21 Uhr. Decken würde sich dies recht gut mit der anfangs erwähnten Beobachtung von Martin Hannemann, der in seinen Beobachtungen ebenfalls von einer recht deutlichen Schieflage des Trichters/Schlauches sprach. Auch Herr Henschel, Mitglied der Feuerwehr Ibbenbüren, konnte desweiteren die oben erwähnten Schäden im Aatal bestätigen.
Fazit: Im gesamten Zugbereich von Emsdetten-Sinningen über Riesenbeck-Birgte hinweg bis etwa in das Gebiet der Sommerrodelbahn Ibbenbüren lässt sich der Funnel/Tornado durch unabhängige Beobachtungen von Herrn Hannemann und Familie Keller (Riesenbeck) bzw. ein Beweisfoto (ebenfalls von Herrn Hannemann) eindeutig bestätigen.
Der nachfolgende Verlauf ist und bleibt voraussichtlich unklar. Wahrscheinlicher als eine, zunächst vermutete, nördliche Zugbahn sowie eine Auflösung des Funnels/Tornados ist ein mögliches Abdrehen Richtung Osten mit mindestens zwei möglichen Bodenkontakten (Schäden, auch durch Downbursts erklärbar) bei zunehmender Schieflage bis hin zur Horizontalen mit nachfolgender Auflösung. Es muss ausdrücklich betont werden, dass dieser weitere Zugverlauf eher auf Vermutungen beruht und bis auf weiteres nicht mehr eindeutig belegt werden kann.
[30. Juli 2006]
Genau fünf Wochen nach der durch mehrere Augenzeugen und ein Handyfoto belegten Bildung eines Tornados bzw. Funnels (Tornado ohne Bodenkontakt) im Bereich zwischen Emsdetten und Riesenbeck hat sich nun ein weiterer Augenzeuge bei der Wetterstation Mettingen-Schlickelde gemeldet. Lars Schneebeck aus Ibbenbüren-Bockraden konnte von seinem Wohnhaus in der Nelkenstraße (Nr. 6 in Übersichtskarte) (Nähe Gaststätte Rohlmann) den imposanten Wolkenschlauch des Tornados/Funnels am Abend des 25. Juni ebenfalls beobachten. Er berichtet von einem "sehr deutlichen, unheimlich beeindruckenden Wolkentrichter bzw. -schlauch und deutlich hörbaren Geräuschen, ähnlich einem entfernten Gewitterdonner, aber länger anhaltend". Der Wolkenschlauch habe eine "deutliche Schräglage von oben links nach unten rechts" aufgewiesen und "recht weit Richtung Boden herabgereicht". Er sei zunächst "in etwa westlicher Richtung (Püsselbüren/Dickenberg) sichtbar gewesen und dann in Richtung Norden weitergezogen". Im Bereich der "Bergehalde Rudolfschacht (nordöstlich von Dickenberg) habe er sich dann wahrscheinlich aufgelöst oder sei durch dichten Regen zumindest nicht mehr sichtbar gewesen".
Damit dürfte es nun als gesichert gelten, dass der Tornado/Funnel nicht, wie zunächst aufgrund der Schadensbeobachtungen in Laggenbeck vermutet, vom Raum Riesenbeck Richtung Osten abgedreht ist. Dies ist auch aufgrund der weiterhin nördlichen bis nordöstlichen Gewitterzugbahn kaum möglich. Vielmehr dürfte sich die Trombe nach ihrer ersten Sichtung in Emsdetten weitgehend geradlinig über den Raum Riesenbeck/Ibbenbüren-Schierloh hinweg Richtung Nordnordosten fortbewegt, den Teutoburger Wald überquert haben und sich nach weiterer nordnordöstlicher Zugbahn über den Raum Dickenberg hinweg irgendwo im Bereich der Bergehalde Rudolfschacht aufgelöst haben. Zumindest ist der Wolkentrichter/-rüssel nach derzeitigem Kenntnisstand nachfolgend nicht mehr beobachtet worden.
Der Aufruf an evtl. Augenzeugen, sich mit möglichen weiteren Hinweisen bei dem Betreiber dieser Internetseite zu melden, bleibt natürlich unbefristet auch weiterhin bestehen.
[05. August 2006]
Durch mehrere, voneinander unabhängige Augenzeugen-Schilderungen lässt sich, fast sechs Wochen nach dem eigentlichen Ereignis, die Zugbahn des Funnels/Tornados von Riesenbeck heute recht gut rekonstruieren: Nach seiner Bildung bzw. der ersten Sichtung über Emsdetten Sinningen, zog die Trombe unter zumindest zeitweiliger, möglicherweise aber auch durchgehender Sichtbarkeit der zugehörigen Gewitterzelle folgend in nordnordöstlicher Richtung weiter, überquerte im Raum Riesenbeck/Birgte, zeitweise recht weit Richtung Erdboden hinabreichend, den Teutoburger Wald und setzte ihren Weg, nun vermutlich mit einer ganz leichten Linkskurve, etwa über die Ortschaften Püsselbüren und Dickenberg hinweg bis zur "Bergehalde Rudolfsschacht" (knapp nordöstl. von Dickenberg) fort, aus deren Bereich die letzte Augenzeugensichtung stammt.
Fraglich bleibt allerdings, ob die Trombe zumindest örtlich und zeitweise Bodenkontakt herstellen konnte. Größere Schadensmeldungen aus der (abschnittweise allerdings sehr dünn besiedelten) Zugbahn des Funnels/Tornados blieben bis heute aus. Lediglich eine Meldung, die noch dazu aus einem Bereich stammt, der exakt auf dem oben rekonstruierten Weg der Trombe liegt, deutet doch auf einen möglichen "Touchdown" hin. Familie Brügge aus Ibbenbüren-Schierloh (Riesenbecker Postweg 58) berichtete in diesem Zusammenhang von "ganz plötzlich auftretenden, sehr heftigen Windböen", die "um kurz nach 21 Uhr" (also zeitlich hervorragend in den Ablauf passend) einen Zelt-Pavillion (fest mit Schrauben verankert) sowie einen Strauch "regelrecht umgeknickt" hätten, während "sämtliche Nachbargrundstücke vollkommen verschont geblieben" seien. Eine genaue Beschreibung der Böen sei aber sehr schwierig: "Irgendwie im Kreis", obwohl sie einen Wirbel oder eine "Windhose" an sich eigentlich nicht direkt beobachtet habe. Es sei alles sehr plötzlich passiert und innerhalb ganz kurzer Zeit schon wieder vorbei gewesen. (Eigene Anmerkung: Auch ein Tornado, der rein optisch beispielsweise nur zu zwei Dritteln Richtung Erdoberfläche herabreicht, kann Bodenkontakt besitzen und dort Schäden verursachen.)
Zumindest zwei der Augenzeugen berichten außerdem, dass der Wolkenschlauch doch wohl recht weit Richtung Boden hinabgereicht habe. Genauere Angaben waren aus sicher verständlichen Gründen, vor allem auch durch Horizont überhöhenden Bewuchs im Vordergrund, nicht möglich. Wie auf dem Handyfoto von Herrn Hannemann zu sehen ist, dürfte der Wolkentrichter (im Gegensatz zu vielen sehr schmalen Wolkenschläuchen, die in den vergangenen Jahren über Deutschland gesichtet wurden (z.B. Kreinitz-Tornado)) direkt an der Wolkenbasis eine recht beachtliche Breite besessen haben (sehr ausgeprägte Trichterform!). Dazu ist auf der Internetseite des "TorDACH"-Netzwerkes (www.tordach.org) folgende "Faustregel" zu finden:
"Handelt es sich um einen recht weit von der Wolkenbasis herabhängenden Trichter, der an der Wolkenbasis zudem eine relativ große Breite aufweist, dann wird der Luftwirbel meist Bodenkontakt haben, und es handelt sich eher um einen schwachen Tornado. Wolkentrichter, bei denen der Luftwirbel keinen Bodenkontakt hat, sind dagegen oft sehr dünn und kurz."
Zusammen mit den Beobachtungen von Familie Brügge (trotz nicht direkt sichtbarem Rüssel "irgendwie im Kreis") geht der Autor daher davon aus, dass ein (nicht zwangsläufig auch optischer) Bodenkontakt im Falle des Funnels von Riesenbeck durchaus bestanden haben könnte und die Trombe somit letztendlich evtl. als Tornado eingestuft werden kann. Mit absoluter Sicherheit klären lässt sich dies allerdings nicht mehr.
Andre Hergemöller - Mettingen, den 06. August 2006
Weitere Infos: Zur Gewitterfront und den Tornadoverdachtsfällen vom 25. Juni 2006 existiert eine sehr detallierte und lesenswerte Radar-Analyse des Meteorologen Jan Hoffmann. Weitere Informationen zu den meteorologischen Ereignissen jenes Tages in unserer Region können Sie hier nachlesen. Zahlreiche Berichte und Analysen zu den insgesamt 10 deutschen Tornado-Verdachtsfällen vom 25.06.2006 finden Sie auch in der Tornadoliste von Thomas Sävert unter dem entsprechenden Datum.
Falls Sie weiteres Material (Fotos, Zeitungsartikel, Augenzeugenberichte) zum Tornado/Funnel von Riesenbeck besitzen, melden Sie sich bitte bei mir.
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