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Monatsdatenübersicht September 2010
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Tmin
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T5cm(u)
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T5cm(G)
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Nied24
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QFF12
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Wmax
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01.09.2010
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17,6
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9,8
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7,7
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6,3
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0,0
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1021,1
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21,2
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02.09.2010
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17,5
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8,2
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6,2
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4,5
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1,0
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1020,3
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18,0
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03.09.2010
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17,6
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8,0
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5,9
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4,4
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5,2
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1021,8
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15,5
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04.09.2010
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05.09.2010
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09.09.2010
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24.09.2010
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25.09.2010
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26.09.2010
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27.09.2010
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28.09.2010
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29.09.2010
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30.09.2010
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>>> Monatsdatenübersicht August 2010 <<<
Weitere Daten erhalten Sie gerne auf Anfrage.
August 2010: Normal temperiert und rekordnass
[03. September 2010]
Letzte laue Sommernächte, bis zu 28°C in der Spitze, aber auch frühherbstliches Schmuddelwetter, wenig Sonne und ... viel Regen. All das, bunt vermixt, machte den August 2010 in Mettingen aus, auf den wir nun an dieser Stelle nochmals genauer zurückblicken.
Recht einfach und unspektakulär fällt die Temperaturbilanz der letzten 31 Sommertage des Jahres aus. Mit einem Wert von 16,7°C traf der Durchschnitt der Temperaturkurve im August 2010 punktgenau den 30jährigen Sollwert der Region, ermittelt am Flughafen Münster/Osnabrück in den Jahren 1961-1990 zu ebenfalls 16,7°C, so dass der Monat in seiner Gesamtheit als absolut typisch temperiert gelten darf. Mit 27,9°C wurde der absolute Gipfel am 20. August erreicht, der maximale Tiefpunkt dagegen in den frühen Morgenstunden des 30.08. mit 6,2°C (2,6°C am Erdboden). Insgesamt sieben Tage erreichten mit über 25°C den Titel “Sommertag”, hochsommerliche Hitze gab es dagegen keine mehr. Im Gegenteil: Besonders in der letzten Augustwoche rutschten die Tageswerte durchweg deutlich unter die 20°C-Marke. Dennoch: Auch laue Sommerabende gab es noch zu genießen. Beispielsweise am 21.08., dem mit einem Minimum von 18,3°C die siebtwärmste Nacht folgte, die seit Messbeginn 1989 jemals noch nach einem 20. August beobachtet werden konnte.
Das große Thema im August 2010 war jedoch ein ganz anderes: Der Regen. Hielten sich die ersten 14 Tage diesbezüglich noch deutlich zurück, so folgte danach eine Petrus´sche Wasserschlacht, wie sie auch in der Schlickelder Aufzeichnungsgeschichte ihresgleichen sucht. Müssen die Doppel-19er am 15. und 16.08. aus heutiger Sicht noch als “Übungsregen” angesehen werden, so folgte in den Morgenstunden des 23. August der gewittrige Startdonner für eine schlicht einzigartige Niederschlagswoche. Schon an jenem Tag brachte heftiger Starkregen eine Abendleerung von beachtlichen 39,8 Litern pro Quadratmeter zustande. Nichts jedoch gegen das, was dann kam: 8,2 Liter am 25., 100,9 Liter am 26., gefolgt von 39,0 am 27., 4,8 am 28., nochmals 11,5 am 29.08. und schließlich 8,2 bzw. 2,1 Liter in den letzten beiden Augusttagen. 214,5 Liter auf jeden einzelnen Schlickelder Quadratmeter, und das innerhalb von nur 9 Tagen ... das war, ist und bleibt sicherlich auch eine ganze Weile lang absolut einzigartig in der Schlickelder Wettergeschichte der vergangenen Jahrzehnte! Zum Vergleich: Im gesamten Zeitraum vom 1. Januar bis 7. Mai diesen Jahres registrierten die Schlickelder Geräte in Summe weniger Niederschlag.
Kein Wunder, dass all das sogar dort für Unruhe sorgte, wo normalerweise ewige Ruhe herrschen sollte ... auf den örtlichen Friedhöfen, wie in Schlickelde oder Recke beispielsweise. Schlussendlich türmte sich all dieses Geschütte bis zum 31. August, 21 Uhr, auf einen surrealen Endstand von 290,7 mm Niederschlagshöhe auf. Dies entspricht fast exakt dem Vierfachen der langjährig gemittelten Normalmenge von 72,9 mm (Westerkappeln 1961-1990), die am 26.08. schon innerhalb weniger Stunden vom Himmel gestürzt war. Damit geht, neben einem neuen 24 Stunden-Niederschlagsrekord, auch der gesamte August 2010 in die Rekordliste ein ... als niederschlagsreichster Monat in Mettingen seit mindestens 37 Jahren (Platz 2: Oktober 1998, 248,6 mm / Platz 3: Juni 1981, 221,3 mm (Kläranlage Mettingen)). Dass 11 Tage dennoch gänzlich trocken blieben ist umso erstaunlicher. Die größte Niederschlagsmenge innerhalb von 10 Minuten fiel am 23.08. (13,5 L/m²), die maximale Niederschlagsintensität wurde währendessen mit 2,4 Litern pro Minute festgehalten. Gewitteraktivität wurde an sieben Augusttagen bemerkt (04./08./22./23./24./28./30.08.).
Die weiteren Monatswerte im Kurzüberblick, Abweichung vom Normalwert (falls vorliegend) in Klammern: Mittl. Relative Luftfeuchte 83,3 % (+7,8 %!), Mittl. Luftdruck 1012,8 hPa (-2,8 hPa), Mittl. Windgeschwindigkeit 7,9 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 137,2 Stunden (-29,3 %).
Jahrhundertregen über Mettingen: 140 Liter pro m²
[29. August 2010]
“Land unter” im Mettinger Land. Die schwersten Regenfälle ihrer Geschichte haben sich am vergangenen Donnerstag und Freitag (26./27.08.) auch über der Wetterstation Mettingen-Schlickelde ausgetobt und hier für nie da gewesene Messwerte gesorgt. So fielen binnen 24 Stunden-Frist zwischen Donnerstag 0 Uhr und Freitag 0 Uhr nahezu unglaubliche 115,9 Liter pro Quadratmeter vom Himmel, die den bisherigen Stationsrekord von 47,6 L/m², gemessen am 25. Juli 2000, regelrecht “pulverisierten”. Am gewaltigsten stürzten die Wassermassen am Donnerstagnachmittag herab. Allein zwischen 16 und 18 Uhr registrierten die Messgeräte am Nagelmanns Moor eine Regenrate von über 50 Litern. Insgesamt beläuft sich die Wasserbilanz des großen Regens über Mettingen am Ende auf 139,9 Liter Wasser pro Quadratmeter im Gesamtzeitraum zwischen Donnerstag 0 Uhr und Freitag 18 Uhr. Zum Vergleich: Ein typischer Monat August bringt zwischen dem 01. und 31.08. in Mettingen gewöhnlich etwa 73 Liter/m² zusammen. Damit erlebte auch Schlickelde eines der stärksten Niederschlagsereignisse in den letzten über 100 Jahren, allenfalls noch vergleichbar mit den Starkregenfällen vom 29.06.1981, die an der Mettinger Kläranlage damals beispielsweise mit 115,2 Litern zu Buche schlugen. (Foto oben: Ackerflächen an der Aa in Recke-Espel.)
 Ursächlich für die ungewöhnlich ausdauernden Starkregenfälle war eine für diesen Fall ebenso typische wie seltene Wetterlage, die man in der Meteorologie als “schleifende Front” oder auch “Fronten-Girlande” bezeichnet (siehe schematische Abbildung). Während das schmale Regenband einer Tiefdruckfront üblicherweise quer zum Frontverlauf innerhalb weniger Stunden über ein Gebiet hinwegschwenkt, bildete sich am vergangenen Donnerstag an einer regelrechten Tiefdruckkette ein kontinuierlicher Frontenverlauf in West-Ost-Richtung aus, der längs statt quer - nur wenig nach Norden oder Süden wellend - über das Land entlang strich, so dass sich dessen kräftige Niederschlagsgebiete dauerhaft über immer denselben Gebieten ausregnen konnten. Große Temperaturgegensätze auf beiden Frontseiten erhöhten deren Intensität zusätzlich und ließen besonders an der Südseite zum Teil noch eingelagerte Gewitterzellen entstehen. Eine zweite Welle folgte in der Nacht zum Freitag mit einem weiteren kompakten Regengebiet, nun aus mehr südwestlicher Richtung. Mitten im Zentrum des betroffenen Gebietes: Das nördliche Münsterland und der Kreis Steinfurt. (Abbildung Deutschland: Radarkompositkarte mit den aufsummierten Niederschlagsmengen über Deutschland zwischen 25.08. (20 Uhr) und 26.08. (20 Uhr). Quelle: Marco Eckstein / Datengrundlage WetterOnline Mitgliedschaft.)
Im abgebildeten Säulendiagramm sehen Sie den gesamten Niederschlagsverlauf an der Wetterstation Mettingen-Schlickelde von Donnerstag null bis Freitag 20 Uhr. Die aufgetragenen Messwertsäulen geben jeweils die Niederschlagssumme der vorangegangenen Stunde bis zum Messtermin an. Es handelt sich hierbei um Registrierungen des automatischen Niederschlagsmessers (Wippenprinzip), der im gesamten Messverlauf einen Endwert von 133,4 Litern pro m² aufsummieren konnte. Die Abweichung dieses Wertes zur oben genannten, manuell gemessenen Zahl ist im wesentlichen auf unvermeidbare Messtoleranzen der Auswertungselektronik sowie schwankender Oberflächeneigenschaften an der Messwippe zurückzuführen. Schön zu sehen sind in der Grafik die enormen Regenraten zwischen 16 und 18 Uhr am 26.08. aber auch schon eine längere Trockenphase und allmählich wieder nachlassende Niederschlagsaktivität im Verlauf des 27.08..
Nicht nur im Mettinger Gemeindegebiet sorgten die starken Regenfälle besonders am späten Nachmittag des 26.08. für mehr als 80 Feuerwehreinsätze aufgrund vollgelaufener Keller und überfluteter Straßen. Besonders betroffen war auch der Raum Recke sowie die Bereiche an der Alten Bockradener Straße Richtung Ibbenbüren. Zahlreiche Straßenabschnitte mussten wegen weiträumiger Überflutungen gesperrt werden und wurden erst im Laufe des Freitags wieder für den Verkehr freigegeben. Im Bereich Recke-Espel trat die Recker Aa großflächig über die Ufer und verwandelte angrenzende Feld- und Ackerflächen in eine bizarre Seenplatte. An der ebenfalls gesperrten Püttenbeckstraße in Recke ergoss sich zeitweise auf mehreren hundert Metern Länge eine wahre Flutwelle über die Fahrbahn. Der Mühlenbach am Rauhmühlenweg, normalerweise ein friedlich gluckerndes Rinnsal, tobte noch 24 Stunden nach dem Hauptregen mit lautem Getöse durch und über sein Bett hinaus, ließ selbst Kühe auf den angrenzenden Weiden verstört fast knietief im Wasser stehen. (Foto: Wohnhaus an der Püttenbeckstraße in Recke.)
Dies und mehr können Sie sich hier nochmals in einem kleinen Videozusammenschnitt ansehen. Eine kurze Diashow mit weiteren Fotos finden Sie hier. Auch ein entsprechender, zeitlich hochauflösender Zeitraffer der “Wettercam Schlickelde” ist nun hier online.
Morgendlicher Gewitterregen: 34,9 Liter/m² in 2 Stunden
[23. August 2010]
Zum Teil starke und länger andauernde, gewittrig durchsetzte Regenfälle haben in den heutigen Morgenstunden das Mettinger Land überquert und dabei so manches Gartenbeet auf die angrenzende Straße gespült.
So registrierten die Niederschlagsgeräte auf dem Schlickelder Messfeld eine zweistündige Summe von 34,9 Litern pro Quadratmeter allein im Zeitraum zwischen 8 und 10 Uhr. Die maximale Intensität betrug dabei 2,5 Liter pro Minute und wurde um 09.15 Uhr erreicht. Insgesamt fiel im Messzeitraum zwischen gestern 21 und heute 11 Uhr eine Regensumme von beachtlichen 37,6 Litern, die sich im Laufe des heutigen Tages infolge weiterer Regenfälle noch weiter erhöhen dürfte.
Regenzeit in Schlickelde
[17. August 2010]
Ausgetrocknete Böden, verbrannte Rasenflächen ... nun sind sie endgültig sommerliche Geschichte. Fast schon ein wenig herbstlich anmutende Eindrücke dominieren diese Tage im Mettinger Land: Trübes Grau, Nebel und ... Regen. Viel Regen! Insgesamt 46,1 Liter pro Quadratmeter pladderten allein in den vergangenen 72 Stunden zwischen dem 14.08. (21 Uhr) und heute abend 21 Uhr vom Himmel (manuelle Messung). Dies entspricht fast dem doppelten Wert des gesamten diesjährigen April.
Auch in den kommenden Tagen ist mit keinem nennenswerten Sommer-Comeback zu rechnen. Erst im Laufe des Wochenendes steigen die Temperaturen wieder deutlicher an, wobei uns der wechselhafte Charakter aber weiterhin erhalten bleibt.
Juli 2010: Rekordverdächtig warm, normale Niederschläge
[15. August 2010]
Zwölf “heiße Tage” mit Spitzenwerten über 30°C, fünf mal sogar Tagesmaxima über 34°C, absolute Temperaturspitze von 36,5°C, Durchschnittstemperatur von 22,8°C ... und damit der wärmste Monat aller Zeiten in Schlickelde und verbreitet in ganz Deutschland. So fällt sie aus ... nein, so hätte sie ausfallen können, die abschließende Bilanz zum Juli 2010. Wären, ja wären da nicht die letzten 8 Tage gewesen. 8 Tage nach einem regelrechten Absturz, einem Einbruch auf mittelmäßig sommerliches, ja zeitweise sogar deutlich unterdurchschnittliches Temperaturniveau zwischen dem 24. und 31.07.. Acht Tage, von denen nur mehr ein einziger die 25 Grad-Marke nochmals knapp zu sprengen vermochte. Was bleibt ist ein Hochsommermonat, dessen Zweiteilung markanter kaum hätte ausfallen können und der es dennoch mit örtlich beispiellosen Hitzewellen in die Rangliste der wärmsten Julimonate des modernen Messzeitalters geschafft hat.
Mit einer Monatsmitteltemperatur von 21,2°C, berechnet aus allen 31 Tagesmitteln zwischen dem 01. und 31.07., fährt der Juli 2010 am Ende noch eine drastische Abweichung von +4,1 K ein (Station Münster/Osnabrück 1961-1990: 17,1°C). Deutschlandweit ordnet er sich hinter seinen entsprechenden Artgenossen der Jahre 2006, 1994 und 1983 immerhin noch auf Platz vier der heißesten Julimonate seit Messbeginn im Jahre 1881 ein (Quelle: DWD). Wie bereits erwähnt, wurde die absolute Hitzespitze gleich am 3. Juli mit schweißtreibenden 36,5°C erreicht, dem zweithöchsten Wert in der Schlickelder Stationsgeschichte überhaupt. Dem gegenüber stand ein absolutes Minimum von 7,4°C, am Erdboden sogar von nur 2,8°C (!) am 25.07.. Eine in Schlickelde sehr seltene “Tropennacht”, in der die Temperaturkurve definitionsgemäß nie unter 20°C absinken darf, wurde am 11.07. mit einem Tiefstwert von 19,8°C nur knapp verfehlt. Neben den 12 heißen Tagen mit mindestens 30°C als Höchststand, erreichten respektable 20 Tage den Status eines “Sommertages” (Tmax mindestens 25,0°C).
Recht durchschnittlich dagegen die Niederschlagsbilanz: Mit einer Monatssumme von 72,2 Litern pro Quadratmeter wurde der vieljährige Normalwert für unsere Region nur um unbedeutende 1,7 Prozent überschritten (Station Westerkappeln 1961-1990: 71,0 L/m²). Zu verdanken ist diese ausgeglichene Bilanz nach der extremen Dürre des Vormonats in erster Linie dem 17.07., dessen abendlicher Unwetter- und Starkregenkomplex satte 21 Liter/m² beisteuerte. 16,2 Liter davon fielen allein innerhalb der 60 Minuten zwischen 23 und 0 Uhr, mit einer absoluten Intensitätsspitze von 3,2 Litern pro Minute. Dies entspricht einem der stärksten Niederschlagsereignisse in der Stationsgeschichte überhaupt. Neben zahlreichen weiteren 24 Stunden-Summen zwischen 2 und 10 Litern pro m², die sich über den restlichen Monat verteilten, blieben dennoch insgesamt 19 Tage mit Messwerten von unter 0,1 L/m² weitgehend trocken. Gewittertage (mindestens ein hörbarer Donner) registrierten aufmerksame Beobachteraugen- und -ohren exakt sechs an der Zahl (03./11./12./14./16./23.07.).
Die weiteren Monatsmesswerte in der Zusammenfassung (Abweichung in Klammern): Mittl. Relative Luftfeuchte 66,4 % (-8,6 %!), Mittl. Luftdruck 1015,9 hPa (-0,2 hPa), Mittl. Windgeschwindigkeit 6,9 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 271,2 Stunden (+39,9 %).
Zwischenbilanz: Juli 2010 klar auf Rekordkurs
[20. Juli 2010]
Deutschland ... ein Sommermärchen! Gerade einmal vier Jahre ist es her, dass Deutschland mitten im “WM-Sommer 2006” einen Juli erlebte, wie es ihn bis dato seit über 100 Jahren noch nicht gegeben hatte. Nicht nur in Mettingen-Schlickelde, sondern auch an 80 Prozent aller weiteren offiziellen Klimastationen in Deutschland registrierten die Geräte den heißesten Monat überhaupt seit Beginn des modernen Messzeitalters. Ein wahres Jahrhundertereignis, ein klimatologisches Denkmal für die Ewigkeit! Wirklich für die Ewigkeit?
Vier Jahre später, wir schreiben den 20. Juli 2010: Deutschland schwitzt, Deutschland dürstet und gar sonderbare Dinge tun sich an den Klimatationen im Land. Da wird fieberhaft addiert, hektisch neu gemittelt, ungläubig verglichen ... Aber es ist war, die Zahlen stimmen: Der Juli 2010, unaufhaltsam nimmt er Kurs auf den vierjährigen Jahrhundertrekord und schickt sich nun sogar an, diesen regelrecht zu pulverisieren.
Die knallharten Fakten: Nach Auswertung aller bisherigen 19 Tage einschließlich gestern erreicht der Juli 2010 eine zwischenzeitliche Monatsmitteltemperatur von sage und schreibe 22,8°C, liegt damit derzeit schier unfassbare 5,7 Grad über dem klimatologischen Mittel der Vergleichsperiode 1961-1990 für den gesamten Monat und sogar noch 1,1 Grad über dem entsprechenden Temperaturniveau des betreffenden Juli-Abschnittes 2006. Im Durchschnitt wurde an jedem einzelnen der vergangenen 19 Tage ein Tagesmaximum von über 30°C erreicht (Mittelwert 30,1°C), während es der Juli 2006 hier lediglich auf 28,7°C gebracht hatte. Rekordkurs also auf ganzer Linie! Ganz entscheidend ist in diesem Zusammenhang aber, dass der Juli 2006, im Gegensatz zu seinem diesjährigen Konkurrenten, seinen absoluten Hitzehöhenflug erst in der zweiten Monatshälfte zündete, die in einer einzigartigen Serie gleich zehn “Heiße Tage” (Tmax mind. 30,0°C) in fast ununterbrochener Abfolge produzierte.
Das Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des wärmsten Monats aller Zeiten, noch ist es also längst nicht entschieden. Das Endergebnis hängt nun maßgeblich von der Wetterentwicklung der verbleibenden 12 Tage ab. Und diese verspricht Spannung bis zuletzt! Spannung in Form einer deutlichen Abkühlung in den kommenden Tagen und einem in seiner Stärke noch schwer einzuschätzenden Aufwärtstrend im Verlauf der letzten Juliwoche. (Foto: Strohballenpresse am 14. Juli auf einem gerade abgeernteten, völlig sonnenverbrannten Feld zwischen Schlickelde und Querenberg.)
Unwetter streifen Schlickelde: 3,2 Liter/m² in einer Minute
[16. Juli 2010]
Teils heftige, örtlich sogar unwetterartige Gewitter haben am späten Abend des 16. und in der Nacht zum 17. Juli den Kreis Steinfurt überquert. Besonders betroffen: Mettingens nordwestliche Nachbargemeinde Recke, in der nach Zeitungsmeldungen (Ibbenbürener Volkszeitung) in einem Bereich etwa 3,5 Kilometer nordnordwestlich der Wetterstation Mettingen-Schlickelde zahlreiche Bäume entwurzelt sowie zum Teil Dächer abgedeckt wurden. Menschen kamen zum Glück nicht ernsthaft zu Schaden. Walter Hagemann, Wehrführer der Recker Feuerwehr, spricht nach IVZ-Angaben vom größten Baumschaden durch ein Gewitter während seines gesamten, inzwischen 40jährigen Feuerwehrdienstes: “Das hat es in dieser Stärke in Recke bislang noch nie gegeben.” Auch in Rheine, Lüdinghausen und weiteren Orten des Münsterlandes entstanden erhebliche Schäden durch Gewitterstürme. (Foto links: Ein Blitz erhellt den Nachthimmel über Schlickelde.)
Auch die Wetterstation Mettingen-Schlickelde wurde vom Recker Unwetter gestreift. Während die Gewitterböen mit 71,6 km/h in der Spitze lediglich stürmisches Niveau (Windstärke 8) erreichten, wurde die Messanlage von der Südostflanke des Starkregenbereiches noch recht deutlich gestreift (Radaranimation). So registrierte das automatische Ombrometer zwischen 23.06 und 23.07 Uhr eine maximale Niederschlagsintensität von sage und schreibe 3,2 Litern pro Quadratmeter innerhalb von nur einer Minute. Dies entspricht einer gewaltigen Stundenrate von 192 Litern, liegt aber noch recht deutlich unterhalb des bisherigen Stationsrekordes von 4,2 L/m², der am 22.06.2008 registriert worden war. Insgesamt stürzten während der Gewitterpassage inklusive einiger nachfolgender, schwacher Schauer zwischen 23 und 2 Uhr 21,0 Liter auf den Schlickelder Durchschnittsquadratmeter (manuelle Messung). Damit dürfte die nach wie vor große Trockenheit nun doch spürbarer gemildert werden.
Auch die stationseigene Wettercam dokumentierte den Durchzug des Starkregens, dessen dichter Niederschlagsvorhang trotz Dunkelheit deutlich zu erkennen ist. Desweiteren sind kurz vor Losbrechen des Gewittersturms in Kamerablickrichtung Nordnordwest (Recke) im Schein der Blitze Wolkenstrukturen sichtbar, die auf einen prächtig ausgebildeten Böenkragen hinweisen. Dieser dürfte, vermutlich in Kombination mit einem nachfolgenden Downburst, für die beträchtlichen Sturmschäden in Recke verantwortlich gewesen sein. Für das Auftreten eines Tornados gibt es dagegen, auch aufgrund der überwiegend einheitlichen Wurfrichtungen, derzeit keinerlei konkrete Hinweise. Eine Animation der Gewitterpassage, zusammengesetzt aus 1570 Einzelbildern der Wettercam Schlickelde mit 5 Sekunden Aufnahmeintervall, finden Sie hier. (Foto rechts: 22.57 Uhr ... Ein weiterer Blitz erhellt den gewaltigen Böenkragen, der sich an der Vorderseite des Gewitters mit hohem Tempo ins Bild der “Wettercam Schlickelde” und damit über den Raum Recke schiebt. Wenig später bricht heftiger Starkregen über Schlickelde herein.)
Gewitterfront über Westdeutschland: Zahlreiche Tornadomeldungen
[13. Juli 2010]
Eine unwetterträchtige Gewitterfront hat am gestrigen Montag in den Mittags- und frühen Nachmittagsstunden vor allem die Westhälfte Deutschlands von Südwest nach Nordost überquert und dabei verbreitet für beträchtliche Schäden durch Sturm- und Orkanböen sowie Starkregen und örtlichen Hagelschlag gesorgt. Ganz besonders betroffen waren dabei die Gebiete vom Niederrhein und Ruhrgebiet über das Münster- und Emsland bis hinauf zur Nordsee. Bereits kurz nach der Passage tauchten in den Medien erste Meldungen über Tornado-Beobachtungen bzw. Schäden durch “Windhosen” auf, deren Anzahl sich bis in die Abendstunden mit Vorankommen der Gewitterfront noch beträchtlich erhöhte. Nach dem ersten Zusammentragen von Augenzeugen-, Zeitungs- und weiteren Medienberichten liegen derzeit (Stand 13.07.) Tornado-Verdachtsfälle aus folgenden Orten vor:
Alle Fälle befinden sich derzeit in der Überprüfung und Auswertung. Entgegen oftmals vorschneller Beurteilungen in den Medien dürften, wenn überhaupt, erfahrungsgemäß allerdings nur in einem kleinen Bruchteil der obigen Orte tatsächlich Tornados für die Schäden verantwortlich sein. In den weitaus meisten Fällen (so z.B. höchst wahrscheinlich auch auf Helgoland) sind eher Downbursts, sogenannte Gustnados oder geradlinige Windereignisse als Ursache anzunehmen. Speziell zu den Fällen im Mettinger Umland, so z.B. in Hopsten, Wettringen oder Münster, sind natürlich auch dieses Mal mögliche Augenzeugen wieder dringend aufgerufen, sich zu melden und damit evtl. maßgeblich zur Aufklärung beizutragen. Kontaktdaten finden Sie hier auf der Webseite.
Weitgehend schadensfrei und vergleichsweise harmlos verlief die Passage der Gewitterlinie dagegen bei uns in Mettingen. Nach nochmals kräftiger Aufheizung auf bis zu 34,1°C, näherte sich gegen 13.30 Uhr mit hohem Tempo eine “schwarze Wolkenfront” aus Richtung Südwest und überquerte bis etwa 14.30 Uhr unseren Bereich Richtung Niedersachsen, schön zu verfolgen im entsprechenden, zeitlich hochaufgelösten Wolkenzeitraffer der “Wettercam Schlickelde”. Während der Passage kam es zu einem markanten Temperatursturz um beachtliche 14 Grad, Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 77 km/h sowie Starkregen. Dieser fiel allerdings so kurz aus, dass innerhalb weniger Minuten lediglich 2,3 Liter pro Quadratmeter registriert werden konnten.
Damit gewinnt zumindest direkt im Raum Mettingen das Thema Trockenheit erneut weiter an Bedeutung. Zwar fielen nach dem Rekord-Juni in den vergangenen 10 Tagen in drei gewittrigen Schüben insgesamt knapp 18 Liter Regen auf den Mettinger Quadratmeter. Dies genügt aber selbstverständlich nicht annähernd, um das große Niederschlagsdefizit auszugleichen, das sich in den vergangenen Wochen und Monaten in unserer Region entwickeln konnte. Im gesamten Zeitraum vom 1. April bis zum 12. Juli kamen lediglich 102,5 Liter Wasser jedem Quadratmeter unserer Böden zugute. Das klimatologische Soll (1961-1990) von etwa 230 Litern im entsprechenden Zeitraum wurde damit nicht einmal zu 45 Prozent erfüllt. Schon jetzt ist somit die Spätfrühlings-/Frühsommer-Periode 2010 eine der niederschlagsärmsten der letzten Jahrzehnte in Mettingen. Und auch temperaturtechnisch befindet sich dieser Sommer, im speziellen der bisherige Juli, längst auf beachtlichen Höhenflügen. Wie auch immer ... abgerechnet wird zum Schluss. (Foto: 13.35 Uhr ... Bedrohliches tut sich am Himmel über Schlickelde!)
Erneute Hitzewelle bringt 35 Grad und Gewitter
[11. Juli 2010]
Nach den Rekordtemperaturen zum Monatswechsel erlebt Mettingen in diesen Tagen die zweite große Hitzewelle des Jahres. Nach 32,4°C in der Spitze am 08.07. stürmte das Quecksilber vorgestern und gestern auf schweißtreibende Höchstwerte von 35,5°C bzw. 34,9°C. Nur wenige Tage nach dem Erreichen eines neuen Juli-Hitzerekordes (03.07.), wurde damit ein erneutes “Überbieten” nur um rund ein Grad verfehlt.
Bereits gestern erreichten dann zunehmend feucht-schwüle Luftmassen das Mettinger Land, in deren Bereich sich in der vergangenen Nacht schließlich teils kräftige Gewitter entluden. Allein zwischen 4.16 und 4.25 Uhr stürzten dabei innerhalb von nur 9 Minuten beachtliche 6,4 Liter gewittrigen Starkregens auf den durchschnittlichen Schlickelder Quadratmeter nieder. Die maximale Niederschlagsintensität wurde mit 1,2 Litern pro Minute um 4.19 Uhr registriert. Insgesamt brachten die nächtlichen Schauer und Gewitter bis zum Morgen eine Summe von 9,3 L/m² zusammen, linderten damit zumindest ein wenig die nach wie vor sehr große Trockenheit und vereitelten mit dem einhergehenden Temperaturrückgang auf ein Minimum von 19,8°C nur ganz knapp das bei uns sehr seltene Phänomen einer “Tropischen Nacht”, in der definitionsgemäß die Werte nicht unter 20°C absinken dürfen. Selbst um 2.41 Uhr waren kurz vor Gewitteraufzug noch extreme Temperaturen von über 25°C gemessen worden!
Auch heute und morgen ist in der schwülen Luftmasse erneut mit kräftigen und teils unwetterartigen Gewittern zu rechnen.
“Leuchtende Nachtwolken” über Mettingen
[05. Juli 2010]
Man musste schon Zeitungsbote, Nachtschwärmer oder Wetterbeobachter sein, um es überhaupt zu bemerken. Wer allerdings um 03.15 Uhr in der vergangenen Nacht einmal vor seine Haustür trat, konnte Zeuge eines beeindruckenden Himmelsschauspiels werden. Sogenannte “Leuchtende Nachtwolken” (Abk. NLC von engl. “noctilucent clouds”) tauchten den gesamten Mettinger Nordhimmel in ein gespenstisches Licht. NLCs bilden sich in einer Höhe von 81-85 km, im Gegensatz zu den “normalen” Wolkenformen der Troposphäre, die maximal eine Höhe von 13 km erreichen. Aufgrund ihrer großen Höhe können sie auch weit nach bzw. vor Sonnenuntergang von der schräg unter dem Horizont stehenden Sonne angestrahlt und damit zum “Leuchten” gebracht werden. Sie werden sichtbar, wenn die Sonne zwischen 6° und 16° unter dem Horizont steht. Das Licht der Sonne wird dann von den Leuchtenden Nachtwolken noch reflektiert, während der Himmel sonst bereits fast dunkel ist. Ihre Färbung hängt vom Sonnenstand ab und kann von gelb bis silbrig-perlmuttartig reichen.
Juni 2010: Deutlich zu warm und Rekord-Dürre
[04. Juli 2010]
Was war das für ein Sommermonat! Der Juni 2010, er hat in Mettingen einen klimatologischen Fußabdruck hinterlassen, der in dieser Form bislang einzigartig ist in der Geschichte der Schlickelder Wetterstation. Bevor wir uns an dieser Stelle aber den Rekorden zuwenden, werfen wir zunächst einmal einen Blick auf all die anderen Daten, die den Juni 2010 in Mettingen meteorologisch ausgemacht haben.
Nach Auswertung aller 120.000 Einzel-Temperaturdatensätze zwischen dem 01. und 30.06. kommt die Wetterstation Mettingen-Schlickelde zu folgenden Ergebnissen: Mit einer Monatsmitteltemperatur von 17,5°C wurde der vieljährige Normalwert von 15,4°C um deutliche 2,1 K überschritten. Nach einzelnen sommerlich temperierten Tagen mit allerdings noch recht frischen Nächten zwischen dem 4. und 11. Juni, folgte im mittleren Monatsdrittel, nach einem markanten Luftmassenwechsel am 12.06., eine insgesamt kühlere Phase mit Höchstwerten zwischen 16 und 24°C. Einzige Ausnahme: Der 17.06., der mit maximal 25,7°C sommerliches Niveau erreichte. Die “Schafskälte” übernahm nun die Wetter-Regie im Mettinger Land und ließ die Temperaturen in den oftmals glasklaren, windschwachen Nächten mehrmals in Erdbodennähe Richtung Gefrierpunkt sinken. Absolute Tiefpunkte: Der 16. und der 22. Juni, an denen der 5cm-Sensor über der inzwischen schon stark ausgetrockneten Rasenfläche jeweils Punkt 0,0°C registrierte. Pünktlich ab dem kalendarischen Sommeranfang (21.06.) ging´s dann jedoch steil bergauf: 21,7°C ... 26,1°C ... 28,5°C. Die letzte Juniwoche dann: Hochsommer pur bei Tagestemperaturen durchweg zum Teil weit jenseits der 25 Grad-Marke, die sich am 28. Juni schließlich auf den absoluten Monatshöchststand von 31,6°C hinaufschraubten. Insgesamt verzeichneten die Messgeräte im Juni 2010 immerhin 12 Sommertage (mindestens 25°C) sowie zwei “Heiße Tage” mit über 30°C in der Spitze. Das untere Ende der Temperaturskala besetzte dagegen der 22.06. mit einem morgendlichen Minimum von 5,6°C. Sehr beachtlich: Die zum Teil rekordverdächtig niedrigen Minima in Bodennähe, die in erster Linie aus der immer weiter fortschreitenden Austrocknung der Böden (sehr schlechte Wärmeleitung) sowie natürlich den sternenklaren Nächten resultierten. Sage und schreibe 15 Mal sanken die nächtlichen Tiefstwerte knapp über der Grasnarbe unter 5°C ab.
Das große, alles beherrschende Wetterthema im Juni 2010 in Mettingen war jedoch ein ganz anderes: 3,7 / 1,1 / 0,8 / 0,4 / 0,2 / 0,1 ... nicht 6 aus 49, sondern 6 aus 30. Diese unscheinbaren sechs Zahlen, ergänzt um die Einheit “Liter pro Quadratmeter”, sie stehen für unzählige Sorgenfalten auf der Stirn Mettinger Landwirte und beschreiben nahezu vollständig die extremen Nicht-Niederschlagsverhältnisse in einem Juni-Monat, der all seine Vorgänger in den kaum vorhandenen Schatten stellte. Sechs Mal messbarer Niederschlag, das bedeutet 24 gnadenlos definitionsgemäß “Trockene Tage” (< 0,1 mm), deren Minimengen sich allenfalls noch auf großzügig gerundete 0,2 mm Niederschlagshöhe stapelten. Es stehen also zu Buche: Erschreckende 6,5 L/m² Gesamtniederschlagsmenge, die den langjährigen Normalwert von sage und schreibe 80,3 Litern für unsere Region (Station Westerkappeln) gerade einmal zu 8 Prozent erfüllen konnten. Schlichtweg unglaubliche Zahlen, die es in der Geschichte Schlickelder Niederschlagsmessungen nie zuvor in einem Juni gegeben hatte. Lediglich der April 2007 sowie der September 2006 schafften es mit Summen von 2,5 bzw. 6,4 Litern pro Quadratmeter diesen Wert noch zu unterbieten. Mit einem wesentlichen Unterschied: Juni 2010, das bedeutete zusätzlich auch Hochsommer, sehr niedrige Luftfeuchte, Sonnenhöchststand, die höchsten Verdunstungsraten des Jahres. All diese Faktoren kamen zusammen und sorgten in Form einer regelrechten “Dürre” für eine weitläufige “Versteppung” des Mettinger Graslandes. Gärten, Grünstreifen, Sportplätze, Getreidefelder ... alles, was keinen hauseigenen Beregner vorweisen konnte, verbrannte binnen weniger Wochen nahezu vollständig.
So geht er nun schließlich als mit großem Abstand trockenster Juni in der Geschichte der Schlickelder Wetterstation in die Klimageschichte ein. Ja mehr noch: An einigen Messstationen des Münsterlandes mit historischen Beobachtungsreihen wurden gar Jahrhundertrekorde unterboten. So beispielsweise an der Klimastation Bocholt, die seit ihrer Eröffnung im Jahre 1901 keinen Juni mit einer noch niedrigeren Niederschlagshöhe (6,4 mm) aufweisen konnte. Ob und wie der “Dürre-Juni 2010” in Land- und Forstwirtschaft zu größeren Schäden geführt hat, bleibt abzuwarten und hängt schließlich auch maßgeblich vom weiteren Verlauf des Sommers ab. Nachdem bereits April und Mai ebenfalls teils erhebliche Niederschlagsdefizite aufzuweisen hatten, dürften wohl erst länger andauernde Regenfälle zu einer wirklichen Entspannung der Lage führen.
Die weiteren Monatswerte im Überblick (Abweichung in Klammern): Mittl. Relative Luftfeuchte 65,6 % (-8,5 %!), Mittl. Luftdruck 1016,2 hPa (+0,3 hPa), Mittl. Windgeschwindigkeit 7,3 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 270,4 Stunden (+22,9 %).
Einen filmischen Rückblick (56,6 MB) mit Bildern vom Dürre-Juni 2010 aus dem direkten Umfeld der
Wetterstation Mettingen-Schlickelde finden Sie hier.
Nach Rekordhitze: Feuerwehreinsatz durch Blitzeinschlag
[03. Juli 2010]
Sommer der Rekorde: Nach einer Rekord-Dürre im Juni (Bericht folgt in Kürze), verzeichnete die Wetterstation Mettingen-Schlickelde heute die nächste meteorologische Sensation. Nachdem bereits gestern eine rekordverdächtige Tageshöchsttemperatur von 34,5°C gemessen worden war, kletterte das Thermometer heute, nach fast unglaublichen 25°C bereits um 8 Uhr morgens (!), in den Nachmittagstunden auf einen absoluten Spitzenwert von 36,5°C (16.10 Uhr). Dies entspricht der höchsten Lufttemperatur, die seit Messbeginn im Mai 1991 in einem Juli in Schlickelde registriert wurde. Der bisherige Rekordhalter, der 19. Juli 2006, wurde damit auf Platz 2 verwiesen. Damals zeigten die Messgeräte 35,9°C in der Spitze. Der absolute Stationsrekord, gemessen am 12. August 2003 mit 38,0°C, bleibt jedoch auch weiterhin unerreicht. Damit geht der heutige 03. Juli 2010 als zweitwärmster Tag seit mindestens 20 Jahren in die Schlickelder Klimageschichte ein.
Auch an der offiziellen Klimastation des Deutschen Wetterdienstes in Osnabrück wurde mit 36,9°C ein neuer Rekord aufgestellt. Nie zuvor seit Messbeginn im Jahre 1952 war ein Julitag noch heißer.
Natürlich konnte all dies nicht ohne Folgen bleiben, und so griffen pünktlich zum Abpfiff des deutschen WM-Viertelfinales am frühen Abend teils heftige Gewitter auf unsere Region über, in deren Einflussbereich um Punkt 17.49 Uhr ein Blitz im unmittelbaren Umfeld der Wetterstation in ein benachbartes Wohnhaus (Wöstenstraße 69) einschlug. Die Feuerwehr war mit mehreren Fahrzeugen im Einsatz, um die Ausweitung des beginnenden Dachstuhlbrandes zu verhindern und anschließend Teile des Daches neu zu decken. Der Verkehr auf der Wöstenstraße musste vorübergehend umgeleitet werden. Durch den Blitzeinschlag kam es neben zeiweiligen Strom- und Mobilfunknetz-Ausfällen im Bereich Schlickelde auch zu einer Beschädigung im Netzwerk der Wettercam, die bedauerlicherweise nun vorerst auf unbestimmte Zeit ausfallen wird. Wir bitten dafür um Verständnis.
Einige weitere Höchstwerte vom 03.07. (Auswahl DWD / Meteomedia): Rahden-Varl 37,1°C (wärmster Ort Deutschlands) / Schloss Holte-Stukenbrock 37,1°C / Osnabrück 36,9°C / Emsdetten 36,4°C / Münster 36,4°C / Bersenbrück 36,1°C / Ibbenbüren 36,0°C
Die 30 ist geknackt
[28. Juni 2010]
Mettingen-Schlickelde, 13.24 Uhr und 42 Sekunden: Erstmals in diesem Jahr steht die “3” als erste Ziffer auf der dreistelligen Temperaturanzeige der großen Klimahütte. Mit diesem Schritt über die 30er-Hürde erlebten die Mettinger heute den ersten definitionsgemäßen “Heißen Tag” des Jahres. Bis auf einen Tageshöchststand von 31,6°C stieg die “Quecksilbersäule” im Laufe des Nachmittags weiter an. Selbst um 19.30 Uhr am Abend wurden noch 30°C gemessen.
Der Sommer ist da ... und er bleibt, jedenfalls wenn man der (richtig ausgelegten) Siebenschläferregel Glauben schenkt. Diese verspricht eine erhöhte Erhaltungsneigung des großräumigen, atmosphärischen Zirkulationsmusters, welches sich etwa im Zeitraum zwischen dem 27.06. und 07.07. über Mitteleuropa herausbildet. Was Fußballfans und Badehungrigen wie die Neuauflage des “Sommermärchens” erscheint, dürfte der Forst- und Landwirtschaft wenig märchenhaft vorkommen. So erlebt Mettingen derzeit eine fast historische Dürreperiode. Nur wolkenbruchartiger Gewitterregen kann noch verhindern, dass in 48 Stunden der mit großem Abstand trockenste Juni in der Geschichte Schlickelder Wetteraufzeichnungen zuende geht. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Zwar sind morgen und übermorgen auch über NRW örtliche Hitzegewitter möglich, diese bleiben voraussichtlich aber sehr punktuell und räumlich begrenzt. Erst am kommenden Samstag (03.07.) besteht nach derzeitigem Modellstand im Rahmen einer Frontpassage evtl. die Möglichkeit großräumigerer Gewitteraktivität. Zuvor sind dann Temperaturen von bis zu 35°C möglich.
Nachbarstation in Ibbenbüren offiziell übergeben
[25. Juni 2010]
Etwa zwei Jahre nach ihrer Inbetriebnahme wurde heute die Meteomedia-Wetterstation Ibbenbüren auch offziell ihrer Bestimmung übergeben. Neben Ibbenbürens Bürgermeister Heinz Steingröwer, Schulleiter Michael Greiwe und zahlreichen großen und kleinen Gästen, war auch TV-Meteorologe Sven Plöger zur “Schule am Aasee” angereist, um die Messgeräte der Station zu erklären, viele Fragen rund um´s Thema Wetter zu beantworten und schließlich bei herrlichstem Sommerwetter die feierliche Enthüllung der Messanlage zu vollziehen. Die Station sei das “Fenster in die Region”, so Plöger. Sie ermögliche es dem weit entfernt im Appenzeller Land ansässigen privaten Wetterdienst “Meteomedia” jederzeit den Ist-Zustand in Ibbenbüren zu bestimmen und daraus präzise Prognosen für die Region abzuleiten. Ganz ähnlich eben dem morgendlichen “Blick aus dem Fenster” vor Ort.
Nach dem offiziellen Teil und einer kleinen Autogrammstunde feierten die Schüler ihr Schulfest, während für Sven Plöger wenig später bereits wieder der Zug abfuhr. Nach Hamburg ... zur nächsten Stationseröffnung.
Ein umfangreiches Video der Veranstaltung gibt´s hier: Teil 1 / Teil 2 / Teil 3
Mettingen wartet auf Regen
[23. Juni 2010]
Eine weitere Woche ist vergangenen, eine weitere Woche ohne nennenswerten Regen über Mettingen. Die große Trockenheit in unserer Region nimmt inzwischen immer deutlicher sichtbare Ausmaße an. Einige schwache Regenfälle sowie starke Bewölkung und eine deutliche Abkühlung bremsten die weitere Austrocknung in den letzten Tagen vorübergehend zwar etwas. Mit gemessenen Mengen von aufsummiert etwa 0,5 Litern pro Quadratmeter konnte von einer wirklichen Entspannung aber keine Rede sein. Und auch die weiteren Trends werden sowohl in land- und forstwirtschaftlichen als auch in hobbygärtnerischen Kreisen für Beunruhigung sorgen. Nach derzeitigem Stand der Modelle (23.06.) setzt sich in den kommenden Tagen zunehmend sommerlich warmes und meist sonniges und trockenes Hochdruckwetter durch. Eine eher geringe Schauerneigung ist am ehesten noch für den Freitagnachmittag bzw. -abend zu erwarten, wobei aber nicht von einer wirklichen Entspannung der Lage auszugehen ist. (Foto: Das mit Gras bewachsene Messfeld der Wetterstation Mettingen-Schlickelde ist fast völlig “verbrannt”. Die Flächenbrandgefahr ist hoch.)
Wüstenverhältnisse in Schlickelde? Am gestrigen frühen Abend bildete sich gegen 17.30 Uhr, nach morgendlichen 0,0°C am Erdboden, durch nachmittäglich starke Überhitzung des völlig ausgetrockneten und somit extrem schlecht wärmeleitenden Sandbodens, ein sogenannter “Dust Devil” oder auch “Staubteufel”. Dieser etwa 25 bis 30 Meter hohe, rotierende Wirbel aus Sand und Staub, der in Wüstengebieten sehr häufig zu beobachten ist, tanzte etwa 70 Sekunden lang über eine Ackerfläche zwischen den Häusern von Schlickelde und wurde nur zufällig von der Wettercam der Station erfasst. Eine kurze Animation aus Einzelbildern mit einem Zeitintervall von fünf Sekunden können Sie sich hier ansehen. Während das Naturphänomen bei uns eher schwach und glimpflich verlief, wurden am gestrigen Nachmittag in Hannover erhebliche Schäden verursacht, die höchst wahrscheinlich ebenfalls auf einen “Dust Devil” zurückzuführen sind. Auch in den kommenden Tagen ist das Auftreten solcher Kleintromben bei uns nicht auszuschließen.
Haben auch Sie Fotos zur Trockenheit in Mettingen? - Nichts wie her damit! (max. 640 x 480 / 300 KB)
Trockenheit nimmt weiter zu
[16. Juni 2010]
Sandstürme auf den Äckern, gelbe Rasenflächen in den Gärten ... Die Trockenheit in unserer Region nimmt aufgrund weiter ausbleibender Regenfälle, hoher Sonneneinstrahlung, trockener Luftmassen und starkem Wind in diesen Tagen rasch weiter zu. Nachdem bereits der April nur 47 Prozent der normalen Niederschlagssumme gebracht hatte und auch der Mai um immerhin 16 Prozent zu trocken ausgefallen war, erreichte die Niederschlagsarmut in der ersten Junihälfte bei uns in Mettingen nun fast neue Rekordwerte. Lediglich magere 6,0 Liter pro Quadratmeter fanden zwischen dem 01. und 15.06. ihren Weg in die Niederschlagsmesser am Nagelmanns Moor ... normal wären 40 Liter! All das hat natürlich Folgen. Nicht nur direkt in Form durstender Vegetation, sondern mangels Wärmeleitung der ausgetrockneten Sandböden auch durch empfindlich frische Nächte. Punkt 0,0°C registrierten die genormten Pt100-Sensoren am heutigen Morgen in fünf Zentimetern Messhöhe über der ausgedörrten Rasenfläche des Schlickelder Messfeldes. Und nennenswerte Niederschläge sind auch in den kommenden Tagen zunächst noch nicht zu erwarten. Lediglich am Samstag und Sonntag (19./20.06.) ist nach derzeitigem Modellstand zeitweise leichter Regen möglich, der voraussichtlich aber kaum zu einer wirklich durchgreifenden Entspannung führen wird. (Foto: Videoaufnahmen vom 16.06. aus Schlickelde)
“Ladehemmung” über Mettingen
[12. Juni 2010]
Glück gehabt, Mettingen! Von den teils schweren Unwettern, die sich andernorts über Deutschland austobten, blieb das Tüöttenstädtchen in den vergangenen Tagen gottlob verschont. Sämtliche Unwetterwarnungen des DWD und anderer Wetterdienste liefen bei uns ins Leere. Doch warum eigentlich? Was kann denn an einer Gewitterprognose schon so schwierig sein?
Eine Grundvoraussetzung für kräftige Gewitter ist eine sogenannte “feucht-labile Schichtung” der Atmosphäre, in der die Temperatur mit der Höhe rascher abnimmt als es in einem vom Boden aufsteigenden Luftpaket der Fall wäre. Das bedeutet, dass ein solches Luftpaket beim Aufstieg in jeder Höhe der labilen Atmosphäre ein bisschen wärmer ist als seine Umgebung. Wie ein Heißluftballon steigt es nahezu ungebremst weiter auf. Bei relativ trockenen Luftmassen ist diese Konstellation eher selten bzw. der Auftrieb relativ schwach. Hier kommt nun die hohe Luftfeuchte ins Spiel. Ist das Luftpaket am Boden nicht nur wärmer sondern auch noch feuchter als seine Umgebung, so setzt irgendwann beim Aufstieg durch die kontinuierliche Abkühlung Kondensation ein. Es bildet sich typische Quellbewölkung, dessen sichtbares Quellen nichts anderes ist als das “Emporsprudeln” der nun feucht-gesättigten Luftpakete. (Bild links) Beim Kondensieren des zuvor im Luftvolumen unsichtbar enthaltenen (latenten) Wassers passiert aber noch etwas ganz anderes. Bei jedem Verdunstungsvorgang entzieht das verdunstende Wasser seiner Verdunstungsoberfläche Energie in Form von Wärme, die es zum Übergang in die Gasphase benötigt. Diesen Effekt kennt jeder als Kühlwirkung verdunstenden Wassers auf der Haut. Da Energie in einem abgeschlossenen System jedoch weder erzeugt noch vernichtet werden kann (Energieerhaltung), sondern lediglich zwischen Systemen ausgetauscht wird, muss die entzogene Wärme irgendwo “zwischengespeichert” werden. Sie ist als sogenannte “latente Wärme” im Luftvolumen enthalten, wird mittransportiert und erst dann wieder frei, wenn das zuvor verdunstete Wasser wieder in die flüssige Phase zurückgewandelt wird, sprich auskondensiert. Und genau dies passiert in unserem aufsteigenden Luftpaket im Zuge der Wolkenbildung. Plötzlich wird eine erhebliche Menge zusätzlicher Wärme frei, die das Luftvolumen ähnlich dem Brenner eines Heißluftballons nochmals deutlich erwärmt. Das Ergebnis: Ein weiterer rasanter Aufstieg in große Höhen und mitunter die Bildung gewaltiger Gewitterkomplexe.
Nahezu all diese (Umgebungs-) Bedingungen waren in den letzten Tagen mit sommerlichen Temperaturen und großer Schwüle (Taupunkte z.T. bis knapp 20°C) in geradezu idealer Weise ausgeprägt. Eine Situation, die man in der Meteorologie als “loaded gun” (geladene Waffe) bezeichnet. Eines jedoch fehlte: Der “zündende Funke”, der Finger am Abzugshebel. Ein Luftpaket steigt nämlich nicht einfach so auf. Es benötigt einen initialen “Anstoß”, um sich zunächst überhaupt aus seiner Ruhelage hinauszubewegen. Ähnlich einer Kettenreaktion, einer Kette aus Dominosteinen, die einen ersten kleinen “Kick” braucht, um sich in Bewegung zu setzen. In der Atmosphäre ist dies der sogenannte “Hebungsantrieb”. Ein oftmals nur kleiner Impuls, der das Luftpaket ein wenig anhebt, dadurch gegenüber der Umgebung bereits ein klein wenig erwärmt und damit den weiteren, dann selbstständigen Aufstieg in Gang setzt. Eine solche Hebung kann auf vielerlei Arten erfolgen: Eine lokale Überhitzung durch Sonneneinstrahlung (Wärmegewitter), großflächige Hebung an einer aufziehenden Kaltfront, deren Kaltluft sich keilförmig unter die Warmluft schiebt und diese empor reißt, ein Zusammenfluss von Luftströmungen, die beim Zusammenprall nur noch nach oben ausweichen können (Konvergenz) usw.. Und genau dieser Hebungsantrieb hat in Mettingen gefehlt bzw. in diesem speziellen Fall nicht ausgereicht, um eine vorhandene Sperrschicht, einen sogenannten “Deckel”, zu durchbrechen. Ausgedehnte Schichtbewölkung verhinderte eine Überhitzung und Konvergenzen bzw. Fronten lagen zu weit entfernt über Südwesteuropa bzw. Südwestdeutschland. Genau dort tobten sich die teils starken Unwetter schließlich auch aus. (Foto: Bild der “Wettercam Schlickelde” am Morgen des 10. Juni 2010)
So wird nun auch deutlich, warum die Vorhersage einer derartigen Unwetterlage ortsgenau so extrem schwierig ist. Nicht die “Grundzutaten” (labile Schichtung, Luftfeuchte usw.), die sich prizipiell aus Modellen gut herauslesen lassen, sind das Problem. Diese sind bekannt und führen zu den typischen, großflächigeren Vorwarnungen der Wetterdienste. Es ist die überaus schwierige Frage, wo genau dann nachfolgend die eigentliche, initiale Zündung erfolgt. Eine Hebung, die ausreicht um Luftpakete vom Boden (bzw. allgemein von ihrer Höhenlage) abzulösen. Letztendlich kann dies ein kleiner überhitzter Acker, der sonnenbeschienene Südhang eines Hügels, der Kühlturm eines Kraftwerks o.ä. sein. Fehlt eine solche Initialzündung, passiert überhaupt nichts. Stabiles, ruhiges, wenn auch unangenehm schwüles Wetter wie in Mettingen. Wird die Stabilität bzw. der Deckel gesprengt, ist dies der Startschuss für eine mitunter innerhalb kürzester Zeit explosionsartige Unwetterentwicklung, die dann meist ganz besonders heftig verläuft. Für eine absolut exakte Prognose müssten all diese unendlich vielen, minimalen Auslösefaktoren (Bodenart, Geländeform, Bewuchs, Industrie usw.) in einem Modell mit berücksichtigt werden, was schlicht unmöglich ist und wohl auch niemals möglich sein wird.
Und so wird es sie wohl auch weiterhin geben ... diese letzte Unsicherheit, die das Wetter letztendlich so spannend und wortwörtlich “unberechenbar” macht.
Einen zeitlich hochauflösenden Zeitraffer vom 10.06.10 mit ergänzenden Erläuterungen finden Sie hier.
Zwei Tornados über NRW
[09. Juni 2010]
Gleich zwei Tornados haben am heutigen Nachmittag in NRW für erhebliche Schäden gesorgt. Bereits gegen 14 Uhr bildete sich knapp südlich von Münster unter rascher Verstärkung eine Gewitterzelle, die nachfolgend das östliche Münsterland sowie das Osnabrücker Land in Zugrichtung Nordost überquerte und erst gegen 16.30 Uhr an der Nordgrenze des Kreises Minden-Lübbecke NRW endgültig Richtung Niedersachsen verließ. Sowohl in Hille (Kreis Minden-Lübbecke) als auch in einem Gewerbegebiet am Stadtrand von Warendorf (Münsterland / 40 km südsüdwestl. von Mettingen) kam es zu erheblichen Beschädigungen. Obwohl genauere Ermittlungen derzeit noch laufen, konnten in beiden Fällen Tornados als Ursache inzwischen eindeutig bestätigt werden. Sowohl Bild- als auch Videomaterial liegt vor. Ob es zwischen den beiden Orten entlang der fast 70 Kilometer langen Zugbahn der erstaunlich langlebigen Gewitterzelle möglicherweise zu weiteren Funnel- bzw. Tornadosichtungen kam, ist derzeit noch nicht bekannt. Auch in der kommenden Nacht muss wieder mit örtlich unwetterartigen Starkregenfällen und Gewittern gerechnet werden.
Weiterführende Informationen:
Mai 2010: Zu kalt und zu trocken
[02. Juni 2010]
Schwupp, schon ist er vorbei, der Wonnemonat. Doch war er wirklich wonnig, der Mai in diesem Jahr? Schauen wir mal ein wenig genauer hin.
Der Mai 2010, bezüglich der Temperaturverhältnisse war er markant zweigeteilt. Während Höchsttemperaturen von teils unter 10°C sowie Nachtwerte bis nache 0°C die ersten 15 Tage zur kältesten ersten Maihälfte in der Geschichte der Schlickelder Klimastation werden ließen, stiegen die Tagesmitteltemperaturen zwischen dem 16. und 31.05. zumindest an einigen Tagen zum Teil deutlich über den Mai-Normwert (1961-1990) an. Die absolute Spitze und gleichzeitig das Prädikat des einzigen Sommertages (mind. 25°C) erreichte der 23.05. mit 25,1°C, während am 7. Mai nicht einmal 9°C als Maximum gemessen wurden! Auf den absoluten Tiefststand sackte die Quecksilbersäule in den frühen Morgenstunden des 05.05. mit einem halben Grad über Null. In Knöchelhöhe wurden an jenem Morgen auf dem Schlickelder Messfeld Minima von bis zu -5,7°C verzeichnet. Insgesamt brachte uns der Mai 2010 noch 4 Bodenfrost- und satte 10 Grasfrosttage, drei davon sogar noch in der letzten Woche.
Insgesamt fanden im letzten Frühlingsmonat dieses Jahres umgerechnet 53,4 Liter Niederschlag pro Quadratmeter ihren Weg in die beiden Messgeräte am Nagelmanns Moor. Diese Monatssumme entspricht einem Minus von immerhin 16 Prozent gegenüber dem vieljährigen Schnitt der Vergleichsperiode 1961-1990 (Station Westerkappeln: 63,6 L/m²). Entgegen vielfacher Meinungen war der Mai 2010 also zwar zu kühl aber alles andere als “verregnet”! Besonders augenscheinlich wurden diese Verhältnisse innerhalb der zweiten Monatshälfte vor dem 30.05., als Gärten und Äcker doch bereits sichtbar austrockneten. Der 30. Mai brachte dann diesbezüglich nicht nur eine deutliche Entspannung, sondern mit 14,7 Litern pro m² auch die größte 24 Stunden-Summe des gesamten Monats. Dennoch blieben 13 Tage zwischen dem 01. und 31.05.2010 gänzlich trocken (< 0,1 L/m²). Die maximale Niederschlagsintensität von 0,4 Litern pro Minute am 30.05. ist kaum weiter erwähnenswert. Gewitteraktivität wurde im Mai 2010 über Schlickelde keine beobachtet.
Weitere Monatswerte aus dem Mai 2010 sowie, falls vorhanden, deren Abweichungen zur Normperiode 1961-1990: Mittl. Relative Luftfeuchte 74,5 % (+2,8 %), Mittl. Luftdruck 1014,8 hPa (-0,6 hPa), Mittl. Windgeschwindigkeit 8,0 km/h, Summe Sonnenscheindauer (DWD-Station Flughafen Münster/Osnabrück) 135,1 Stunden (-66,2 %).
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